Vom Besucher zum Aussteller auf einer Ausbildungsmesse binnen drei Jahren – damit hat Christoph Hamm wohl nicht gerechnet, als er sich im Sommer 2023 um den Ausbildungsplatz zum Umwelttechnologen für Wasserversorgung beim Zweckverband Landeswasserversorgung beworben hat. Gemeinsam mit seinen Mit-Azubis hat er im vergangenen Jahr am Wettbewerb „Azubis – Volle Power!“ teilgenommen und dort gezeigt, was für ihn die Ausbildung ausmacht: Spaß, Abwechslung und die Möglichkeit, dem Wasser auf den Grund zu gehen.
Wer kümmert sich um unsere Wasserversorgung? Welche Aufgaben fallen in einem Wasserwerk an und wie wird eigentlich aus dem Wasser aus der Erde Trinkwasser? Fragen, auf die auch Christoph Hamm eine Antwort gesucht hat. Durch verschiedene Ausbildungsmessen war dem heute 19-Jährigen der Zweckverband Landeswasserversorgung (LW) schon ein Begriff, doch die genauen Aufgaben waren Christoph noch nicht so ganz klar. Das Interesse war jedoch geweckt und er informierte sich über die Ausbildung zum Umwelttechnologen für Wasserversorgung.
„Naturwissenschaften und Technik haben mir in der Schule schon Spaß gemacht, deswegen passte es sehr gut“, fasst Christoph seine Entscheidung für die Bewerbung um die Ausbildung zum Umwelttechnologen zusammen und auch die Wahl des Ausbildungsbetriebs fiel dem Azubi leicht: „Ich habe mich für den Zweckverband Landeswasserversorgung entschieden, weil ich dort einen krisensicheren Job habe.“
Alle Infos über den Beruf, die Aufgaben, Voraussetzungen, Gehalt und Weiterbildungsmöglichkeiten findest du im Steckbrief zur Ausbildung als Umwelttechnologe für Wasserversorgung.
Um den Übergang von der Schule in die Ausbildung so einfach wie möglich zu gestalten, fand zum Ausbildungsstart eine Einführungswoche statt, um die neuen Kolleg*innen und natürlich Mit-Azubis kennenzulernen. Für alle Ausbildungsstarter*innen gab es einen Rundgang über alle Standorte und die Gelegenheit, sich über die künftigen Einsatzgebiete hinweg auszutauschen. Denn in seinem Jahrgang ist Christoph der Einzige, der sich für die Wasserversorgung entschieden hat. Seine fünf Mit-Azubis verteilen sich auf die Ausbildungsplätze in der Anlagenmechanik, Elektronik, Labor sowie IT.
Christophs Hauptarbeitsort: das Wasserwerk in Langenau. Foto: Zweckverband Landeswasserversorgung
Christophs Arbeitsort ist das Wasserwerk in Langenau. Dort ist er hauptsächlich für die Aufbereitung des Trinkwassers zuständig: Im Team bedienen und warten sie dort die Filteranlagen, fahren die Brunnen ab, beheben Störungen und nehmen regelmäßig Wasserproben, um die Qualität des Trinkwassers zu sichern. Das Team in der Aufbereitung setzt sich aus rund 15 Kolleg*innen mit unterschiedlichen beruflichen Qualifikationen zusammen: Wassermeister*innen, Anlagenmechaniker*innen, Elektroniker*innen, Quereinsteiger*innen – alle Fähigkeiten werden benötigt, um einen störungsfreien Ablauf im Wasserwerk zu gewährleisten.
Christoph ist bereits im zweiten Ausbildungsjahr, erinnert sich aber noch gut an die Anfänge, denn da ging es erst einmal um die Verinnerlichung von Routinen. Dazu gehört die Revision – also Wartung – der Anlagen und Reaktoren zur Wasseraufbereitung. „Eine Aufgabe war die Beprobung der eingesetzten Aktivkohle. Diese wird genutzt um organische Spurenstoffe (z.B. Pestizidrückstände) aus dem Wasser zu entfernen. Wir prüfen deswegen regelmäßig, ob die Aktivkohle noch Aufnahmekapazität hat, und tauschen sie aus, wenn es nötig ist“, erklärt der Auszubildende.
