Die Zukunft des Wassers gestalten: Natalie im Einsatz für Forschung und Versorgung

Junge Frau blickt über grüne Landschaft.
Natalie entschied sich nach ihrer Ausbildung für ein Studium und hat ihre Leidenschaft im Wassersektor gefunden. Foto: wvr

Von der Logistik zum Umweltschutz: Natalie hat ihre Leidenschaft im Wassersektor gefunden. Nach einer kaufmännischen Ausbildung entschied sie sich für ein Ingenieurstudium, um aktiv zum Schutz unserer Erde beizutragen. Heute koordiniert die 36-Jährige komplexe Forschungsprojekte bei der Wasserversorgung Rheinhessen-Pfalz GmbH und sorgt dafür, dass die Trinkwasserversorgung angesichts von Klimawandel und Extremereignissen resilient bleibt.

Der Arbeitstag von Natalie Pikos lässt sich nur schwer in eine einzige Schublade stecken. Als Umweltingenieurin und Forschungskoordinatorin bei der Wasserversorgung Rheinhessen-Pfalz GmbH (wvr) reicht ihr Aufgabenspektrum von der Koordination und Bearbeitung von Drittmittelprojekten über das Betriebsmanagement bis hin zur Informationssicherheit. „Ich habe vielfältige Aufgaben und diverse Themen auf meinem Schreibtisch“, erklärt sie.

Aber mal von Anfang an: Natalies Weg in die Wasserwirtschaft war keine gerade Linie. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung zur Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung. Sehr früh merkte sie jedoch: Das ist nicht das Wahre. Ihr Herz schlug schon immer für Natur- und Umweltschutz, deshalb ging sie nach der abgeschlossenen Ausbildung einen anderen Weg. Daher ist Natalies Tipp: „Einfach ausprobieren und wenn es nicht das Richtige ist, was anderes ausprobieren. Man arbeitet so lange. Da sollte man an dem, was man macht, Spaß haben.“

Wer eine sinnstiftende Aufgabe sucht, ist in der Branche genau richtig. Wasser ist eine Lebensgrundlage, hier gibt es immer etwas zu tun.

Natalie Pikos
Umweltingenieurin bei der wvr

Die Wasserwirtschaft kennenlernen

Bei der Recherche nach einem umweltbezogenen Studium ist Natalie auf den Studiengang „Umwelt-, Hygiene- und Sicherheitsingenieurwesen“ aufmerksam geworden. Aufgrund des hohen Praxisbezugs und der technischen Inhalte hat sie sich für dieses Studium entschieden.

An der Technischen Hochschule Mittelhessen lernte Natalie zunächst die ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen kennen, sprich: die Naturwissenschaften. Weitere Module umfassten Elektrotechnik, Umwelt- und Verwaltungsrecht und sogar Anatomie. In späteren Semestern wurden fachspezifische Themen vertieft. „Da ging es dann um Böden, Wasser, Luft und Abfalltechnik“, erzählt Natalie. Besonders spannend waren für sie auch die Module zur Ökotoxikologie und Radiologie.

Nach und nach merkte die heute 36-Jährige, dass ihr die Module rund um Luft und Wasser am besten gefallen. Im Master spezialisierte sie sich deshalb durch Wahlpflichtmodule in Richtung Luftreinhaltung und Wasseraufbereitung. Lange war für Natalie offen, ob sie in den Wasserbereich oder den Luftbereich gehen wird, letztendlich entschied sie sich jedoch für das Wasser.

Dass man trübes Wasser Schritt für Schritt säubert, sodass man es wieder trinken kann, hat mich schon sehr fasziniert.

Natalie Pikos
Umweltingenieurin bei der wvr

Im Studium ging es nicht nur um die theoretische Seite der Umweltthemen. Fast jedes Modul wurde von einem kleinen Praktikum begleitet und auch Exkursionen standen auf dem Programm. Sehr gut erinnert Natalie sich an einen einwöchigen Aufenthalt am Edersee, bei dem die Studierenden das Ökosystem des Sees untersuchten. Andere Exkursionen führten sie zu einer Stahlhütte und zu einer Kläranlage.

Zusätzlich zu den kleineren praktischen Einheiten gab es ein achtwöchiges Grundpraktikum und die berufspraktische Phase vor der Bachelorarbeit. Das Grundpraktikum absolvierte Natalie bei einem Pumpenhersteller und lernte in der Ausbildungswerkstatt das Schweißen, Hartlöten und Feilen von Stahl. Die berufspraktische Phase verbrachte sie in einem Umweltlabor und beschäftigte sich hier mit der Analyse von Wasser- und Bodenproben.

