Klischeefrei in die Zukunft: Wie Vielfalt Unternehmen stärkt

Ob Handwerk, Pflege oder Technik – viele Berufsfelder sind noch immer klar von Geschlechtern geprägt, auch die Energie- und Wasserwirtschaft. Solange technische Berufe als „Männerjobs“ gelten, bleibt das Potenzial vieler ungenutzt. Doch das muss nicht so bleiben. Unser Podcast-Gast Miguel Diaz zeigt, dass sich Kultur verändert, wenn wir Geschlechterbilder bewusst hinterfragen. Denn Rollenklischees sind kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis gesellschaftlicher Prägung.

Unser Gast in dieser Folge

Miguel Diaz hat sich nach Ausbildungen und einigen Berufsjahren im technischen Bereich (Stahlbetonbauer, Vermessungstechniker) für ein Soziologie-Studium entschieden. Inzwischen ist er seit 2005 im Kompetenzzentrum Technik, Diversity und Chancengleichheit in Bielefeld beschäftigt und leitet dort seit 2016 die „Servicestelle der Initiative Klischeefrei“.

Wie Klischees Chancen begrenzen

Berufs- und Studienwahl sind stärker von Rollenbildern geprägt, als uns bewusst ist. Jugendliche entscheiden sich immer noch nach längst überholten Vorstellungen von „Männer-“ und „Frauenberufen“. Mädchen schließen dadurch fast zwei Drittel aller Berufe aus, Jungen etwa ein Viertel. Dadurch entgehen ihnen nicht nur persönliche Chancen, auch der Arbeitsmarkt verliert wertvolles Potenzial. Wer die dahinterliegenden Denkmuster erkennt, kann sie durchbrechen und Jugendlichen ermöglichen, nach Interessen statt nach Erwartungen zu entscheiden.

Jugendliche können viel mehr von ihren Talenten, ihren tatsächlichen Interessen folgen, wenn sie eine Berufswahl so gestalten, dass sie frei von Geschlechterklischees ist.

Miguel Diaz
Projektleiter Initiative Klischeefrei

Klischeefrei handeln

Dass alle Menschen die Möglichkeit einer klischeefreien Berufswahl haben, dafür setzt sich die Initiative Klischeefrei ein. Sie stärkt Kinder bereits im Vorschulalter, bietet E-Learning-Angebote für Berufsberatende und arbeitet eng mit Partnerunternehmen zusammen. Das Ziel dabei: eine Arbeitswelt, in der sich alle Menschen angesprochen fühlen.

Und genau da kommen Unternehmen ins Spiel. Die Verantwortung beginnt schon bei der Stellenanzeige: Hier reicht ein simples „(m/w/d)“ nicht aus. Sprache sollte alle Geschlechter ansprechen und stereotype Begriffe vermeiden. Auch Bildwelten, Wortwahl und die gesamte Kommunikation prägen, wer sich angesprochen fühlt. Ganz wichtig: eine Unternehmenskultur, die Offenheit fördert und bereit ist, sich zu verändern.

Unser Ziel sollte es sein, dass die Berufe deutlich mehr durchmischt werden.

Miguel Diaz
Projektleiter Initiative Klischeefrei

Vielfalt zahlt sich aus

Der Einsatz für Klischeefreiheit lohnt sich, denn die Forschung zeigt, dass vielfältige Teams kreativer, innovativer und erfolgreicher sind. Außerdem sinkt der Fachkräftemangel, wenn die Berufe weniger nach Geschlecht getrennt sind. Denn es entstehen Arbeitsumfelder, in denen Menschen ihre Fähigkeiten unabhängig von Rollenbildern einbringen können.

Dabei sei ganz klar gesagt, dass niemand über Nacht klischeefrei wird. Veränderung ist ein Prozess – doch er beginnt mit der Bereitschaft, loszugehen. Unternehmen, die offen zeigen, dass sie an Vielfalt arbeiten, senden eine starke Botschaft: Wir sind bereit, uns zu verändern. Und das zieht Menschen an, die mitgestalten möchten – und zwar unabhängig vom Geschlecht.

Wir sind alle von Geschlechterklischees geprägt. Entscheidend ist, dass wir bereit sind, uns zu verändern.

Miguel Diaz
Projektleiter Initiative Klischeefrei

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