Mich hat am Anfang echt überrascht, wie viele Schritte das Wasser in der Aufbereitung durchläuft und wie riesig die ganzen Anlagen sind.
Christoph Hamm
Umwelttechnologe für Wasserversorgung
Als Wasserversorgungsunternehmen ist die Landeswasserversorgung für rund drei Millionen Einwohner im Versorgungsgebiet zuständig. Neben dem Wasserwerk in Langenau, in dem Christoph arbeitet, gibt es in Dischingen noch ein zweites Wasserwerk, das von der LW betrieben wird.
Christoph durchläuft in jedem Ausbildungsjahr verschiedene Abteilungen am Standort in Langenau, um jeden Arbeitsbereich inklusive der verschiedenen Aufgaben kennenzulernen. Dazu gehört beispielsweise die Wassergewinnung oder die mechanische Werkstatt. Dort hat der Azubi im ersten Lehrjahr einen Metallgrundkurs absolviert, um die Grundlagen der Metallbearbeitung zu erlernen.
Während der Ausbildung ist Christoph auch im Labor tätig. Foto: Zweckverband Landeswasserversorgung
Analog dazu arbeitet der 19-Jährige in der Elektrowerkstatt, um einfache elektrische Aufgaben zu erledigen: „Ich habe zum Beispiel gelernt, wie ich Kabel verlege, defekte Geräte repariere oder wie ich den Motor einer Pumpe austausche.“ Pro Ausbildungsjahr ist Christoph zwei Wochen im Labor, um seine Fähigkeiten in der Beprobung von Wasser auf Stand zu halten, indem er den pH-Wert einer Probe bestimmt oder den Masseanteil berechnet. Besonders die Arbeit im Labor und in der Metallwerkstatt sind nämlich prüfungsrelevant.
Zur LW gehören außerdem 3 Betriebsstellen, die das ca. 780 km lange Rohrleitungsnetz überwachen. Auch dort verbringt Christoph pro Ausbildungsjahr etwa drei Wochen, um das Streckennetz kennenzulernen und im Außendienst Aufgaben zu übernehmen. Das sind beispielsweise Einsätze bei Rohrbrüchen oder die Wartung der Trinkwasserbehälter.
An meiner Ausbildung gefällt mir, wie abwechslungsreich die Aufgaben sind. Jeden Tag kann ich woanders arbeiten und erledige Aufgaben, für die mal mehr Köpfchen und mal mehr Kraft gefragt ist. In meinem Job wird mir auf jeden Fall nicht langweilig.
Christoph Hamm
Umwelttechnologe für Wasserversorgung
Neben der praktischen Arbeit im Ausbildungsbetrieb besucht Christoph dreimal pro Lehrjahr in Blöcken von jeweils vier bis fünf Wochen die Berufsschule in Stuttgart. Der Unterricht dort ist in Lernfelder aufgeteilt. Jedes Lernfeld behandelt ein anderes Thema, unter anderem Wassergewinnung und -aufbereitung sowie Wasserverteilung oder das Lagern, Bearbeiten und Anwenden von Werk-, Hilfs- und Gefahrstoffen.
„Dieses Jahr haben wir das Thema Brunnen durchgenommen, aus denen das Grundwasser gefördert wird. Wir haben gelernt, wie die Brunnen aufgebaut sind und wie sie funktionieren“, erläutert Christoph. Die einzelnen Lernfelder bereiten die Azubis auf die gestreckte Abschlussprüfung vor. Einen Teil der Prüfung hat der Azubi zu Beginn des zweiten Ausbildungsjahres absolviert.