Junge Frau untersucht Klärschlamm in einem Labor.

Im Labor untersucht Natalie Wasser- und Bodenproben wie hier Klärschlamm. Foto: Universität der Bundeswehr München

Vom Prozesswasser…

Nach dem Studium folgte für Natalie der Berufseinstieg. Den Weg dorthin beschreibt sie als mühsam: „Es war gar nicht so einfach, den ersten Job zu finden, weil die meisten Unternehmen jemanden wollen, der wenigstens zwei Jahre Berufserfahrung hat. Da habe ich einige Absagen bekommen.“

Es hat dann aber doch geklappt und Natalie hat bei der Dr. Hartmann Chemietechnik GmbH & Co. KG als Beratungsingenieurin für Prozesswasseraufbereitung im Außendienst in München angefangen. Hier kam Natalies kaufmännische Ausbildung ins Spiel, die sie als Türöffner für den Job bezeichnet. „Im Bewerbungsgespräch wurde ich direkt auf diese Ausbildung angesprochen. Das hat den Gesprächspartner*innen gut gefallen“, erzählt sie.

Zwei Jahre lang war sie im Außendienst tätig, ist zu Kunden gefahren, hat die Anlagen begutachtet und Wasserproben genommen. Mit ausführlichen Analysen hat sie Maßnahmen für Kunden abgeleitet und diese beraten, wie die Systeme konditioniert werden müssen, damit es nicht zu mikrobiologischen Verkeimungen oder Korrosion kommt.

…übers Abwasser…

Das Interesse an Forschung und wissenschaftlichem Arbeiten ließ Natalie jedoch nicht los, weshalb sie eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität der Bundeswehr München annahm. In einem dreijährigen Forschungsprojekt untersuchte sie, wie Mikroplastik effektiv aus Abwasser entfernt werden kann. Schon in ihrer Masterarbeit hatte Natalie sich mit der Ökotoxikologie von Mikroplastik beschäftigt, deshalb war dieses Projekt für sie besonders spannend.

Natalie war in dem Teilprojekt auf der Kläranlage im Einsatz. Hier untersuchte sie zunächst, wie viel Mikroplastik nach dem Durchlaufen der Anlage noch im Abwasser vorhanden ist. Für die Analyse war handwerkliches Geschick gefragt: Gemeinsam mit Kolleg*innen baute sie einen kleinen Kaskadenfilter, um verwertbare Proben aus der Kläranlage entnehmen zu können. „Das war gar nicht so einfach. Wir haben mehr als ein Jahr gebraucht, um den Filter so hinzukriegen, dass er richtig funktioniert“, erzählt Natalie rückblickend.

Junge Frau an einer Filterkaskade

Natalie im Einsatz am selbst gebauten Kaskadenfilter. Foto: privat

Während dieses Projekt noch lief, ging es bereits in die Antragstellung für die nächsten Projekte. Und so lag nach dem Einsatz auf der Kläranlage ein Trinkwasserprojekt auf Natalies Tisch. „So bin ich letztendlich zum Trinkwasser gekommen“, erinnert sie sich. Das Thema: Notfallvorsorgeplanung für die Trinkwasserversorgung von Krankenhäusern. Im Projekt hat sie untersucht, welche Rohwasserarten mittels Ultrafiltrationsanlage zu Trinkwasser aufbereitet werden könnten, sollte die leitungsgebundene Trinkwasserversorgung ausfallen. Dieses Projekt begleitete Natalie allerdings nur ein Jahr lang, dann stand der Wechsel zur Wasserversorgung Rheinhessen-Pfalz GmbH an.

Im Trinkwasserbereich gibt es mit Blick auf Klimawandel und Zukunft so viele Herausforderungen, die noch gelöst werden müssen. Das ist eine riesige Spielwiese, auf der man in seinem Beruf etwas bewirken kann. Deshalb würde ich die Branche empfehlen.

Natalie Pikos
Umweltingenieurin bei der wvr

…bis zum Trinkwasser

Der Kontakt zur wvr entstand über eine ehemalige Kollegin von der Universität der Bundeswehr, die bereits zu dem Unternehmen gewechselt war. Diese Kollegin brauchte Unterstützung bei der Projektbearbeitung und schlug Natalie eine Bewerbung vor. So fand sie schließlich den Weg zu einem Wasserversorger.

