Dem Wasser folgen – Amelies Weg von der Ausbildung zum internationalen Studium

Junge Frau überprüft Mess- und Einstellwerte der angeschlossenen Anlagentechnik.
Amelie Weber beim Überprüfen der Mess- und Einstellwerte der angeschlossenen Anlagentechnik. Foto: Schweitzer Chemie

Wie kommt das Wasser in die Leitung und dann aus dem Wasserhahn? Um diese Frage beantworten zu können, absolviert Amelie die Ausbildung zur Fachkraft für Wasserversorgungstechnik. Aber ihr Wissensdurst ist noch nicht gestillt. In dem internationalen Studiengang „International Land and Water Management“ will sie nun noch mehr erfahren – auch über das Thema Trinkwasser hinaus.

Nach dem Abitur engagiert Amelie Weber sich bei „weltwärts“, einem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst im Ausland. In Sambia findet sie zu einem Thema, das sie bis heute beschäftigt: Wasser. Durch trockene Brunnen, aber auch Naturphänomene wie die Victoria-Wasserfälle ist Wasser an vielen Stellen im Land präsent. Amelie denkt dadurch auch an ihr Heimatland und fragt sich: Wie kommt in Deutschland eigentlich Trinkwasser zu mir nach Hause?

In meinem Freiwilligendienst nach der Schule hat mich immer wieder die Frage beschäftigt, wo eigentlich das Wasser herkommt. Und das wollte ich herausfinden.

Amelie Weber
Fachkraft für Wasserversorgungstechnik & Studentin

Diese Frage lässt sie nicht mehr los und um mehr darüber zu erfahren, sucht sie nach Ausbildungsmöglichkeiten im Wasserbereich. Noch aus Sambia verschickt sie ihre Bewerbungen und führt online erste Bewerbungsgespräche. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zwingen Amelie schließlich zu einer früheren Rückkehr nach Deutschland. Sie nutzt die Zeit, um ein Praktikum bei der Schweitzer Chemie zu machen und Einblicke in den Ausbildungsberuf der Fachkraft für Wasserversorgungstechnik zu bekommen. Diese Erfahrung gefällt ihr so gut, dass sie im Anschluss die Ausbildung beginnt.

Die Schweitzer Chemie GmbH ist ein Full-Service-Anbieter im Bereich Wasseraufbereitung und -behandlung. Die Firma entwickelt und vertreibt deutschlandweit chemische und technische Produkte an Industriekunden und übernimmt auch die Wartung und Reparatur der Anlagen bei ihren Kunden.

Die ersten Tropfen Erfahrung sammeln

Im Jahr 2020 beginnt Amelie ihre Ausbildung zur Fachkraft für Wasserversorgungstechnik bei der Schweitzer Chemie in Freiberg am Neckar im Stuttgarter Raum. „Die Ausbildung zu machen, war eine meiner besten Entscheidungen, die ich bisher getroffen habe“, erklärt die heute 25-Jährige im Nachhinein. Auch wenn sie sich weit von ihren bisherigen Wohnorten Berlin und München entfernt hat. „Ich habe tolle Menschen kennengelernt und einen wertvollen Einblick bekommen“, erzählt sie.

Moment mal! Fachkraft für Wasserversorgungstechnik – heißt der Job nicht anders?

Das stimmt. Seit August 2024 heißt der Beruf „Umwelttechnologe für Wasserversorgung“. Weil Amelie ihre Ausbildung jedoch vor diesem Zeitpunkt absolviert hat, hat sie diese noch als Fachkraft für Wasserversorgungstechnik abgeschlossen.

Bei der Schweitzer Chemie ist Amelie im technischen Außendienst angesiedelt und begleitet ihre Kolleg*innen zu Kunden aus der Industrie und der Technischen Gebäudeausrüstung, um technische Produkte zu montieren, in Betrieb zu nehmen und zu warten. Auch Wasserproben werden bei der regelmäßigen Kontrolle genommen und im unternehmenseigenen Labor ausgewertet. Neben Trinkwasseranlagen geht es dabei auch um die Anlagentechnik für Verdunstungskühlanlagen oder raumlufttechnische Anlagen.

Morgens fährt Amelie gemeinsam mit einem Kollegen zum Kunden. Je nachdem, welche Produkte der Kunde hat, beginnt die Wartung. So werden Dosierpumpen für die Chemie überprüft, Umkehrosmoseanlagen instandgehalten oder Sandfilter gespült. Bei jeder Wartung befolgen sie ein bestimmtes Protokoll und verfolgen das Wasser während des gesamten Prozesses beim Kunden. Alle eingesetzten Anlagen prüfen sie auf ihre reibungslose Funktion. Dabei untersuchen sie das Wasser auf verschiedene Parameter, wie zum Beispiel pH-Wert, Leitfähigkeit, Gesamthärte und Säurekapazität.

