Studium? Praxis? Beides!

Lars Banken und Julia Albert vor dem Haupteingang der DHSN Glauchau. Bild: Prof. Maik Schenker

Julia und Lars studieren im dritten Semester Versorgungs- und Umwelttechnik an der Dualen Hochschule Sachsen. Während Julia schon während der Schule bei ihrem zukünftigen Praxispartner aushalf, ließ sich Kommilitone Lars auf ein ganz neues Themenfeld ein. Für ihn stand fest, dass es ein Studiengang im Ingenieurwesen sein soll. Der Campus im sächsischen Glauchau sprach ihn schließlich an.

Wie versorge ich ein Gebäude mit Wasser, Strom und Wärme? Welche Gegebenheiten muss ich bei der Errichtung technischer Anlagen berücksichtigen? Wie stelle ich den Energiebedarf in großen Gebäuden sicher und sorge gleichzeitig für einen schonenden Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen? Diese und viele weitere Fragen stellen sich die Studierenden im dualen Studiengang „Versorgungs- und Umwelttechnik“ (Dipl.-Ing.) an der Dualen Hochschule in Sachsen.

Zu den Studierenden gehören auch Julia Albert und Lars Banken. Die beiden befinden sich aktuell im dritten Semester. Die Wahl für diesen Studiengang beschreibt Lars Banken für sich als „eine Mischung aus vielen Zufällen“, denn ursprünglich wusste der 23-Jährige noch nicht, was er beruflich machen möchte. Nur zwei Dinge waren für ihn klar: Es soll ein duales Studium sein und am besten aus dem Bereich Ingenieurwesen. 

Per Ausschlussverfahren ist er dann auf die Versorgungs- und Umwelttechnik aufmerksam geworden und bewarb sich bei seinem zukünftigen Praxispartner, der Unternehmensgruppe Pietsch, einem Großhändler für die Bereiche Sanitär, Heizung, Umwelt, Klima und Lüftung. Die große räumliche Entfernung zwischen Theorie und Praxis kommt Lars entgegen: „Der Campus in Glauchau ist 500 Kilometer von meinem Praxispartner entfernt und das ist für mich ein Pluspunkt. Ich kann mich so viel besser auf die jeweiligen Abschnitte konzentrieren.“ 

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Duales Studium Umwelttechnik

Alle Infos über den dualen Studiengang, die Inhalte, Voraussetzungen, Gehaltsmöglichkeiten findest du im Steckbrief zum dualen Studiengang Umwelttechnik.

Drei Personen nehmen Gewässerproben.

Einen etwas anderen Weg hat Kommilitonin Julia Albert eingeschlagen. Die 20-Jährige hat in der 10. Klasse ein Praktikum bei ihrem jetzigen Praxispartner, der Innotech Leipzig, einem Ingenieurbüro aus Leipzig, absolviert und in den Ferien weiterhin als Praktikantin bei dem Unternehmen gearbeitet. 

Da Julia die Arbeit so gut gefiel und sie sich auch in dem Team sehr wohlfühlte, entschied sie sich für den dualen Studiengang. Den Tipp gaben ihr ein paar Kolleg*innen aus dem Büro, die ebenfalls an der Hochschule in Sachsen studiert haben.

Mir haben die Praktika sehr dabei geholfen, herauszufinden, dass ich diese Arbeit auch beruflich machen möchte. Meine Vorgesetzten haben mir dann diesen Studiengang empfohlen. 

Julia Albert
duale Studentin Versorgungs- und Umwelttechnik 

Wie Lars wohnt auch Julia während der rund dreimonatigen Theorieblöcke im Wohnheim auf dem Campus. Für die duale Studentin ist der Weg bis nach Hause zwar nicht ganz so weit, trotzdem schätzt auch sie die Möglichkeit, vor Ort mit ihren Kommiliton*innen zusammen zu leben und zu studieren. „Ich mag, dass wir uns durch das Blockmodell untereinander und mit den anderen Semestern sehr gut connecten können. So lernt man immer neue Leute kennen“, fasst Julia zusammen.

Erst die Grundlagen, dann das Vergnügen

Der duale Studiengang „Versorgungs- und Umwelttechnik“ unterscheidet sich etwas von anderen Studiengängen, da die Studierenden keinen Bachelorabschluss erwerben können, sondern das Studium als Diplom-Ingenieur*in (Dipl.-Ing.) abschließen.

