Ausbildung mit Tiefgang: Michel wird Rohrleitungsbauer

junger Mann in Arbeitskleidung mit Schaufel in der Hand auf einer Baustelle. Im Hintergrund Baustellenfahrzeuge
Michel Tretschock hat sich für die Ausbildung zum Rohrleitungsbauer bei der ThüringenWasser GmbH, einem Tochterunternehmen der Stadtwerke Erfurt Gruppe, entschieden. Foto: Stadtwerke Erfurt Gruppe

Schon als kleines Kind beobachtet Michel gern die Bauarbeiter*innen auf den Erfurter Baustellen und träumt davon, später selbst einmal auf dem Radlader zu fahren und auf der Baustelle mitanzupacken. Grob steht damit der Berufswunsch. Ein Schülerpraktikum bei der ThüWa, einem Wasserversorgungsunternehmen aus Thüringen, sorgt bei Michel für die nötige Sicherheit: Hier möchte er die Ausbildung zum Rohrleitungsbauer absolvieren.

Als Rohrleitungsbauer bei einem Wasserversorger die Ausbildung machen? Gar nicht so unüblich, immerhin sorgen die Wasserversorgungsunternehmen dafür, dass wir sauberes Trinkwasser aus dem Wasserhahn bekommen und dazu gehört auch die Instandhaltung und Pflege der Trinkwasserleitungen.

Für diesen Weg hat sich Michel Tretschock entschieden. Der heute 19-Jährige wusste schon früh, dass er bei einem Stadtwerk arbeiten möchte und bewarb sich nach einem Schulpraktikum in der achten Klasse um die Ausbildung zum Rohrleitungsbauer bei der ThüringenWasser GmbH, einem Tochterunternehmen der Stadtwerke Erfurt Gruppe. „Ich habe mich über die Ausbildungsmöglichkeiten bei den Stadtwerken Erfurt informiert und deshalb dort mein Praktikum gemacht“, erzählt Michel.

Da ihm das Praktikum in der Wasserversorgung so gut gefiel, besprach er mit seinem dortigen Ansprechpartner die Optionen. Aufgrund von Michels Interessen empfahl dieser ihm die Ausbildung zum Tiefbaufacharbeiter mit der Spezifikation zum Rohrleitungsbauer. „Das war eine ziemlich schnelle Sache: Ich habe mich beworben, hatte das Bewerbungsgespräch und dann war ich auch schon hier bei den Stadtwerken“, erinnert sich der Auszubildende.

Mir gefällt an meiner Ausbildung, dass ich sehe, was ich gemacht habe. Ich weiß, in welchen Straßen ich eine Wasserleitung gelegt habe und die Anwohner können jetzt einfach den Wasserhahn aufdrehen und haben sauberes Trinkwasser. Das ist ziemlich cool.

Michel Tretschock
Rohrleitungsbauer bei der ThüringenWasser GmbH

Baugrundausbildung in Gera

Der Ausbildungsstart war für Michel ungewohnt, denn für den Unterricht in der Berufsschule und die Lehreinheiten im überbetrieblichen Ausbildungszentrum hieß es Koffer packen und ab in den Zug nach Gera. „Man ist erst einmal von zu Hause weg und wohnt mit fremden Menschen auf engem Raum zusammen. Zum Glück mache ich die Ausbildung mit echt tollen Menschen, daher war es eine relativ schnelle Eingewöhnungsphase“, erzählt Michel. So lernt er dort Freunde kennen, mit denen er die Ausbildung abschließen wird. 

Im ersten Ausbildungsjahr hatte Michel dazu den Vorteil, dass ein direkter Mit-Azubi der Stadtwerke ebenfalls an den theoretischen Unterrichtseinheiten teilgenommen hat und so schon ein bekanntes Gesicht mit im Klassenraum saß.

