Ein Interview mit Prof. Dr. Robert Steinberger Wilckens zur HyAcademy.eu
Bis 2030 wird die Europäische Union mindestens 180.000 qualifizierte Fachkräfte benötigen, die direkt im Bereich der Wasserstofftechnologien tätig sind, um die Ziele des Green Deals zu erreichen. Um diesen Bildungsbedarf zu decken, sind Maßnahmen erforderlich. Vor diesem Hintergrund wurde zum Jahresbeginn 2024 die HyAcademy.eu gegründet. Ziel ist es, Schulen (Primar- und Sekundarstufe), Berufsschulen, Hochschulen, Fortbildungsstätten und Industrieunternehmen miteinander vernetzen und eine Bildungsplattform rund um das Thema Wasserstoff aufzubauen.
Dieser Beitrag stammt ursprünglich aus der Fachzeitschrift DVGW energie | wasser-praxis.
Das Interview führte die Redaktion der DVGW energie | wasser-praxis.
Prof. Dr. Robert Steinberger Wilckens ist Lehrstuhlinhaber für Brennstoffzellen- und Wasserstoffforschung an der University of Birmingham. Er leitet eine der größten akademischen Gruppen in diesem Feld und bringt über drei Jahrzehnte Erfahrung aus Forschung und Praxis mit – von Festoxid-Brennstoffzellen und Elektrolyse bis zur Markteinführung wasserstoffbasierter Technologien.
Die HyAcademy.eu ist die Europäische Wasserstoff-Akademie – ein EU-gefördertes, paneuropäisches Netzwerk mit einer digitalen Bildungsplattform.
Unser Ziel ist es, Wasserstoffwissen über alle Bildungsstufen hinweg zu verankern und Akteurinnen und Akteure aus Schulen, Berufsschulen, Hochschulen, Fortbildungsstätten und Industrieunternehmen miteinander zu vernetzen. Die
Plattform bündelt frei zugängliche Lehr- und Lernmaterialien, verlinkt Bildungsangebote und schafft Räume für Austausch und Kooperation.
Das Projekt startete am 1. Januar 2024 und läuft bis 30. Juni 2028. Finanziert wird es durch die Clean Hydrogen Partnership der Europäischen Union und assoziierte nationale Partner. Koordiniert wird HyAcademy.eu durch die Vysoká škola chemicko technologická v Praze (engl.: University of Chemistry & Technology, kurz: UCT Prague); insgesamt arbeiten 17 Partner aus Europa zusammen.
Der Zweck ist klar: Wir wollen eine belastbare Bildungsinfrastruktur für Wasserstoff schaffen, die über die Projektlaufzeit hinaus trägt. Dafür bauen wir
u. a. Netzwerke von über 100 Universitäten und über 500 Schulen, haben ein Netzwerk von mehr als fünf praktischen Wasserstoff-Trainingslaboren eingerichtet und stellen kostenfreie Lehrmaterialien in mehreren europäischen Sprachen bereit. Gleichzeitig entwickeln wir neue digitale Lehrmethoden und ein Geschäftsmodell, das die Akademie langfristig verstetigt.
Grundsätzlich können sich alle Bildungsakteure und Unternehmen beteiligten, die Wasserstoffwissen vermitteln oder aufbauen möchten: Lehrkräfte in Primar- und Sekundarstufe, Berufs- und Hochschulen, Weiterbildungsanbieter sowie Industrieunternehmen.
Die Teilnahme erfolgt unkompliziert über die Registrierung auf HyAcademy.eu. Anschließend erhalten Mitglieder Zugang zum Netzwerk, zu Materialien und können eigene Angebote einstellen – etwa Camps, Praktika, Fortbildungen oder
Studienkurse. Es gibt keine Mitwirkungspflicht: Wer zunächst nur Materialien nutzen oder sich orientieren möchte, ist ebenso willkommen.
Für Schulen werden konkrete Unterrichtsbeispiele, interaktive Bausteine und Experimente angeboten, mit denen sich Wasserstoffthemen in MINT-Fächern
verankern lassen. Für Berufsschulen und Fortbildungsstätten gibt es Curricula, Module und praxisnahe Lerneinheiten entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette.
