Azubis gewinnen und langfristig binden

Viele Unternehmen investieren viel Energie in die Nachwuchsgewinnung. Doch eine erfolgreiche Candidate Journey umfasst weit mehr als den Bewerbungsprozess. In dieser Folge erklärt Dr. Nicole Sträfling vom Netzwerk Q, wie Unternehmen die unterschiedlichen Phasen der Candidate Journey gestalten können – von der ersten Aufmerksamkeit bis zur langfristigen Bindung. Dabei zieht sich ein Gedanke durch alle Phasen: Junge Menschen möchten ernst genommen, wertgeschätzt und authentisch begleitet werden. Außerdem verrät unser Gast, wie das Netzwerk Q Ausbildungsverantwortliche bei dieser Aufgabe unterstützt.

Unser Gast in dieser Folge

Dr. Nicole Sträfling ist seit 2021 am Institut der deutschen Wirtschaft tätig und arbeitet dort im Projekt Netzwerk Q (ehemals Netzwerk Q 4.0). Als Senior Referentin für digitale Berufsbildung entwickelt sie digitale, praxisnahe Lernszenarien und legt dabei besonderen Wert auf interaktive Elemente, die ausbildungsnahes und motivierendes Lernen ermöglichen. Ein zentraler Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im Ausbildungsmarketing, mit dem sie sich insbesondere während der Projektlaufzeit intensiv auseinandergesetzt hat.

Aufmerksamkeit schaffen: authentisch statt austauschbar

Der erste Kontakt entscheidet oft darüber, ob sich junge Menschen überhaupt mit einem Unternehmen beschäftigen. Zunächst müssen die potenziellen Nachwuchskräfte erreicht werden und zwar am besten dort, wo sie unterwegs sind: auf Social-Media-Plattformen wie Instagram, TikTok und Snapchat.

Aber auch Eltern und Angebote zur Berufsorientierung wie Praktika sind gute Anknüpfungspunkte, um die Aufmerksamkeit von Jugendlichen zu gewinnen. Besonders authentisch wirken Einblicke, die von aktuellen Auszubildenden gestaltet werden und den Ausbildungsalltag aus ihrer Perspektive zeigen.

Authentisch sein, echt sein und zeigen, was die Ausbildung ausmacht. Genau dann kann man Talente für sich begeistern oder gewinnen.

Dr. Nicole Sträfling
Senior Referentin für digitale Berufsbildung

Ist das Interesse geweckt, sollte auch der Bewerbungsprozess möglichst einfach gestaltet sein. Unternehmen können sich dabei fragen, welche Anforderungen für den jeweiligen Ausbildungsberuf tatsächlich notwendig sind und ob beispielsweise ein klassisches Motivationsschreiben überhaupt den entscheidenden Mehrwert liefert.

Was ist eigentlich Pre-Boarding?

Zwischen Vertragsunterschrift und Ausbildungsbeginn vergehen häufig mehrere Monate. Diese Zeit sollte aktiv genutzt werden, um die Beziehung zum künftigen Auszubildenden aufrechtzuerhalten, das sogenannte Pre-Boarding. Kleine Gesten wie Geburtstagskarten, Einladungen zu Betriebsfeiern oder erste Kennenlernangebote vermitteln Wertschätzung und stärken die Bindung.

Auch Informationen zum Ablauf am ersten Arbeitstag oder ein Hinweis auf die richtige Kleidung reduzieren Unsicherheiten und tragen zur Vorfreude bei. Schon mit einfachen Maßnahmen können Unternehmen die Bindung ihrer zukünftigen Auszubildenden vor dem ersten Arbeitstag stärken und zeigen, dass sie sich auf deren Start freuen.

Kommunikation auf Augenhöhe: begleiten und binden

Ein gelungenes Onboarding geht fließend in die eigentliche Ausbildungsbegleitung über. Dazu zählen eine gute Integration ins Team, feste Ansprechpersonen und regelmäßige Feedbackgespräche. Wichtig sind dabei Kommunikation auf Augenhöhe und strukturierte Rückmeldungen.

So werden Erwartungen frühzeitig abgeglichen und Vertrauen aufgebaut. Denn Ausbildungsverantwortliche sind heute nicht mehr nur Ansprechpersonen für fachliche Fragen, sondern begleiten die Auszubildenden auch in ihrer persönlichen Entwicklung.

Eine gute Ausbildung erkennt man darin, dass möglichst die meisten Auszubildenden im Unternehmen bleiben.

Dr. Nicole Sträfling
Senior Referentin für digitale Berufsbildung

Impulse für eine moderne Ausbildung

Viele der vorgestellten Maßnahmen lassen sich mit Angeboten des Netzwerks Q vertiefen. Neben sofort nutzbaren Praxismaterialien bietet das Netzwerk E-Learnings, Vorträge, Workshops und umfangreichere Trainings an. Ziel ist es nicht nur, Wissen zu vermitteln, sondern gemeinsam Lösungen für konkrete Herausforderungen zu entwickeln und voneinander zu lernen. So erarbeiten Ausbildungsverantwortliche praxisnahe Impulse, die sie direkt in den Ausbildungsalltag übertragen können.

Mehr über das Netzwerk Q erfahrt ihr in unserem Magazinbeitrag zum Projekt.

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