Im Werben um Fachkräfte sind Gleichaltrige oft die besseren Botschafter. Der Zweckverband Landeswasserversorgung ist es mit einem Anhänger gelungen, die eigenen Azubis zu den größten Anhängern ihres Unternehmens zu machen.
Dieser Beitrag stammt ursprünglich aus der Fachzeitschrift DVGW energie | wasser-praxis.
Christoph Hamm konnte und wollte seinen Stolz nicht verbergen. Stellvertretend für seine fünf Azubi-Kollegen nahm er den Preisscheck in Höhe von 1.500 Euro entgegen und reckte ihn in den Himmel: „Es fühlt sich sehr gut an, gewonnen zu haben. Dadurch sieht man, dass gute Arbeit belohnt wird“, freute sich der 18-Jährige. Sein Arbeitgeber, der Zweckverband Landeswasserversorgung (LW), wurde im Rahmen des Gas-Wasser-Tages der DVGW-Landesgruppe Baden-Württemberg geehrt: Den ersten Preis gab es für die Idee und die Umsetzung, einen Anhänger für Ausbildungsmessen umzubauen.
Lange bevor Christoph Hamm seine Ausbildung zum Umwelttechnologen begonnen hat, hatten die Meister und Ausbilder der Landeswasserversorgung im Januar 2023 die Köpfe zusammengesteckt und beratschlagt, wie man der Herausforderung Fachkräftemangel begegnen könnte. Zwar präsentierte sich das Unternehmen regelmäßig auf Ausbildungsmessen und Schulveranstaltungen, jedoch konnten sich angehende Azubis im Gespräch nicht so richtig vorstellen, welche Aufgaben und Fähigkeiten hinter den Berufsbildern steckten.
Anders sähe das aus, wenn man ein paar typische Handgriffe ausprobieren könnte, meinten die Meister. Das senke die Hemmschwelle vor abstrakten Bezeichnungen und fördere die Freude am Experimentieren. Vom Winter 2024 bis ins Frühjahr 2025 arbeiteten sechs Azubis unter der Aufsicht ihrer Ausbilder in der Folge unermüdlich daran, einen handelsüblichen Anhänger in eine mobile Versuchsstation umzubauen. Valentin Bergstein, stellvertretender Meister in der Aufbereitung Wasserwerk Langenau, beobachtete bei seinen Schützlingen erstaunliche Fortschritte: „Es hat mich gefreut mitanzusehen, wie die Fähigkeiten und Kenntnisse stetig gewachsen sind.“ Neben den handwerklichen Fertigkeiten, betont Azubi Christoph Hamm, habe er auch zwischenmenschliche Fähigkeiten weiterentwickelt: „In dem Projekt haben wir Teamarbeit gelernt: Lösungen zu finden, wenn etwas nicht ganz nach Plan funktioniert hat.“
Warum sich Christoph für die Ausbildung zum Umwelttechnologen für Wasserversorgung entschieden hat und wie sein Alltag aussieht, erfährst du in seinem Erfahrungsbericht.
Das Ergebnis der gemeinschaftlichen Anstrengung ist ein 1.700 kg schwerer Anhänger, der von Transportern zu Messen und Schulveranstaltungen gezogen werden kann. „Eine Herausforderung bestand darin, dass der Anhänger einerseits mobil sein sollte und eine gewisse Zuglast nicht übersteigen durfte, andererseits sollten die verschiedenen Experimentierstationen hochwertig und belastbar sein“, erklärt Ausbilder Valentin Bergstein.
Nach monatelanger Tüftelei ist der erhoffte Publikumsmagnet für Messen fertig und bildet vier Berufsbilder ab. Junge Menschen, die sich für eine Ausbildung zum Chemielaboranten interessieren, können an einer Station Versuche aus der Wasseranalytik durchführen: Sie messen den pH-Wert von Wasser und anderen Flüssigkeiten, bestimmen die Konzentration von Lösungen mittels Säure-Base-Titration und untersuchen die elektrische Leitfähigkeit verschiedener Lösungen.
Angehende Umwelttechnologen, so wie Christoph Hamm, und Anlagenmechaniker erkunden den Weg unseres Trinkwassers – von der Gewinnung mit einer Handpumpe über die Aufbereitung in einem Mehrschichtfiltermodell bis hin zur Verteilung im Fernleitungsnetz via Pumpen und Druckerhöhungsanlagen. Ein Highlight: Im Rohrnetz kann man mithilfe eines Mikrofons ein Leck in der Leitung orten.
Die Wände des Anhängers lassen sich auf Messen hinten und an den Seiten hochklappen, sodass drei Versuchsstationen für vier Berufsbilder zum Vorschein kommen. Foto: Zweckverband Landeswasserversorgung
Wer sein technisches Verständnis und handwerkliches Geschick ausprobieren möchte, findet an der dritten Station einen Stecker vor, den es fachkundig anzuschließen gilt. Außerdem erfahren Jugendliche hier, wie ein Elektroniker für Betriebstechnik eine elektrische Steuerung verdrahtet.
„Weil der Anhänger nicht nur die Vielfalt der Aufgaben in der Wasserwirtschaft zeigt, sondern auch zum Mitmachen und Ausprobieren einlädt, wurde das Projekt von der Jury des Wettbewerbs „Azubis – Volle Power!“ mit der höchsten Punktzahl bewertet“, begründete Thomas Anders von der DVGW-Landesgruppe Baden-Württemberg die Platzierung.
Die Projekte zeigen, dass die Auszubildenen hervorragende Ideen haben, wie sie Schüler und Jugendliche erreichen und für eine Ausbildung oder ein Studium im Bereich der Energie- und Wasserwirtschaft interessieren können. „Die Einbindung unserer Auszubildenden ist ein Erfolgsfaktor“, bestätigt LW-Ausbildungsleiterin Carina Binder. „Sie bringen frische Ideen ein, fungieren als authentische Botschafter und senken die Hemmschwelle für Gleichaltrige, Fragen zu stellen.“
Die Vorfreude bei allen Projektbeteiligten ist groß, mit dem Ausbildungsanhänger auf Jungfernfahrt zu gehen. Seine Premiere feiert der rollende Markenbotschafter auf einer Ausbildungsmesse in Langenau am 18. Oktober 2025. Die ausgezeichneten LW-Azubis wiederum feierten schon mal vor: Das Preisgeld aus dem Wettbewerb steckten sie in einen Azubi-Tag mit den neuen Auszubildenden, die im September 2025 angefangen haben. Beim E-Kart-Fahren ging es jedoch weniger darum, E-Motoren zu inspizieren, als vielmehr um dies: Freude am Miteinander.
Der Wettbewerb „Azubis – Volle Power!“ richtet sich an Unternehmen aus der Energie- und Wasserwirtschaft. Die DVGW-Landesgruppe Baden-Württemberg, der VfEW, die VKU-Landesgruppe Baden-Württemberg und der VDE Südwest prämieren in ihm Auszubildende, die mit ihren klugen Ideen und Nachwuchsprojekten bei Schülerinnen und Schülern Interesse an einer Ausbildung in der Branche wecken. „Azubis – Volle Power!“ wurde 2019 ins Leben gerufen, mehr als 80 Projekte wurden seitdem in den sechs Wettbewerbsrunden eingereicht.
Kontakt:
Michael Simon
Zweckverband Landeswasserversorgung
Schützenstr. 4
70182 Stuttgart
Tel.: 0711 2175-1327
E-Mail: simon.m@lw-online.de
Internet: www.lw-online.de