Und für Hochschulen wird eine Serie von insgesamt zwölf Lehrbüchern erstellt und sie erhalten durch die Anbindung an das „Network 100+“ der Universitäten künftig auch Zugang zu Vorlesungsunterlagen und Foliensätzen aus vorausgegangenen Projekten.
Für die Industrie besteht die Möglichkeit, Kompetenzerwartungen zu spiegeln, Qualifizierungsangebote sichtbar zu machen und gezielt Nachwuchs zu adressieren. All das wird über ein Portal zusammengeführt, das Programme sichtbar macht und das Matching zwischen Angebot und Nachfrage stärkt – mit dem Anspruch, bis zum Projektende eine sechsstellige Zahl an Dokumentzugriffen zu erreichen.
WER? Lehrkräfte an Schulen, Berufsschulen, Hochschulen, Weiterbildungsstätten sowie Industrieunternehmen und angehende Studierende in ganz Europa.
WIE? Registrierung über die Internetseite HyAcademy.eu; anschließend Zugriff auf Netzwerk, Ressourcen und die Möglichkeit, eigene Angebote wie Schulungscamps, Praktika oder Fortbildungen
einzustellen. Keine Mitwirkungspflicht!
WAS GIBT’S? Freien Zugang zu Unterrichtsmaterialien, interaktiven Bausteinen, Beispielen für den eigenen Unterricht, Laborressourcen, Datenbanken und zu einem europaweiten Netzwerk.
WOFÜR? Aufbau einer qualifizierten Wasserstoff-Arbeitskraftbasis und Verankerung von Wasserstoffkompetenzen entlang der gesamten Bildungslandschaft.
Weil Europa in kurzer Zeit eine qualifizierte Wasserstoff-Arbeitskraftbasis aufbauen muss. Bis 2030 werden mindestens 180.000 Fachkräfte im Bereich
Wasserstofftechnologien gebraucht. Bildung ist dafür der Schlüssel – und sie muss schnell skalierbar, qualitätsgesichert und eng mit der Industrie verzahnt sein. Genau hier setzt HyAcademy.eu mit einem offenen, vernetzten Ansatz an.
Wir konsolidieren Ergebnisse aus bereits geförderten EU-Projekten und schaffen eine gemeinsame Ressourcenbibliothek – von Lehrbüchern und Foliensätzen über Videos bis zu virtuellen Laboren und Literaturdatenbanken. Die Inhalte werden kuratiert, mehrsprachig bereitgestellt und mit praxisnahen Beispielen ergänzt; zudem kooperieren wir mit Partnern, die Standards und Regulierung im Blick behalten.
Über thematische Netzwerke (z. B. „Network 500+“ für Schulen und „Network 100+“ für Universitäten) und über physische wie digitale Formate: General Assemblies, Netzwerktreffen, Usability-Workshops zur Plattform, Trainings in den Laboren und Kommunikationskampagnen. Das stärkt die Community, erleichtert den Wissenstransfer und beschleunigt die Umsetzung in den Unterricht.
Deutschland ist mit starken Akteuren in Aus- und Weiterbildung dabei. Besonders die DVGW Berufliche Bildung bringt ihre Erfahrung in Qualifizierung, Anerkennung von Kompetenzen und die Anbindung an Industrie und Feuerwehr / Versorger ein – und ist ein zentraler Teil der HyAcademy.eu. Sie adressiert damit gezielt den Fachkräftebedarf und erweitert ihr Portfolio an Wasserstoffweiterbildungen.
Mitmachen – als registrierte Nutzer der Plattform, Netzwerkmitglied, Materialgeber oder Angebotspartner. Registrieren Sie sich über HyAcademy.eu, bringen Sie Ihre Bildungsangebote ein, nutzen Sie die freien Materialien und teilen Sie die Initiative in Ihren Netzwerken und Betrieben. Je breiter unser Austausch, desto schneller wächst die europäische Wasserstoffkompetenz.
Die DVGW Berufliche Bildung ist Teil der HyAcademy.eu und unterstützt
das gemeinsame Ziel, Schulen, Berufsschulen, Hochschulen,
Fortbildungsstätten und Unternehmen zusammenzuführen und den
Zugang zu Wissen rund um Wasserstoff zu stärken. Informationen zu
den Wasserstoff-Bildungsangeboten der DVGW Beruflichen Bildung
finden Sie über den Button.