DVGW unterstützt Bau von Filtrationsanlage sowie Wasser-Deionisierungsanlage beim AVS-Ausbildungsverbund

Fertigung der Filterröhre aus PVC-Druckrohr. Foto: AVS

Der Ausbildung von motivierten und qualifizierten Nachwuchskräften kommt in der Energie- und Wasserwirtschaft
mit Blick auf den Fachkräftemangel und den demografischen Wandel eine zentrale Rolle zu. Umso wichtiger
ist es, im Ausbildungsprozess praxisorientierte Elemente einzubinden, die die Neugierde und das technische
Verständnis fördern. Auch aus diesem Grund hat der DVGW in Chemnitz den Aufbau einer Anlage gefördert, mit
der die Auszubildenden praxisnahe Einblicke in den komplexen Prozess der Wasseraufbereitung erhalten.

Dieser Beitrag stammt ursprünglich aus der Fachzeitschrift DVGW energie | wasser-praxis.

von: Thomas Fritzsche (AVS-Ausbildungsverbund Versorgungswirtschaft Südsachen gGmbH) & Ulrike Holtkamp (DVGW e. V.)

Schneeregen vor dem Fenster und Weihnachten vor der Tür – eigentlich sind Aufräumarbeiten zum Jahresende und Abstimmungen für das neuen Jahr geplant, als im Dezember 2023 bei der DVGW-Nachwuchsförderung das Telefon klingelt und Thomas Fritzsche sein Anliegen erläutert. Es geht um „seine“ Azubis, die er als Ausbildungsleiter bei der AVS – Ausbildungsverbund Versorgungswirtschaft Südsachsen gGmbH in Chemnitz betreut. Konkret: Um die Förderung eines Projektes, in dessen Mittelpunkt die Anwendung des erlernten Wissens steht: den Bau einer Filtrationsanlage sowie Wasser-Deionisierungsanlage.

Diese Anlage soll etwas Besonderes im Ausbildungsprozess werden: von Azubis gebaut, die verschiedene Ausbildungsberufe erlernen, und von anderen Azubis wieder demontiert, um im Folgejahr von nachrückenden Azubis erneut aufgebaut zu werden. Ein Kreislauf, der berufsübergreifend stattfinden und sich wiederholen soll – praxisorientiert und nachhaltig.

Konstruktion des Grundträgers durch die Anlagenmechaniker für Rohrsystemtechnik. Foto: AVS

Die Begeisterung, mit der Thomas Fritzsche das Vorhaben schildert, ist ansteckend und die Sinnhaftigkeit schnell klar. Der Knackpunkt liegt allerdings in der fehlenden Finanzierung für dieses Projekt. Stephan Tolkmitt und Ulrike Holtkamp von der DVGW-Nachwuchsförderung sind sich schnell einig, dieses Projekt durch DVGW-Mittel zu fördern. Schließlich ist es eine der Kernaufgaben der DVGW-Nachwuchsförderung, junge Menschen für die Berufsbilder in der Wasser- und Energiewirtschaft zu begeistern, sie in ihrem Wissensaufbau zu unterstützen und langfristig für die Branche zu gewinnen.