Was mit einer geteilten Stelle zwischen Forschung und Betriebsmanagement begann, entwickelte sich schnell zur vollen Projektleitung und Forschungskoordination. In den letzten vier Jahren begleitete Natalie drei große Forschungsprojekte und die nächsten beiden Projekte liegen bereits auf dem Tisch. Außerdem koordiniert sie das Informationssicherheitsmanagementsystem und übernimmt die übergeordnete Rufbereitschaft im Bereich Werke. Das heißt, sie unterstützt ihre Kolleg*innen in der Bereitschaft bei der Problemlösung und Störungsbeseitigung.

Ein Highlight in meinem Berufsalltag ist, wenn ich die Zusage für ein neues Projekt bekomme. Gleichzeitig weiß ich, dass damit ganz viel Arbeit verbunden ist.

Natalie Pikos
Umweltingenieurin bei der wvr

Bei den Projekten hat Natalie die Koordination inne, übernimmt administrative und inhaltliche Aufgaben, stellt die Projekte bei Fachkongressen vor und achtet darauf, dass die Projektbearbeitung für den Betrieb zielführend ist. Natalie fungiert als Bindeglied zwischen den einzelnen Fachabteilungen und Kolleg*innen aus der Forschung und Entwicklung.

Junger Frau hält einen Vortrag vor mehreren Menschen.

Bei einem Runden Tisch stellt Natalie ein Projekt vor. Foto: wvr

Wichtig für die wvr ist vor allem, dass die durchgeführten Projekte den Arbeitsalltag im Unternehmen erleichtern und die Ergebnisse im Betrieb genutzt werden können. So gab es ein Projekt zum integrierten Risikomanagement, in dessen Rahmen ein Runder Tisch mit Akteuren aus der Region initiiert wurde, um sich im Falle einer Krise gegenseitig zu unterstützen. Bei einem anderen Projekt beschäftigte sich das Team mit der Anpassung an Extremereignisse wie Hochwasser und Dürre. Für die wvr ein wichtiges Thema, das auch nach Abschluss des Projekts weiterhin auf der Agenda steht, ebenso wie die Prognose von Trinkwasserbedarf und die optimale Verteilung der Kapazitäten.

Worüber ich mich besonders freue, ist, wenn wir in den Projekten etwas erarbeiten, was den Kolleg*innen den Arbeitsalltag erleichtert oder bei betrieblichen Projekten unterstützt.

Natalie Pikos
Umweltingenieurin bei der wvr

Netzwerken innerhalb der Branche

Vom DVGW hat Natalie zum ersten Mal im Studium gehört. Die Arbeitsblätter brauchte sie für ihre Abschlussarbeiten, der Verein war ihr also als Regelsetzer bekannt. „Aber erst als ich zum Wasserversorger gekommen bin, habe ich die Menschen, die hinter dem Verein stehen wahrgenommen“, erzählt sie. Inzwischen hat sie einige Berührungspunkte mit dem DVGW und den konkreten Kolleg*innen.

Beim DVGW Kongress, einem großen Branchenevent, sprach ein DVGW-Kollege aus dem Wasserbereich Natalie an, ob sie nicht beim Jungen DVGW mitmachen will. Sie war interessiert, erreichte allerdings schon kurz darauf die Altersgrenze der Nachwuchsorganisation.

Jung Frau auf dem Vortragspodium beim DVGW Kongress 2025

Natalie bei einem Vortrag auf dem DVGW Kongress 2025. Foto: privat

Stattdessen ist sie in der Steuerungsgruppe Resilienz des DVGW-Zukunftsprogramms Wasser II aktiv. Nicht nur das Thema ist ihr wichtig, auch die Möglichkeit zum Netzwerken schätzt sie sehr. „Wenn man in einem Unternehmen arbeitet, kennt man nur diese Welt. Da ist es sehr hilfreich, sich mit anderen Menschen aus der Branche auszutauschen und zu fragen: Wie läuft das denn bei euch?“, erklärt die 36-Jährige. Bei den Treffen kann sie dadurch immer etwas mitnehmen, was für die eigene Arbeit hilfreich ist.

Junger DVGW

Der Junge DVGW ist die Nachwuchsorganisation des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW) und bietet Angebote für alle Nachwuchs- und Fachkräfte in der Branche unter 36 Jahren. Mitglieder werden in der Ausbildung, beim Studium, während des Berufseinstiegs und in ihrer Karriereentwicklung unterstützt.

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