Nach der Schule sollte es für Philipp etwas Handwerkliches sein. Durch Empfehlungen aus der Familie wurde er auf die Energie- und Wasserversorgung aufmerksam. Nach zwölf Jahren ist für ihn klar: Aus dieser Branche will er nicht mehr weg. Sein Weg führte ihn von der Ausbildung zum Anlagenmechaniker über eine Meisterweiterbildung zu seiner aktuellen Tätigkeit – und hört da noch längst nicht auf.
„Man braucht kein Abitur oder Studium, um in der Berufswelt etwas zu erreichen“, ist Philipp Lamberti überzeugt und bestätigt diese Einstellung durch seinen eigenen Werdegang. Nach dem Realschulabschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker. Nach einigen Jahren Berufspraxis folgte die Weiterbildung zum Meister im Bereich Sanitär, Heizung und Klima (SHK). Vor drei Jahren wurde ihm die Stelle als Bauleiter angeboten, die er heute ausübt und im Frühjahr 2026 steht eine weitere Weiterbildung an.
Nach der Schule wollte Philipp einen handwerklichen Beruf erlernen. „Den ganzen Tag im Büro rumsitzen oder eine monotone Arbeit ausführen, das war nichts für mich“, erzählt er heute. Familienmitglieder, die schon in der Branche gearbeitet haben, sprachen eine klare Empfehlung aus und so bewarb Philipp sich bei den Stadtwerken Merzig um die Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Versorgungstechnik mit dem Schwerpunkt Rohrsystemtechnik.
Die ersten zwei Jahre seiner praktischen Ausbildung verbrachte der heute 28-Jährige in der überbetrieblichen Ausbildungswerkstatt in Völklingen. Hier lernte er gemeinsam mit den anderen Auszubildenden die Grundlagen des Metallberufs kennen. Dazu gehören Pfeilen, Bohren, Drehen und Fräsen sowie verschiedene Schweißverfahren in der Metallverarbeitung. In unterschiedlichen Lehrgängen wurde Philipp auf die technischen Prüfungen vorbereitet.
Der theoretische Unterricht fand parallel in der Berufsschule statt. Neben klassischen Fächern wie Deutsch, Religion und Sport standen hier auch fachspezifische Fächer wie Metallverarbeitung, Konstruktionsmechanik sowie Wirtschaft und Recht auf dem Stundenplan. Ab dem zweiten Lehrjahr kamen Inhalte aus dem Bereich Sanitär, Heizung und Klima hinzu, der Schwerpunkt lag jedoch auf der Metallbearbeitung und -verarbeitung.
Meiner Meinung nach ist die duale Berufsausbildung das beste Ausbildungssystem, das es in Deutschland gibt.
Philipp Lamberti
Bauleiter bei den Stadtwerken Merzig
In den Ferien und ab dem dritten Lehrjahr fand der praktische Teil der Ausbildung bei den Stadtwerken Merzig statt. Hier lernte Philipp den Betrieb kennen, wurde verschiedenen Kolonnen zugeteilt und hat die Aufgaben im Rohrnetz erlernt: von Hausanschlüssen über das Verlegen von Hauptleitungen bis zur Pflege der Anlagen. Für ihn fühlte es sich fast wie eine ganz neue Ausbildung an, da der Arbeitsalltag sich sehr von dem in der Ausbildungswerkstatt unterschied. „Mir hat die Abwechslung besonders gut gefallen. Fast jeden Tag stand eine andere Aufgabe auf der Agenda als am Vortag“, berichtet der 28-Jährige.
Auch die Arbeit draußen an der frischen Luft war genau das, was er sich vorgestellt hatte. Und so arbeitete er drei Jahre als Rohrnetzmonteur bei den Stadtwerken Merzig. Gemeinsam mit einem Team von knapp 30 Leuten war er tagtäglich im Rohrnetz unterwegs, um die Gas- und Wasserversorgung von ca. 30.000 Kunden sicherzustellen. „Es ist ein Beruf mit Zukunft“, erklärt Philipp, „gerade in der Zeit der Corona-Pandemie hat man gemerkt: Trinkwasser- und Energieversorgung sind systemrelevant.“
Alle Infos über den Beruf, die Aufgaben, Voraussetzungen, Gehalt und Weiterbildungsmöglichkeiten findest du im Steckbrief zur Ausbildung als Anlagenmechaniker für Rohrsystemtechnik.
Während seiner Zeit als Rohrnetzmonteur merkte Philipp: „Das ist ein Job, den ich mein Leben lang machen möchte.“ Aber das ganze Leben bei jeder Witterung draußen arbeiten, das musste dann doch nicht sein. Zum Glück hat der Beruf noch viel mehr zu bieten, also entschied Philipp sich für eine Weiterbildung. Zu diesem Zeitpunkt war er noch nicht sicher, ob er in der Versorgungsbranche bleiben möchte oder es doch nochmal ein anderer Bereich wird. Und so wählte er die Ausbildung zum Handwerksmeister im Bereich SHK.
Ich habe mich für die Weiterbildung entschieden, weil ich nicht mein Leben lang bei Wind und Wetter im Rohrgraben stehen möchte und der Beruf noch sehr viel zu bieten hat.
Philipp Lamberti
Bauleiter bei den Stadtwerken Merzig
Die Vorteile dieser Fortbildung lagen auf der Hand: die geringe Entfernung zur Handwerkskammer in Saarbrücken und die Möglichkeit, sich nach abgeschlossener Weiterbildung selbstständig zu machen. Philipp absolvierte die Lehrgänge berufsbegleitend in dreieinhalb Jahren. Das heißt: An Samstagen oder unter der Woche nach der Arbeit noch lernen. Die Meisterschule bestand aus vier Teilen: Fachpraxis, Fachtheorie, Arbeitspädagogik und Wirtschaft und Recht.