Im Grundstudium belegen alle Studierenden die gleichen Module. Auf dem Stundenplan stehen verschiedene Grundlagenkurse, beispielsweise in Naturwissenschaften, Werkstoffe und Fertigungstechnik, erneuerbaren Energien, Gebäudeautomation oder Versorgungstechnik, aber auch Betriebswirtschaftslehre und Recht sowie Englisch und Projektmanagement. Im Jahrgang von Julia und Lars befinden sich rund 40 Studierende, die auf zwei Seminargruppen aufgeteilt sind. Besonders Lars weiß das zu schätzen: „Ich finde es echt gut, dass wir in kleinen Kursen lernen, dadurch ist der Austausch mit den Professor*innen viel besser und man kann sich bei Diskussionen viel besser einbringen.“

Ich finde an meinem Studium die kleinen Kursgrößen sehr gut. Ich kenne die Leute, die links und rechts von mir im Hörsaal sitzen und dann tauscht man sich in den Pausen auch mal aus.

Lars Banken
dualer Student Versorgungs- und Umwelttechnik 

So praktisch ist das Studium

Das Studium besteht natürlich nicht nur aus Vorlesungen und Frontalunterricht. Zu vielen theoretischen Lehrveranstaltungen gehört auch eine praktische Übung, beispielsweise im Labor: „Im ersten Semester waren wir im Labor und haben unter anderem Titration geübt, das ist ein chemisches Analyseverfahren, und jetzt beschäftigen wir uns mit fachrelevanten Themen wie der Funktionsweise von Wärmepumpen“, erklärt Julia.

Ab dem vierten Semester können sich die Studierenden auf eine Fachrichtung spezialisieren. Sie haben die Wahl zwischen „Thermische Energietechnik und Versorgungssysteme“ oder „Technische Gebäudeausrüstungen“. Innerhalb der Studienrichtung „Technische Gebäudeausrüstungen“ können die Studierenden ihr Wissen in einem Themengebiet spezialisieren. Hier haben Julia, Lars und ihre Kommiliton*innen die Wahl zwischen „Kälte- und Klimatechnik“ oder „Technische Gebäudesysteme“.

Das Laborgebäude für die vielen praktischen Erfahrungen während der Theoriephase. Bild: Prof. Maik Schenker

Julia hat sich innerhalb der Technischen Gebäudeausrüstungen für die Vertiefung „Technische Gebäudesysteme“ entschieden. Ihr ist wichtig, dass sie sich dort ein breitgefächertes Wissen aufbauen kann, das ihr im Beruf nützlich sein wird. Kommilitone Lars dagegen hat sich für die Vertiefung „Kälte- und Klimatechnik“ entschieden, da es besser zu seinen Tätigkeiten bei seinem Praxispartner passt. 

Sowohl Julia als auch Lars konnten sich frei zwischen den Vertiefungsmodulen entscheiden. Von ihren Kommiliton*innen wissen sie, dass das nicht immer so ist: „Bei manchen Studierenden ist es durch den Praxispartner festgelegt, was sie belegen. Besonders, wenn sie in einem Kälteunternehmen arbeiten, ist es natürlich sinnvoll, die entsprechende Vertiefung zu belegen“, betont Julia.

Die Aufgaben beim Praxispartner

Wie unterschiedlich die beruflichen Möglichkeiten als Diplom-Ingenieur*in für Versorgungs- und Umwelttechnik sein können, zeigt sich bereits bei den Praxispartnern, für die sich Julia und Lars entschieden haben. Julia arbeitet in einem Ingenieurbüro: „Wir sind ein Team aus zehn Personen, von denen 50 Prozent auf der Chefebene arbeiten und 50 Prozent als Angestellte tätig sind. Jede Führungskraft besetzt ein Themengebiet, sodass das Unternehmen verschiedene Gewerke abdeckt“, erklärt Julia.

Während der Praktika und jetzt in den Praxisblöcken hat die Studentin verschiedene Abteilungen kennengelernt und bei der Projektplanung unterstützt. Ein Bereich, der ihr bisher besonders gut gefällt, ist die Baustellenbetreuung: „Ich finde die Abwechslung zwischen Büro und Baustelle großartig. Ich mache nicht immer das Gleiche, sondern lerne verschiedene Tätigkeiten kennen.“ Ein Bereich, bei dem sie bisher eher über die Schulter geblickt hat, sind Berechnungen. Diese werden im Lüftungs- und Sanitärbereich ständig benötigt. Durch die Vertiefung im Studium erlangt sie die Expertise, um die Berechnungen korrekt durchzuführen.

