Sind Frauennetzwerke notwendig?

In einer eher männerdominierten Branche wie der Energiewirtschaft neue Wege gehen? Das Unternehmen Westfalen Weser zeigt mit seinem Frauennetzwerk „MiA“ (Mitarbeiterinnen im Austausch), wie es funktioniert.
Das Ziel: Sichtbarkeit erhöhen, Barrieren abbauen und die Arbeitgeberattraktivität steigern. Wir haben mit Lena Marie Küting, Gleichstellungsbeauftragte bei Westfalen Weser, über die Chancen und Herausforderungen gesprochen.

Unser Gast in dieser Folge

Lena Marie Küting ist seit 2024 die Gleichstellungsbeauftragte von Westfalen Weser und Koordinatorin des internen Frauennetzwerks MiA – kurz für Mitarbeiterinnen im Austausch. In Frauennetzwerken sieht sie eine bereichernde Plattform für Austausch, gegenseitige Unterstützung und mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Energiebranche.

Von der Initiative zur Strategie: Warum Netzwerke Sichtbarkeit brauchen

Was 2019 als loser Zusammenschluss von neun Kolleginnen begann, hat sich zu einem festen Bestandteil der Unternehmenskultur entwickelt. Ein Frauennetzwerk ist heute kein Selbstzweck mehr, sondern eine „Notwendigkeit, weil man gewisse strukturelle Hindernisse im Unternehmen besser erkennen kann“, erklärt Lena Marie Küting. Es geht darum, einen vertrauten Raum zu schaffen, in dem Themen besprochen werden, die im hektischen Alltag oft untergehen.

Für HR-Verantwortliche besonders spannend: Ein lebendiges Netzwerk wirkt massiv nach außen. Bewerberinnen (und sogar Bewerber) sprechen das Thema aktiv in Vorstellungsgesprächen an. Es ist ein klares Signal für eine moderne Unternehmenskultur. Wie Küting betont, war der Wunsch von Anfang an, eine „höhere Attraktivität gegenüber Bewerberinnen zu erzielen“ – ein Plan, der durch die erhöhte Sichtbarkeit voll aufgeht.

Ein Frauennetzwerk sollte sowohl in sich gute Wirkung erzielen als auch auf das Unternehmen ausstrahlen.

Lena Marie Küting
Gleichstellungsbeauftragte bei Westfalen Weser

Neuorganisation der Präsenzveranstaltungen

Damit aus einer guten Idee eine nachhaltige Bewegung wird, braucht es echte Verbindlichkeit. Die Erfahrung bei Westfalen Weser zeigte deutlich, dass rein ehrenamtliche Formate im individuellen Arbeitsalltag oft an zeitliche Grenzen stoßen und Gefahr laufen, „einzuschlafen“. Der entscheidende Hebel für den Erfolg war daher die bewusste Entscheidung zur Professionalisierung, indem das Konzept direkt bei der Geschäftsführung gepitcht und als offizielle Arbeitszeit verankert wurde.

Heute ist MiA ein fester Bestandteil der Unternehmensstruktur mit drei bis vier festen Terminen pro Jahr. Ein kluger strategischer Kniff war dabei die Wahl der Zeitfenster: Die Treffen finden bewusst vormittags statt, um insbesondere Teilzeitkräfte nicht auszuschließen und eine maximale Inklusivität zu gewährleisten. Dabei setzt Lena Marie Küting auf einen Mix aus physischer Präsenz an den Hauptstandorten – denn echtes Netzwerken braucht die persönliche Begegnung – und digitalen Kanälen wie Microsoft Teams für den schnellen Austausch zwischendurch.

Damit das Format nicht starr wird, bleibt die Organisation agil. Über eine anonyme „Wünschebox“ und regelmäßiges Feedback kann Küting das Format bei Bedarf nachjustieren, denn ein Netzwerk bringt nur dann etwas, wenn es lebendig bleibt und einen echten Mehrwert bietet.

Es muss ein bewegliches Format sein. Gerne auch einfach anpassen, ändern, alles wieder umschmeißen, wieder von vorne anfangen. So ein bisschen agiles Projektmanagement, damit Leben drinbleibt. Weil einfach nur um es zu haben, bringt ein Frauennetzwerk nichts.

Lena Marie Küting
Gleichstellungsbeauftragte bei Westfalen Weser

Wirkung über die Grenzen hinaus: Dialog statt Ausgrenzung

In Frauennetzwerken geht es nur um „Frauenthemen“ wie Vereinbarkeit? Mit diesem Vorurteil räumt Lena Marie Küting auf. Die Agenda ist breit gefächert und reicht von Karrierewegen in der Energiebranche über Finanzen und Altersvorsorge bis hin zu pragmatischen Themen wie Wechseljahre am Arbeitsplatz.

Ein entscheidender Faktor für den Erfolg ist die Transparenz. Indem Ergebnisse und Fotos im Intranet geteilt werden, wird das Netzwerk im gesamten Unternehmen sichtbar. Das löst zwar manchmal auch kritische Rückfragen bei männlichen Kollegen aus, aber genau dieser Dialog ist wertvoll: „Kritik ist ein ganz natürlicher Vorgang, wenn man was verändert“, betont Küting. Ein starkes Netzwerk dient als Motor für die gesamte Organisationsentwicklung, indem es Themen platziert, die sonst unsichtbar blieben. Letztlich profitieren alle von einer offeneren Kommunikation und dem Abbau abteilungsübergreifender Barrieren.

Ein Frauennetzwerk kann nicht dafür sorgen, dass eine Organisation umdenkt. Aber es kann als Motor durch eigene Sichtbarkeit darauf hinweisen, wo Themen mehr Aufmerksamkeit brauchen.

Lena Marie Küting
Gleichstellungsbeauftragte bei Westfalen Weser

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