In seinem aktuellen Arbeitsalltag hat Philipp nicht so viel mit den Inhalten aus der Weiterbildung zu tun. „Wir sind bei den Stadtwerken zuständig für die Versorgung außerhalb des Gebäudes und der SHK-Bereich ist eben das, was innerhalb des Gebäudes passiert.“ Trotzdem harmonieren die beiden Bereiche miteinander und er hat durch die Fortbildung wertvolle Einblicke erhalten.
Kurze Zeit, nachdem Philipp die Weiterbildung abgeschlossen hatte, wurde ihm in seinem Betrieb die Stelle als Bauleiter angeboten, die er heute ausübt. Ganz klar eines der Highlights seines bisherigen Berufslebens. „Es war schon ein Schubs ins kalte Wasser – ich war gerade erst mit der Meisterschule fertig und hatte den Meister nicht in dem Gebiet gemacht, in das ich jetzt reinrutschen sollte“, erzählt Philipp. Durch tatkräftige Unterstützung seines Unternehmens mit verschiedenen Lehrgängen wuchs er jedoch schnell in die neue Stelle rein: „Ich habe noch keine Beschwerden gehört, von daher denke ich, es sollte passen“, erklärt er lachend.
Konzentriertes Arbeiten in den Anlagen der Stadtwerke Merzig. Foto: Stadtwerke Merzig GmbH
Inzwischen ist Philipp seit drei Jahren als Bauleiter und Rohrnetzmeister bei den Stadtwerken aktiv und für die Projektierung und Arbeitsvorbereitung sämtlicher Projekte in der Wasser- und Gasversorgung zuständig. Das heißt konkret, dass er Großbaumaßnahmen wie die Erneuerung von Versorgungsleitungen überwacht. Er übernimmt die Kalkulation der Baumaßnahmen sowie die Budgetsteuerung, erstellt Investitionspläne, führt Gespräche mit Subunternehmen und beaufsichtigt die Projektdurchführung vor Ort auf der Baustelle. „Ich begleite die Bauprojekte von der Kalkulation bis zur Abnahme“, erklärt Philipp.
Mittlerweile kann ich sagen: Ich bleibe auf jeden Fall in der Versorgungsbranche.
Philipp Lamberti
Bauleiter bei den Stadtwerken Merzig
Zu seinen Aufgaben gehört auch die TSM-Überprüfung. Beim Technischen Sicherheitsmanagement überprüfen unabhängige Gutachter die Arbeitsvorgänge in Unternehmen. Seine erste TSM-Überprüfung hat Philipp erfolgreich bestanden – ein wichtiger Moment in seiner beruflichen Laufbahn. Inzwischen steht Philipp also nicht mehr jeden Tag im Rohrgraben, sondern führt auch viele Aufgaben im Büro aus. Für ihn ist das genau richtig: „Als ich angefangen habe, wollte ich auf keinen Fall im Büro arbeiten. Aber inzwischen sage ich: Ein gesundes Mittelmaß gefällt mir ganz gut.“
Im März wird Philipp sich ein weiteres Mal weiterbilden: Er hat sich an der FH Münster für die Netzingenieursqualifikation im Bereich Wasser angemeldet. „Ich möchte noch tiefere Einblicke in meinen täglichen Berufsalltag bekommen und dadurch, dass ich während meiner Meisterweiterbildung im SHK-Bereich unterwegs war, fehlt mir das eine oder andere tiefergehende Fachwissen.“ Eine klare Entscheidung für die berufliche Zukunft in der Branche, in der es immer noch mehr zu lernen gibt.
Die Wasserversorgung ist eine absolut zukunftssichere Branche. Die Trinkwasserversorgung wird niemals wegfallen. Wenn man in dieser Branche Fuß gefasst hat, will man gar nicht mehr wieder raus.
Philipp Lamberti
Bauleiter bei den Stadtwerken Merzig
Neben seinem Beruf ist Philipp auch im DVGW und – seit dessen Gründung – im Jungen DVGW aktiv. Insbesondere durch Lehrgänge steht er schon lange mit dem Verein, vor allem mit der Bezirksgruppe 51 Saarlouis-Merzig, in Kontakt. Seine Vorgesetzten sind dort aktiv und haben ihm empfohlen, sich beim Jungen DVGW zu engagieren – auch um die Stadtwerke Merzig GmbH an der Stelle zu vertreten. Philipp selbst fand die Idee einer Nachwuchsinitiative sehr gut und hat sich direkt eingebracht.
Das Netzwerk und der Zusammenhalt sind für mich relevant. So kenne ich immer jemanden, den ich ansprechen kann.
Philipp Lamberti
Bauleiter bei den Stadtwerken Merzig
In einer Arbeitsgruppe kümmert er sich um den Fachausbau und die fachliche Weiterbildung. Hier organisiert er mit seinen Mitstreiter*innen verschiedene Veranstaltungen, zum Beispiel Vorstellungen von Unternehmen oder Vorträge zum Thema IT-Sicherheit. Ganz wichtig ist für Philipp das gute Netzwerk. Im Jungen DVGW hat er schon viele neue Leute kennengelernt und hält den Kontakt auch über die offiziellen Treffen hinaus. Für ihn ein absoluter Pluspunkt: „Der Einblick in verschiedene Arbeitsweisen und die Möglichkeit, jemanden anzurufen und nach Rat zu fragen, ist ganz wichtig.“
Der Junge DVGW ist die Nachwuchsorganisation des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW) und bietet Angebote für alle Nachwuchs- und Fachkräfte in der Branche unter 36 Jahren. Mitglieder werden in der Ausbildung, beim Studium, während des Berufseinstiegs und in ihrer Karriereentwicklung unterstützt.