Die Vorlesungen und Seminare werden durch die praktische Arbeit ergänzt. Bild: Prof. Maik Schenker

Gemeinsam mit den Auszubildenden aus seinem Unternehmen hat Lars am 1. August 2024 seinen ersten Arbeitstag absolviert. Für ihn begann damit ein zweimonatiges Praktikum, um den Betrieb kennenzulernen. „Mir hat der Einstieg sehr gut gefallen. Ich hatte ein sehr gutes Onboarding und dann wurden mir Aufgaben im Büro zugeteilt . Dass ich während der Zeit auch schon Gehalt bekommen habe, war auch nicht schlecht“, schmunzelt der Student. 

Lars‘ Hauptarbeitsort ist das Büro. Hier wurde er in den technischen Vertrieb für die Gebäudetechnik eingearbeitet, ist im Kontakt mit Kunden und übernimmt jetzt mit etwas mehr Berufserfahrung eigene Projekte.

Aktueller Hauptarbeitsort von Lars: das Büro. Bild: Prof. Maik Schenker

Darum empfehlen Julia und Lars ihr duales Studium

Neben den kleinen Kursgrößen spricht ein weiterer Aspekt für den Studiengang: der Standort in Glauchau. Den beiden Studierenden gefallen die Möglichkeiten, die sie auf dem Campus haben: „Wenn ich allein sein möchte, kann ich auf meinem Zimmer bleiben und wenn ich Gesellschaft suche, gehe ich über den Flur und klopfe bei meinen Nachbarn“, fasst Lars zusammen. Gerade weil der 23-Jährige auch die Wochenenden auf dem Campus verbringt, genießt er die verschiedenen Freizeitmöglichkeiten, zum Beispiel den Sportplatz oder abends den Studentenclub.

Für mich stimmt das Gesamtpaket. Der Standort Glauchau bietet so viele Möglichkeiten. Morgens gehe ich in die Uni, mittags bereite ich den Lernstoff nach und abends setze ich mich mit meinen Leuten zusammen.

Lars Banken
dualer Student Versorgungs- und Umwelttechnik 

Ein Aspekt, den die beiden auch sehr praktisch finden: das Gehalt. Im dualen Studium ist es oft üblich, von seinem Praxispartner ein Gehalt zu bekommen – und zwar nicht nur während der Praxisblöcke im Unternehmen, sondern auch während der Theoriephasen. Wie hoch das Gehalt und die Konditionen ausfallen, ist von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. Viele Unternehmen orientieren sich am geltenden Tarifvertrag für die Branche.

In einigen Betrieben ist mit dem Gehalt auch eine Klausel im Arbeitsvertrag verknüpft, der eine befristete oder unbefristete Übernahme nach dem Abschluss garantiert. Julia hat diese Klausel nicht, aber sie sagt: „Ich habe die Möglichkeit, nach dem Studium das Unternehmen zu verlassen und mich neu zu bewerben, aber warum? Ich arbeite seit vielen Jahren – erst als Praktikantin, jetzt als duale Studentin – dort. Mir gefällt das Klima in dem Team und Stand jetzt möchte ich da auch bleiben.“

Noch ist der Abschluss in weiter Ferne, doch Julia und Lars wissen schon: Danach wollen sie erst einmal arbeiten. Ein weiterführendes Studium sehen sie für sich nicht. Gerade weil sie als Diplom-Ingenieur*innen abschließen, haben sie schon eine sehr gute Qualifikation und es gäbe nur wenige Studiengänge, die noch auf ihrem Wissen aufbauen.

Short Facts

Versorgungs- und Umwelttechnik (Dipl.-Ing. (DH)) – Technische Gebäudeausrüstung

Abschluss: Diplom-Ingenieur*in (Dipl.-Ing. (DH))

Studienbeginn: zum Wintersemester

Regelstudienzeit: 6 Semester

Studienort: Glauchau

Voraussetzung: (Fach-)Abitur, 3-jährige Berufsausbildung, Studienvertrag mit anerkanntem dualen Studienpartner

Zulassungsbeschränkung: zulassungsfrei

Bei Fragen zum Studiengang

Prof. Dr. Ing. habil. Daniela Nickel, Leiterin Studiengang Versorgungs- und Umwelttechnik

daniela.nickel@dhsn.de

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