Verständnisgewinn für die Prozesse der Wasseraufbereitung

Das Projekt zum Bau einer Filtrationsanlage mit Azubis wurde ins Leben gerufen, um eine spannende und praxisnahe Ausbildung im Bereich der Wasseraufbereitung zu bieten. Ziel ist es, die Begeisterung der Auszubildenden für technische Themen zu wecken und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten in einem realen Projekt zu schulen. Durch die jahresübergreifende Arbeit an der Filtrationsanlage können die Azubis nicht nur theoretisches Wissen erwerben, sondern auch wertvolle praktische Erfahrungen sammeln. Sie lernen, wie man komplexe Systeme konzipiert, konstruiert und betreibt und entwickeln dabei ein tiefes Verständnis für die Prozesse der Wasseraufbereitung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Projekts ist die Integration von Automatisierung und Digitalisierung. Die Auszubildenden haben die Chance, moderne Technologien kennenzulernen und anzuwenden, was ihre Fachkompetenz erheblich erweitert. So werden sie optimal auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorbereitet und können ihr neu erlerntes Wissen direkt in die Praxis umsetzen. Insgesamt fördert das Projekt somit nicht nur die technische Ausbildung, sondern auch die persönliche Entwicklung der Azubis, indem es ihnen ermöglicht, Verantwortung zu übernehmen und im Team zu arbeiten. Es ist eine großartige Gelegenheit, die Zukunft der Wasseraufbereitung aktiv mitzugestalten!

Auch Verladearbeiten gehören zur Kompetenz der Fachkräfte und sind Bestandteil der Ausbildung. Foto: AVS

Berufsbegeisterung: Der Funke muss überspringen

Thomas Fritzsche bringt drei Jahrzehnte Erfahrung in der Versorgungswirtschaft mit. Seine Erinnerungen an die praktische Arbeitszeit in den Aufbereitungsanlagen sind für ihn nicht nur prägend, sondern auch eine Quelle der Inspiration. Er beschreibt diese Zeit als eine interessante und spannende Arbeitswelt, die ihn stets fasziniert hat. Diese Leidenschaft und Begeisterung möchte er nun an die Auszubildenden weitergeben. 

Durch seine Erfahrungen kann er den jungen Leuten wertvolle Einblicke in die praktischen Aspekte der Wasseraufbereitung bieten und ihnen zeigen, wie vielfältig und dynamisch dieser Bereich ist. Thomas Fritzsche ist überzeugt, dass die praktische Arbeit an den beiden Aufbereitungsanlagen nicht nur das technische Verständnis fördert, sondern auch die Neugier und den Forschungsdrang der Azubis weckt. 

Sein Ziel ist es, eine Lernumgebung zu schaffen, in der die Auszubildenden nicht nur Wissen erwerben, sondern auch die Möglichkeit haben, ihre eigenen Ideen und Ansätze zu entwickeln. So wird die Ausbildung nicht nur zu einer fachlichen, sondern auch zu einer persönlichen Bereicherung für die jungen Menschen.

Ausstattung des Steuerschrankes mit MSR-Bausteinen. Foto: AVS

Die Idee zu diesem Projekt entstand aus der Notwendigkeit, die Auszubildenden in der Trinkwasseraufbereitung aktiv in die Praxis einzubinden und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich mit den Herausforderungen und Innovationen in der Branche auseinanderzusetzen. Der Zweckverband Fernwasser Südsachsen als einer der Vorreiter in der Trinkwasseraufbereitung in Deutschland bietet eine hervorragende Plattform, um Azubis direkt aus der Versorgungswirtschaft in die spannende Welt der Großaufbereitungs- und Versuchsanlagen einzuführen.

Durch die Konfrontation mit realen Anlagentechnologien und -prozessen sollen die Auszubildenden nicht nur technisches Wissen erwerben, sondern auch ihren Forschungsappetit wecken. Es ist wichtig, dass sie sich nicht nur starr mit ihren Aufgaben auseinandersetzen, sondern eine gewisse Dynamik in ihren Arbeitsalltag bringen. Indem sie aktiv an der Entwicklung und dem Bau der Filtrationsanlage mitwirken, können sie kreative Lösungen finden und innovative Ansätze ausprobieren.

Dieses Projekt fördert nicht nur die technische Kompetenz, sondern auch die Teamarbeit und das eigenverantwortliche Handeln der Azubis. So wird eine lebendige Lernumgebung geschaffen, in der die jungen Leute motiviert werden, ihre Ideen einzubringen und sich aktiv an der Gestaltung der Zukunft der Trinkwasseraufbereitung zu beteiligen.