Ich fand es spannend, dass ich dem Wasser anhand der verschiedenen Parameter durch die ganzen Aufbereitungsprozesse folgen konnte.

Amelie Weber
Fachkraft für Wasserversorgungstechnik & Studentin

Im Zuge der Kontrollen müssen manchmal auch einzelne Komponenten ausgetauscht werden. Anschließend prüfen Amelie und ihr Kollege nochmal, ob die Module einwandfrei laufen. „Die Arbeiten waren sehr technisch und ich musste erstmal verstehen, wie so eine Pumpe oder eine andere Anlagentechnik überhaupt funktioniert“, erzählt Amelie, „aber irgendwann kannte ich die Produkte immer besser und wusste, was gemacht werden muss. Die Aufgaben mit einer gewissen Routine durchzuführen, hat mir gut gefallen“, erzählt sie.

Im Laufe der Ausbildung besucht Amelie einige bisher unbekannte Orte: „Ich war in Produktionshallen, in denen es richtig kalt oder laut war, in Kliniken oder bei Firmen, die sehr große Öfen haben.“ Zusätzlich besteht der Arbeitsalltag aus sehr viel Kommunikation – sowohl mit Kolleg*innen als auch mit Kunden.

Berufesteckbrief

Umwelttechnologe für Wasserversorgung

Alle Infos über den Beruf, die Aufgaben, Voraussetzungen, Gehalt und Weiterbildungsmöglichkeiten findest du im Steckbrief zur Ausbildung als Umwelttechnologe für Wasserversorgung.

Mann an Steuerungsrad im Wasserwerk

Die Ausbildung bei der Schweitzer Chemie ist sehr speziell. Auch in der Berufsschule merkt Amelie, dass sie viele Dinge nicht kennt, von denen die anderen Azubis wie selbstverständlich reden. Auf der anderen Seite hat sie viel Wissen, das die anderen nicht haben. Sie fragt in ihrem Unternehmen an, ob es möglich ist, zusätzlich die „klassische“ Wasserversorgung kennenzulernen.

So kommt es, dass Amelie einige Monate im Wasserwerk von Freiberg am Neckar verbringt. Hier lernt sie die öffentliche Trinkwasserversorgung kennen. Zuvor hatte sie noch nie ein Wasserwerk von innen gesehen. Das ändert sich jetzt: Wasserzähler tauschen, Probenahmen, Montage und Demontage von Armaturen sind Aufgaben, die die Auszubildende in dem kleinen Team lernt. Auch bei der Erschließung neuer Wohnhäuser hilft Amelie mit, wenn neue Wasserleitungen verlegt werden.

Die Zeit im Wasserwerk gefällt Amelie sehr gut. „Ich mochte es sehr, noch mehr draußen unterwegs zu sein. Die Aufgaben waren sehr abwechslungsreich, sodass kein Tag wie der andere war.“ Ein Rohrbruch beispielsweise verändert den kompletten Tagesablauf.

Junge Frau beim Spülen von Endleitungen

Amelie Weber im Einsatz beim Spülen von Endleitungen bei den Stadtwerken Freiberg am Neckar. Foto: privat

Die Tropfen finden zusammen

Bei der IFAT, einer großen Messe im Wasser- und Umweltbereich, wird Amelie auf den DVGW und seine Hochschulgruppen aufmerksam. Sie stellt sich die Frage, warum es kein ähnliches Angebot für Auszubildende gibt, und spricht vor Ort die Verantwortlichen an. Gemeinsam finden Sie eine Lösung: Im Anschluss an die Veranstaltung sucht Amelie den Kontakt zur DVGW-Landesgruppe Baden-Württemberg und gründet gemeinsam mit Mitschüler*innen und deren Berufsschullehrer die erste DVGW-Berufsschulgruppe in Deutschland.

Ich wollte mich engagieren und über die Ausbildung hinaus mit dem Thema Wasser beschäftigen.

Amelie Weber
Fachkraft für Wasserversorgungstechnik & Studentin

In der Berufsschulgruppe besteht die Chance, sich mit anderen Auszubildenden auch aus anderen Lehrjahren auszutauschen, Exkursionen durchzuführen und Veranstaltungen zu besuchen. So lädt der DVGW beispielsweise zum Gas-Wasser-Tag oder zum DVGW Kongress ein. Die ideale Gelegenheit zum Vernetzen und auch, um den Beruf bekannter zu machen. Amelie beschreibt es als sehr motivierend, sich mit anderen Azubis oder auch erfahrenen Fachkräften auszutauschen. „Wir haben jeden Tag mit dem Thema zu tun, deshalb fand ich es wichtig, sich mit anderen zu vernetzen, sich auszutauschen und unseren Beruf zu promoten“, erklärt sie.