In der Berufsschule ist Michel immer zwei Wochen im Monat im Blockunterricht und lernt dort in insgesamt 15 Lernfeldern die verschiedenen Bereiche des Rohrleitungsbaus von der Druckberechnung über die Holzbearbeitung bis hin zum Verkehrsgeschehen. Die Lernfelder sind so aufgeteilt, dass die Azubis im ersten Ausbildungsjahr die Grundlagen lernen und in den Folgejahren ihr Wissen vertiefen. Auch klassische Fächer wie Chemie, Physik und Deutsch stehen auf dem Stundenplan.

Gemeinsam mit Michel besuchen 15 weitere Auszubildende die Unterrichtseinheiten für die Ausbildung zum Rohrleitungsbauer und die Übungen im überbetrieblichen Ausbildungszentrum. Die Klassenkamerad*innen kommen, so wie Michel, nicht nur aus Gera, sondern aus dem gesamten Umkreis. Sogar aus Sachsen kommen ein paar der Auszubildenden. 

„Wir sind in der Berufsschule und in den überbetrieblichen Einheiten immer im gleichen Klassenverbund. Das finde ich schon echt gut. Wir kommen alle aus unterschiedlichen Orten und Unternehmen und das ist die Gelegenheit, um sich persönlich zu sehen“, erzählt Michel.

Berufesteckbrief

Rohrleitungsbauer

Alle Infos über den Beruf, die Aufgaben, Voraussetzungen, Gehalt und Weiterbildungsmöglichkeiten findest du im Steckbrief zur Ausbildung als Rohrleitungsbauer.

Rohrleitungsbauer in Baugrube

Die richtigen Handgriffe lernen

Während der überbetrieblichen Ausbildung wohnen die Azubis in einem Wohnheim direkt neben der Lehrwerkstatt. Im Wohnheim sind die Azubis auf verschiedene Zimmergrößen verteilt, Michel hat sich meist sein Zimmer mit zwei weiteren Azubis geteilt. In der Regel ist der Sonntag für die Anreise und der Freitagnachmittag für die Abreise eingeplant, sodass es montags direkt mit dem Unterricht losgeht.

Bei neuen Themen gibt es erst einmal einen kurzen Theorieblock, bestehend aus einem Vortrag und Übungen, bevor die Azubis praktisch arbeiten dürfen. Insgesamt überwiegt aber der Praxisanteil deutlich, denn in der Lehrwerkstatt sollen die Azubis schließlich die Grundlagen lernen, die sie für den Berufsalltag benötigen.

Wenn die Theorie sitzt, bekommen die Azubis eine Aufgabe, beispielsweise Passstücke ausmessen oder Baulängen berechnen. Verschiedene Aufgaben, die am Ende der Woche abgeprüft werden. Dabei setzen die Ausbilder*innen auf Alltags- und Praxisnähe: „Wir haben auf dem Übungsgelände einen großen Sandkasten. Dort simulieren wir das Verlegen von Leitungen. Das heißt, wir heben erst einen Graben aus und passen alles an, damit wir anschließend das Rohr verlegen können.“

Erste Schritte in der Praxis

Die ersten Tage in der Ausbildung beschreibt der Auszubildende als eine gute Mischung aus selbst mit anpacken und über die Schulter schauen. „Wir arbeiten direkt im Netz und da ist es gut, lieber einmal mehr zuzugucken, anstatt einen vermeidbaren Fehler zu machen“, erklärt der Azubi. 

Zu den Aufgaben, die der 19-Jährige schon aktiv mit übernommen hat, gehören beispielsweise das Anbringen von Metallschellen um die Rohrleitungen herum sowie Rohrnetzkontrollen. Bei diesen hat Michel Absperrschieber und Hydranten montiert bzw. installiert.

Vor/Nach jeder Aufgabe, die Michel im Rohrnetz erledigt, steht die Reinigung und Desinfektion der Rohrleitungen. Denn gerade bei Trinkwasserleitungen hat es oberste Priorität, dass keine Verschmutzungen im Rohr bleiben und die Rohre ordentlich durchgespült und desinfiziert werden, bevor Trinkwasser durch sie durchfließen kann.