Der Testlauf mit Wasser ist erfolgt und das Filtermaterial wurde eingefüllt. Die Filtrationsanlage ist betriebsbereit. Foto: AVS

Realisierung der Filtrationsanlage sowie Wasser-Deionisierungsanlage

An der Entwicklung und Konstruktion der Anlage waren und sind Azubis aus verschiedenen Ausbildungsjahren und Berufsgruppen beteiligt. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit fördert nicht nur den Austausch von Ideen und Wissen, sondern ermöglicht es den Auszubildenden auch, praktische Erfahrungen zu sammeln und ihre Fähigkeiten in einem realen Projekt zu erproben. So können sie gemeinsam an der Lösung von Herausforderungen arbeiten und innovative Ansätze entwickeln, die die Effizienz und Qualität der Wasseraufbereitung verbessern.

Blick auf die fertiggestellte Deionisierungsanlage bei der Erstbefüllung mit Anionen- und Kationenharzen im Fachkabinett Labor. Foto: AVS

Als anerkannter Regelsetzer für die Gas- und Wasserwirtschaft unterstützt der DVGW das Projekt mit 3.000 Euro und übernimmt damit Verantwortung in der Nachwuchsförderung und Fachkräftesicherung. Diese Aufgabe wird in der DVGW-Familie auch auf regionaler Ebene sehr ernst genommen. Im Rahmen der DVGW-Bezirksgruppenarbeit wird der Austausch von Wissen und Erfahrungen zwischen Fachleuten (von jung bis alt) stark gefördert – ein Mehrwert für die Unternehmen und die Branche. Thomas Fritzsche, selbst aktives Mitglied in der DVGW-Bezirksgruppe Chemnitz, gibt diese Erfahrungen weiter an die junge Generation: „seine“ Azubis.

AVS – ein zukunftsorientierter Ausbildungsstandort

Das Verbundausbildungszentrum der AVS-Ausbildungsverbund Versorgungswirtschaft Südsachsen gGmbH betreut jährlich etwa 160 Auszubildende über vier Ausbildungsjahre hinweg. Hier werden die jungen Talente von einem engagierten Team aus zehn Ausbilderinnen und Ausbildern in verschiedenen Berufen ausgebildet, darunter Anlagenmechaniker, Umwelttechnologen/innen der Wasserversorgung, Abwasserbewirtschaftung sowie Kreislauf- und Abfallwirtschaft, Mechatroniker und Elektroniker für Betriebstechnik.

Die modernen Fachkabinette des Zentrums bieten den Auszubildenden die Möglichkeit, umfassende und interessante Ausbildungsabschnitte zu erleben. Durch praxisnahe Schulungen und innovative Lehrmethoden werden die Auszubildenden optimal auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorbereitet.

Das Ziel des Verbundausbildungszentrums ist es, hochqualifizierten Fachkräftenachwuchs in den Berufen der Ver- und Entsorgungsbranche auszubilden. Die Auszubildenden werden nicht nur mit technischem Wissen ausgestattet, sondern auch mit den notwendigen Kompetenzen, um im Arbeitsalltag erfolgreich zu sein. So sind sie bestens gerüstet, um die Herausforderungen der Branche zu meistern und aktiv zur nachhaltigen Entwicklung der Versorgungswirtschaft beizutragen.

Kontakt:

Thomas Fritzsche
AVS-Ausbildungsverbund Versorgungswirtschaft Südsachen gGmbH
Theresenstr. 13
09111 Chemnitz

Tel.: 0371 3806-0
E-Mail: thomas.fritzsche@avs-ausbildung.de
Internet: www.ausbildungsverbund-versorgungswirtschaft-suedsachsen.de

 

Ulrike Holtkamp
DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e. V.
Technisch-wissenschaftlicher Verein
Josef-Wirmer-Str. 1–3
53123 Bonn

Tel.: 0228 9188-236
E-Mail: ulrike.holtkamp@dvgw.de
Internet: www.dvgw.de

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