Angefangen hat Swaantje Petersen-Frey mit dem dualen Studium Wirtschaftsingenieurwesen. Inzwischen hat sie den Masterabschluss in der Tasche, ist Referentin im Asset-Management bei den Hamburger Energienetzen und aktives Mitglied im Jungen DVGW. Die Energiebranche hat es ihr definitiv angetan.
Auf der Suche nach einem Weg ins Berufsleben hatte Swaantje nach dem Abitur einige Kriterien: Sie wollte in Hamburg oder direkter Umgebung bleiben. Und das Fach sollte der Energiewende zuträglich sein. Die Antwort für Swaantje: das duale Studium Wirtschaftsingenieurwesen an der Nordakademie Hamburg mit dem Praxispartner e.on Hanse.
Den Studiengang hatte sie zuvor in einer Berufsorientierungswoche in der Schule kennengelernt. „Ich war total begeistert. Die Frau, die ihren auf dem Studium aufbauenden Beruf vorgestellt hat, hat das so gut rübergebracht, da habe ich gemerkt: Das möchte ich auch machen!“, erzählt die heute 30-Jährige. Gesagt, getan. Ihre Bewerbung um das duale Studium war erfolgreich.
Was mich an Wirtschaftsingenieurwesen so reizt, ist die Vielseitigkeit. Man ist nicht nur Expertin auf einem Gebiet, sondern hat eine riesengroße Range an Möglichkeiten. Ich könnte in fast jeden Beruf einsteigen und irgendetwas aus den Studieninhalten einsetzen.
Swaantje Petersen-Frey
Referentin im Asset-Management bei den Hamburger Energienetzen
Im dualen Bachelorstudium an der Nordakademie lernte Swaantje während des Semesters neun Wochen lang an der Hochschule die Theorie – in der zehnten Woche standen jeweils die Klausuren an. In der vorlesungsfreien Zeit arbeitete sie bei Vorgängerunternehmen der Hamburger Energienetze. „Ich fand diese Blöcke sehr praktisch, denn ich konnte mich voll und ganz auf das Studium konzentrieren und eben auch auf die Arbeit“, erzählt Swaantje.
Das Wirtschaftsingenieurstudium war unterteilt in die beiden Bereiche Wirtschaft und Ingenieurwesen. Im ersteren standen Fächer wie BWL, VWL, Mathematik, Finanzbuchhaltung, Recht, Marketing und Projektmanagement auf dem Programm. Im zweiten waren es Module wie technische Mechanik, Thermodynamik, Elektrotechnik, Materialwissenschaften und auch hier Mathematik. Zusätzlich standen Sprachen wie Englisch und Spanisch auf Swaantjes Stundenplan.
Swaantje an ihrem Arbeitsplatz bei den Hamburger Energienetzen. Foto: privat
Für Swaantje hingen die Lieblingsfächer dabei sehr von den Dozent*innen ab: „Ich glaube, fünf Stunden Finanzbuchhaltung würden bei den meisten Leuten für Entsetzen sorgen, aber ich habe mich oft darauf gefreut, weil der Dozent immer nette Anekdoten erzählt hat“, schmunzelt sie. Auch das Fach Recht hat ihr gut gefallen, weil sie darin neben beruflichem Wissen auch Dinge für den persönlichen Alltag gelernt hat.
Als einen großen Benefit des dualen Studiums beschreibt die 30-Jährige, in der Theorie gelernte Dinge direkt in der Ausbildung in der Firma anwenden zu können. Zu Beginn ihrer Tätigkeit bei den Hamburger Energienetzen bzw. deren Vorgängerunternehmen hat sie verschiedene Abteilungen kennengelernt und konnte unterschiedliche Fähigkeiten und Kenntnisse aus dem Studium einbringen. „Im Marketing konnte ich die Sprachen nutzen, in der Projektleitung die Kenntnisse aus dem Projektmanagement oder Berechnungsanalysen.“
Nach dem Bachelor- folgt oft ein Masterstudium, so auch bei Swaantje. Wieder studierte und arbeitete sie gleichzeitig, dieses Mal jedoch nicht in einem offiziellen Modell: „Die Uni Hamburg bietet das Studium nicht berufsbegleitend an“, erklärt sie. Also hat Swaantje in Teilzeit studiert: 50 Prozent Studium und 70 bis 80 Prozent Arbeit bei den Vorgängerinnen der Hamburger Energienetze.
Im Master studierte Swaantje Wirtschaftsingenieurwesen mit der Fachrichtung Produktentwicklung in einem hochschulübergreifenden Studium der Uni Hamburg, der HAW und der HSU. Im Vergleich zum Bachelor wurde das Masterstudium komplexer, bisherige Inhalte wurden vertieft und es kamen neue Fächer hinzu, wie zum Beispiel Prozessoptimierung.
Durch die günstige Verteilung der Kurse und die Möglichkeit, die Arbeitszeit bei den Hamburger Energienetzen zu reduzieren und flexibel zu verteilen, war die Doppelbelastung für Swaantje kein Problem. „Den meisten Leuten würde ich allerdings eher ein offiziell berufsbegleitendes Studium empfehlen, weil das vermutlich entspannter ist“, erklärt sie.