Hygiene und Desinfektion spielen beim Verlegen von Rohrleitungen eine große Rolle. Alles, was wir benutzen, ist vom DVGW zugelassen, denn Rost und andere Verschmutzungen können das Trinkwasser verunreinigen. Bereits ein Tropfen Öl kann bis zu 1.000 Liter Wasser verunreinigen.

Michel Tretschock
Rohrleitungsbauer bei der ThüringenWasser GmbH

Mittlerweile ist Michel im dritten Ausbildungsjahr und die Aufgaben haben sich etwas verändert: „Ich arbeite jetzt viel selbstständiger und habe feste Aufgaben zugewiesen bekommen. Wenn bei uns im Rohrnetz irgendwo eine Leitung kaputt ist, dann werde ich zur Baustelle gerufen, um von unterschiedlichen Fachkräften zu lernen und mein Wissen auf diesem Gebiet breit aufzustellen“, erklärt der 19-Jährige.

Allein ist Michel dabei nie unterwegs. In der Regel sind die Monteure zu zweit und so durchmischt, dass ein jüngerer und ein erfahrener Kollege zusammen in einem Auto sitzen. Jeden Morgen werden die Teams eingeteilt und auf die Baustellen verteilt. Je nach Größe der Baustelle wird manchmal auch mehr als ein Team für eine Baustelle eingeteilt oder nachträglich angerufen, wenn Hilfe benötigt wird.

Zwischen Baustelle und Abschlussprüfung

Für Michel steht bald der zweite Teil der gestreckten Abschlussprüfung an. Den ersten Teil hat der 19-Jährige zu Beginn des zweiten Ausbildungsjahres absolviert. Durch die Berufsschule und die tägliche Praxis bereitet sich Michel eigentlich das ganze Jahr auf die Prüfung vor.

Die Abschlussprüfung setzt sich aus einem schriftlichen Teil und einer praktischen Prüfung zusammen. Wie in der überbetrieblichen Ausbildung bekommt Michel eine Planaufgabe und muss zum Beispiel ein Leitungsstück bauen und bis zu einem Hausanschluss verlegen. Dort wird das gesamte Konstrukt auf Dichtheit überprüft. „Wenn die Leitung undicht ist, ist das noch kein Durchfallkriterium, wirkt sich aber natürlich negativ auf die Note aus“, verdeutlicht Michel.

Ratgeber

Berufseinstieg bei den Stadtwerken Erfurt

Im Interview mit den Stadtwerken Erfurt sprechen wir über den Bewerbungsprozess, Gehaltsaussichten und Übernahmechancen. Hier geht’s zum Ratgeber.

Blick auf die Magdeburger Allee in Erfurt

Für alle, die sich für die Ausbildung interessieren, hat Michel einen wichtigen Tipp: „Man muss im Hinterkopf behalten, dass man bei Wind und Wetter draußen arbeitet. Man arbeitet in einem Rohrgraben, man wird dreckig, man wird nass oder es sind 30 Grad und die Sonne brennt auf einen nieder. Natürlich ist man nicht völlig ungeschützt, aber man ist eben draußen unterwegs.“ Hinzu kommt ein körperliches Maß an Fitness, dass man mitbringen sollte, um die Arbeit im Rohrgraben stemmen zu können.

Die Zeit nach der Ausbildung hat Michel schon fest verplant: erst einmal arbeiten und Geld verdienen. Eine Weiterbildung zum Meister schließt der Azubi nicht aus, aber die hat für ihn noch Zeit. Für die nahe Zukunft kann sich Michel freuen: Wenn er die Ausbildung mit der Note zwei oder besser abschließt, wird er garantiert übernommen. Und auch wenn der Abschluss nicht ganz so gut ausfallen sollte, besteht die Option auf Übernahme.

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