Die Prüfung setzt sich aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil zusammen, wobei der praktische Teil noch einmal in drei Prüfungen gegliedert ist: Werkstatt, Computer und Labor. In der Werkstatt musste Christoph seine handwerklichen Fähigkeiten in der Metallbearbeitung zeigen, am Computer ein Fließbild erstellen, welches eine Wasserversorgungsanlage darstellt, und zu guter Letzt in der Laborprüfung sein Wissen im Umgang mit Chemikalien unter Beweis stellen.
Zusätzlich zur Berufsschule finden regelmäßige überbetriebliche Lehreinheiten im Elektro Technologie Zentrum (etz) in Stuttgart statt, um die elektrotechnischen Fertigkeiten auszubauen. Sowohl für diese Lehreinheiten als auch für die Berufsschule wohnt Christoph mit seinen Mit-Azubis in einem Wohnheim, um sich das Pendeln zu ersparen. Da Berufsschule und etz verpflichtender Bestandteil der Ausbildung sind, übernimmt die Landeswasserversorgung die Kosten für die An- und Abreise sowie für die Unterbringung und Verpflegung im Wohnheim.
Ein Highlight für Christoph: die Gestaltung und Umsetzung eines Anhängers, um vier der technischen Ausbildungsberufe der Landeswasserversorgung auf Ausbildungsmessen vorstellen zu können.
Vielen Jugendlichen in der Berufsorientierung geht es nämlich so wie Christoph: Er konnte sich unter dem Beruf des Umwelttechnologen nicht so viel vorstellen. Um dies anschaulicher erklären zu können, baute Christoph gemeinsam mit fünf Azubi-Kolleg*innen unter der Aufsicht ihrer Ausbilder*innen eine mobile Versuchsstation.
Dort können Interessierte die Berufe Umwelttechnolog*in für Wasserversorgung, Elektroniker*in für Betriebstechnik, Anlagenmechaniker*in sowie Chemielaborant*in entdecken und typische Handgriffe ausprobieren.
Gemeinsam mit seinen Mit-Azubis hat Christoph eine mobile Versuchsstation für verschiedene Berufe gebaut. Foto: Zweckverband Landeswasserversorgung
„Als Grundlage hatten wir einen komplett leeren Anhänger, den wir nach und nach ausgebaut haben. Wir haben ein Modell einer Wasserversorgungsanlage eingebaut, wo man die Wasseraufbereitung bis hin zum Leitungsnetz nachverfolgen kann. Im Leitungsnetz haben wir einen Rohrbruch simuliert, um eine potenzielle Aufgabe der Anlagenmechaniker*innen zu zeigen“, erklärt Christoph. Aber auch für die anderen beiden Berufsbilder ist gesorgt. Wer sich für Elektronik interessiert, kann einen Stecker anschließen, und Chemiebegeisterte können im Labor unter anderem den pH-Wert von Flüssigkeiten bestimmen.
Dass nicht nur Christoph und seine Mit-Azubis von dem Anhänger begeistert sind, verdeutlicht der erste Platz, den das Team bei dem Wettbewerb „Azubis – Volle Power!“ erzielte. In dem Wettbewerb werden jedes Jahr die besten Ideen und Nachwuchsprojekte ausgezeichnet. Besonders stolz hat es den Auszubildenden gemacht, die mobile Versuchsstation auf einer Ausbildungsmesse in der Nähe seiner alten Schule vorzustellen.
Für Christoph zeigt der Anhänger genau das, was die Ausbildung ausmacht: „Die Ausbildungsmöglichkeiten in der Wasserversorgung sind vielfältig. Wer daran Spaß hat, Interesse für Technik und Naturwissenschaften mitbringt, ist bei uns genau richtig.“
Im Interview mit dem Zweckverband Landeswasserversorgung sprechen wir über den Bewerbungsprozess, Gehaltsaussichten und Übernahmechancen. Hier geht’s zum Ratgeber.