Nach dem Bachelorstudium stieg Swaantje als Projektleiterin in der Instandhaltung bei der Hamburg Netz GmbH, einer Vorgängerin der Hamburger Energienetze ein und blieb knapp zwei Jahre. 2018 wechselte sie ins Asset-Management und baute die Abteilung ganz neu mit auf. Gemeinsam mit ihren Kolleg*innen konnte sie dabei eigene Ideen einbringen und ausarbeiten. Swaantje war von Beginn an hauptsächlich in der Gas-Sparte unterwegs. Erst seit der Fusion von Gasnetz Hamburg und Stromnetz Hamburg zu den Hamburger Energienetzen im Jahr 2024 kam auch die Strom-Sparte dazu.
Asset-Management bei den Hamburger Energienetzen bedeutet die Verantwortung für alle technischen Anlagen, die Gas transportieren oder direkt damit verbunden sind. Dazu gehört, Bauvorhaben zu koordinieren, Strategien für den Einsatz der Betriebsmittel zu entwickeln und Risiken für die Infrastruktur zu managen. Außerdem werden interne Aufträge erstellt sowie die mittel- und langfristige Planung der Anlagen gesteuert – mit dem Ziel, die Gasversorgung angelehnt an den § 1 des EnWG gleichzeitig zuverlässig, verbraucherfreundlich, umweltverträglich und sicher als auch preisgünstig und effizient zu gestalten.
Inzwischen ist die 30-Jährige in der selbst aufgebauten Abteilung Referentin. Ihr Tag besteht aus sehr viel Kommunikation – per Telefon, in Mails oder Terminen. Viele Anfragen zum Gasnetz erreichen sie per Mail. Dabei geht es beispielsweise um Baumaßnahmen, die Leitungen der Hamburger Energienetze betreffen. Swaantje prüft in so einem Fall zunächst die Pläne, um zu checken, inwieweit die Baumaßnahmen die Leitungen beeinträchtigen und gibt anschließend eine entsprechende Antwort.
Swaantje bei einem Workshop zum agilen Arbeiten. Foto: HNE (Hamburger Energienetze GmbH)
Aufbauend auf solchen Prüfungen fallen viele weitere Aufgaben in den Bereich der Koordination und Kooperation, denn die Hamburger Energienetze arbeiten eng mit der Stadt und deren Tochterunternehmen zusammen, um die (Verkehrs-)Belastung durch Baustellen für Hamburg möglichst gering zu halten und Synergieeffekte zu nutzen.
Neben der Bearbeitung von Anfragen ist Swaantje vor allem mit der Ausarbeitung von strategischen Entwicklungen beschäftigt. Zuletzt hat sie zum Beispiel ein Projekt geleitet, das das Gasnetz modelliert, sodass die Entwicklung des Netzes mit Erdgas und Wasserstoff anhand verschiedener Variablen simuliert werden kann. Dadurch werden die technischen und wirtschaftlichen Auswirkungen sowohl auf den Wasserstoffhochlauf als auch auf die Firma selbst geprüft.
Ich habe den Anspruch an mich selbst, die Strategien regelmäßig zu überdenken und zu aktualisieren. Denn aktuell gibt es so viele neue Anforderungen, dass auch die Strategien sich daran anpassen müssen.
Swaantje Petersen-Frey
Referentin im Asset-Management bei den Hamburger Energienetzen
Zusätzlich zu den regulären Aufgaben ist Swaantje als agiler Coach und Ausbildungsbeauftragte aktiv. So kommt sie nicht nur mit Auszubildenden in Kontakt, sondern bringt unter anderem in Workshopmoderationen und der Unterstützung bei Strukturierungsaufgaben in anderen Abteilungen das agile Arbeiten in ihr Unternehmen.
Der erste Kontakt zum DVGW kam schon sehr früh zustande: Kurz nach ihrer Einstellung erhielt Swaantje den Aufruf von einem Kollegen zur persönlichen Mitgliedschaft im Verein. Zunächst skeptisch entschied sie sich bald doch dafür und hatte so die Möglichkeit, an Veranstaltungen teilzunehmen, Informationen aus der Branche zu erhalten und sich mit anderen Mitgliedern auszutauschen.
Der Beitritt zum Jungen DVGW im letzten Jahr war der logische nächste Schritt. Beim DVGW Kongress im Jahr der Gründung nahm Swaantje an einem Workshop teil und lernte die gute Gemeinschaft der Nachwuchsorganisation kennen. Und trat der Arbeitsgruppe Marketing und Mitgliedergewinnung bei. Im Team werden hier Beiträge für Zeitschriften und Social-Media-Kanäle entwickelt.
Das Netzwerk ist das, was mich an der Mitgliedschaft im Jungen DVGW am meisten fesselt. Ich bin auch sehr daran gewachsen, so viele Menschen kennenzulernen und mich fachlich und persönlich mit ihnen auszutauschen.
Swaantje Petersen-Frey
Referentin im Asset-Management bei den Hamburger Energienetzen
Der Junge DVGW ist die Nachwuchsorganisation des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW) und bietet Angebote für alle Nachwuchs- und Fachkräfte in der Branche unter 36 Jahren. Mitglieder werden in der Ausbildung, beim Studium, während des Berufseinstiegs und in ihrer Karriereentwicklung unterstützt.