Mensch im Fokus: Wie Inklusion am Arbeitsplatz gelingt

Inklusion am Arbeitsplatz ist mehr als eine gesellschaftliche Aufgabe, sie ist auch ein strategisches Thema für Unternehmen. Menschen mit Behinderung stoßen auf dem Arbeitsmarkt häufig auf Hürden, obwohl sie gut qualifiziert sind. Karin Alles und Martina Päßler zeigen in dieser Folge, dass Unternehmen, die sich mit Inklusion beschäftigen, neue Potenziale erschließen und ihre Arbeitgeberattraktivität stärken.

Unsere Gäste in dieser Folge

Karin Alles ist Psychologin und seit 2023 EAA-Fachberaterin bei den Fachdiensten für Arbeit und Integration, einer Einrichtung der Evangelischen Heimstiftung Pfalz. Ihre Aufgabe als EAA-Fachberaterin ist es, Unternehmen für Inklusion zu sensibilisieren. Sie unterstützt bei der Einstellung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung.

Martina Päßler ist Kommunikationspsychologin und seit 2024 EAA-Fachberaterin bei den Fachdiensten für Arbeit und Integration der Evangelischen Heimstiftung Pfalz. Zusätzlich ist sie als BBD-Fachberaterin tätig. Sie berät bei der Einstellung und Beschäftigung von Arbeitnehmer*innen mit einer Schwerbehinderung.

Unsicherheiten und Vorbehalte ausräumen

Viele Unternehmen stehen dem Thema Inklusion offen gegenüber, jedoch herrschen zahlreiche Unsicherheiten. Fragen zu Leistungsfähigkeit, Aufwand und rechtlichen Rahmenbedingungen stehen im Raum und führen zur Zurückhaltung bei der Anstellung von Menschen mit Behinderung. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass viele dieser Vorbehalte sich durch Information und konkrete Erfahrungen abbauen lassen.

Dieser Dschungel von Bürokratie ist doch das, was die Unternehmen daran hindert, überhaupt Menschen mit Behinderungen einzustellen. Und da kommen wir ins Spiel. Da hilft die EAA.

Martina Päßler
EAA-Fachberaterin

Die Rolle der EAA als Partner

Die Abkürzung EAA steht für Einheitliche Ansprechstellen für Arbeitgeber und besteht seit 2022. Die EAA sind bundesweit vertreten und beantworten Fragen rund um berufliche Inklusion. Als Lotsen stehen die EAA-Fachberater*innen Unternehmen bei Fragen rund um Ausbildung, Einstellung, Berufsbegleitung und Beschäftigungssicherung von Menschen mit Schwerbehinderung und Gleichgestellten zur Verfügung.

Sie unterstützen bei Antragstellungen, beraten in gemeinsamen Gesprächen und vermitteln zu weiteren Stellen, zum Beispiel dem Berufsbegleitenden Dienst (BBD), der sich u. a. mit dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) beschäftigt.

Die Beratung der EAA ist für Arbeitgeber kostenlos und wird über die Ausgleichsabgabe finanziert, die Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten zahlen müssen, wenn sie keine Personen mit Schwerbehinderung oder Gleichgestellte beschäftigen.

Inklusion sichtbar machen

Bereits im Recruiting entscheidet sich, ob Menschen mit Behinderung sich vom Unternehmen angesprochen fühlen. Entscheidend hierbei ist, dass eine Stellenanzeige beispielsweise barrierefrei gestaltet oder in einfacher Sprache verfasst ist. Auch die gezielte Ansprache von Menschen mit Behinderung kann helfen, neue Zielgruppen zu erreichen – ein einzelner Standardsatz reicht dafür jedoch nicht aus.

In der Praxis zeigt sich außerdem, dass unflexible Auswahlprozesse dazu führen können, dass potenzielle Bewerbende frühzeitig ausgeschlossen werden. Wer hier ansetzt, erweitert seinen Talentpool und stärkt die eigene Arbeitgebermarke.

Ich denke, dass es in Zukunft weggeht von starren Stellenbeschreibungen, sondern umgekehrt geschaut wird, was Bewerbende mitbringen und wie die Stelle auf sie zugeschnitten werden kann.

Karin Alles
EAA-Fachberaterin

Mehrwert für alle

Inklusion bedeutet, Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass sie den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden. Maßnahmen wie flexible Arbeitszeiten, ergonomische Arbeitsplätze oder klare Kommunikationsstrukturen kommen dabei nicht nur einzelnen Personen zugute, sondern dem gesamten Team. Oft sind es genau diese Veränderungen, die auch unabhängig von Behinderung die Arbeitsqualität verbessern.

Im Grunde bedeutet ja Inklusion: Alle sind dabei. Und ich finde das als Blickwinkel ganz wichtig. Als Unternehmen inklusiv zu sein, ist oft gar nicht unbedingt was Besonderes, sondern einfach zu gucken, dass es allen gut geht.

Karin Alles
EAA-Fachberaterin

Inklusion beginnt nicht erst bei der Einstellung neuer Mitarbeitender. Viele Einschränkungen entstehen im Laufe des Arbeitslebens, das Schlüsselwort lautet daher: Prävention.

Instrumente wie das Betriebliche Eingliederungsmanagement (Maßnahme, um längere Arbeitsunfähigkeit zu überwinden, erneuter Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen und den Arbeitsplatz und die Gesundheit des betroffenen Beschäftigten zu erhalten), Jobcoaching (Begleitung durch Expert*in an den Arbeitsplatz, um ggf. Bedingungen zu verbessern) oder Jobcarving (Aufgaben bündeln, die ein Mensch mit Behinderung übernehmen kann) helfen dabei, Arbeitsfähigkeit und Gesundheit langfristig zu erhalten und gleichzeitig den Menschen die Aufgaben zu geben, die sie leisten können. Inklusion wird so zu einem kontinuierlichen Prozess, der Unternehmen nachhaltig stärkt.

Weitere Infos zum Thema Behinderung und Inklusion

Umfangreiche Infos zum Thema Inklusion und Behinderung bieten das Kompetenzzentrum für Fachkräftesicherung und die Rehadat.

Einige Unternehmen bieten gelungene Online-Inklusionstrainings an, zum Beispiel die Breuer + Nohr GmbH & Co. KG. Auch die Integrationsämter BIH bietet Selbstlernkurse an.

Der Selbsttest „Sag ich’s“ dient der Prüfung, ob jemand seine Behinderung im Arbeitskontext mitteilen möchte.

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