Dem Fluss der Tropfen folgen

Die Ausbildung nimmt Amelie als ersten Einblick in die Welt des Wassers wahr. Doch es gibt noch so viel mehr zu lernen. Deshalb entscheidet sie sich für ein Studium. Seit 2024 studiert sie „International Land and Water Management“ an der Wageningen University in den Niederlanden (WUR). „Ich wollte schon immer international Fuß fassen und die Inhalte globaler betrachten“, erklärt sie.

Die Ausbildung hat mir das nötige Selbstbewusstsein gegeben, mich für ein internationales Studium zu entscheiden.

Amelie Weber
Fachkraft für Wasserversorgungstechnik & Studentin

Der praxisorientierte Bachelorstudiengang betrachtet Wasser im Zusammenhang mit anderen Aspekten wie vor allem der Landwirtschaft. Die Trinkwasserbezüge werden für Amelie also weniger, dafür geht es eher um ein größeres Gesamtbild. Auch der Ausblick auf das Jahr 2050 mit Fragen wie „Was bedeuten Bevölkerungszuwachs und der Klimawandel für das Wasser?“ spielt eine große Rolle.

Die Module bestehen aus drei Hauptkomponenten. Es geht zum einen um das verfügbare Land und Wasser. Dazu kommt die Technik, wie zum Beispiel Bewässerungs- und landwirtschaftliche Systeme und der gesellschaftlich-sozioökonomische Aspekt: die Zusammenarbeit mit den Menschen, die das Land bewirtschaften und das Wasser managen. Dadurch lernen die Studierenden, an der Schnittstelle dieser drei Bereiche zu arbeiten – mit einem internationalen Blick.

Im ersten Studienjahr beschäftigen sich die Studierenden einführend mit Bodenlehre und Wasser (Grundwasser, Flusssysteme), mit Agronomie, Ökologie und Hydraulik. Es gibt erste Berührungspunkte mit der sozialen Komponente des Studiengangs: Im Rahmen einer Exkursion geht es beispielsweise nach Limburg im Süden der Niederlande. Gemeinsam mit einer Gruppe bearbeitet Amelie eine Forschungsfrage, deren Hauptbestandteil der Austausch mit den Menschen vor Ort ist. Die Messungen stehen diesmal eher an zweiter Stelle.

Junge Frau führt eine Beprobung auf einem Feld durch-

Amelie Weber bei der Messung der Infiltrationsrate vom Boden auf einem landwirtschaftlichen Feld bei einer Exkursion im Rahmen des Studiums. Foto: privat

Das zweite Studienjahr behandelt vor allem die technische und planerische Seite, aber auch sozioökonomische und politische Aspekte des Land- und Wassermanagements. Themen sind unter anderem Bewässerungsarten, Wasserrecht und globale sowie institutionelle Strukturen. Am Anfang des zweiten Jahres gibt es erneut eine Exkursion, dieses Mal in den Süden Europas, wo die Studierenden erneut Fragestellungen in Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort beantworten müssen.

Ich mag vor allem die technische Seite und stütze mich bei Aufgaben – egal ob alleine oder in der Gruppe – gerne auf Berechnungen.

Amelie Weber
Fachkraft für Wasserversorgungstechnik & Studentin

Das dritte Studienjahr ist unterteilt in ein internationales Praktikum, das mit der Bachelorarbeit verknüpft ist, und ein frei wählbares Semester. Wer nicht über das Erasmus-Programm ins Ausland möchte, hat aber auch die Möglichkeit, an der Universität in Wageningen Kurse zu belegen. Typisch für die Niederlande ist die Aufteilung des akademischen Studienjahres in Blöcke („Periods“). Ein Block dauert zwischen vier und acht Wochen, an deren Ende die Prüfungsleistung erbracht wird.

Nach dem Bachelorstudium möchte Amelie wahrscheinlich in die Arbeitswelt zurückkehren. Ein Masterstudium schließt sie nicht ganz aus, will dieses aber eventuell zu einem späteren Zeitpunkt in Angriff nehmen. Wo es sie hin verschlägt, bleibt zwar noch offen, aber das Thema Wasser wird sie weiterhin beschäftigen.

Sicher ist: Aus der Wasserbranche gehe ich nicht mehr weg! Ich habe einen ersten Schritt getan, aber es gibt noch so viele Bereiche, die ich kennenlernen möchte, und ich bin gespannt, wohin mich der Fluss des Lebens spült. Gerne dahin, wo ich mit meinem Wissen und meinem Engagement Dinge bewegen kann.

Amelie Weber
Fachkraft für Wasserversorgungstechnik & Studentin

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