Zukunft Wasserstoff: Laura und Justus über ihr Studium an der THWS

mann und frau stehen vor einem kleinen flugzeug
Im Studium beschäftigen sich Laura Hoinle und Justus Geßner damit, wie Wasserstoff als Antrieb für Flugzeuge verwendet werden kann. Bild: Laura Hoinle / Justus Geßner

Laura Hoinle und Justus Geßner studieren Wasserstoff- und Verfahrenstechnik an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Für beide war klar: Sie wollen etwas studieren, das zukunftsweisend ist und eine Verbindung zwischen Naturwissenschaften und Technik knüpft.

Wasserstoff in all seinen Facetten erforschen – das ist Ziel und Aufgabe des Bachelorstudiengangs Wasserstofftechnik (ab dem Wintersemester 2025/2026 heißt der Studiengang Wasserstoff- und Verfahrenstechnik) an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS). 

Während des Studiums lernen die Studierenden, wie sie eine Wasserstoffanlage entwickeln, produzieren und betreiben können und verbinden so die Disziplinen der Verfahrenstechnik und des Anlagenbaus miteinander. Eine gute Grundlage, um einen Beitrag zu einer nachhaltigen Energieversorgung zu leisten und zur Reduzierung der CO2-Emissionen beizutragen.

Steckbrief zum Studiengang

Wasserstoff- und Verfahrenstechnik

Alle Infos über den Bachelorstudiengang, die Lehrinhalte und Voraussetzungen findest du im Steckbrief zum Studiengang Wasserstoff- und Verfahrenstechnik (B. Eng.) an der THWS

Studierende machen einen Versuch mit Brennstoffzellen

Genau mit diesem Gedanken hat sich auch Laura Hoinle im Wintersemester 2021/2022 in den damals neuen Studiengang „Wasserstofftechnik“ an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt eingeschrieben. Dass es ein technischer Studiengang werden würde, war der heute 25-Jährigen bereits zu Schulzeiten klar: „Ich habe mich schon in der Schule sehr für Naturwissenschaften begeistert, besonders für Chemie und Physik. Klassische Ingenieurwissenschaften sprachen mich nicht so recht an. Das Thema Wasserstoff kam da zur rechten Zeit.“

Dass die Wahl auf die THWS fiel, war laut Laura ein Heimspiel. Schließlich kommt sie aus der Region und hat sich aufgrund der Nähe zu ihrer Familie für die Hochschule entschieden.

Wasserstoff ist ein innovatives Thema. Es ist zukunftsweisend und bietet vielfältige Anwendungsfelder.

Laura Hoinle
Absolventin Wasserstofftechnik an der THWS

Während Laura gerade ihr Bachelorstudium beendet hat, befindet sich Kommilitone Justus Geßner noch mittendrin. Der 20-Jährige hat gerade sein fünftes Semester an der THWS begonnen. Das Interesse für das Studienfach Wasserstofftechnik wurde bei Justus durch eine Infoveranstaltung in der Schule geweckt, bei der der Studiengangsleiter einen Vortrag hielt und auf das Studium aufmerksam machte.

Wie für Laura stand auch für Justus eine technische Richtung fest, der Vortrag war schließlich das letzte Puzzleteil, welches für die Entscheidung fehlte. „Mir war klar, dass ich etwas in der naturwissenschaftlich-technischen Richtung studieren möchte, was genau wusste ich aber noch nicht. Mit dem Vortrag hat Professor Wilke mich für den Studiengang gewonnen“, erinnert sich Justus.

junger mann steht vor leichtflugzeug

Justus hat sich wegen eines Vortrags in der Schule für den Studiengang an der THWS entschieden. Foto: Laura Hoinle / Justus Geßner

Ein Studienfach, zwei Wege

Der Start ins Studium hätte für die beiden nicht unterschiedlicher laufen können. Laura hat während der Corona-Pandemie ihr Studium begonnen, sodass viele der Veranstaltungen online abgehalten wurden. Trotzdem fand sich die Studentin schnell im Studium zurecht und konnte die anfängliche Orientierungslosigkeit schnell ablegen: „Je mehr Vorlesungen ich besucht habe, desto spannender wurde es dann auch. Es wurde zwar auch herausfordernder, aber so ist eben der Unialltag.“

Auch für Justus, der zwei Jahre später ins Studium gestartet ist, war der Start aufregend. Nach ein paar Infoveranstaltungen ging es sofort los mit den „richtigen“ Vorlesungen. In den ersten beiden Semestern sind das Grundlagenmodule in Mathe, Thermodynamik und Werkstofftechnik. Von Wasserstoff erst einmal keine Spur, sondern vor allem ingenieurwissenschaftliches Basiswissen, auf das die Wasserstoffmodule in den höheren Semestern aufbauen.

Gleichzeitig waren diese Grundlagen auch eine Bewährungsprobe für die Studierenden, wie Laura mit einem Schmunzeln feststellt: „Ich denke, viele Studierende hatten eine falsche Vorstellung von den Inhalten des Studiums, haben mehr Laborarbeit und weniger Ingenieurwesen erwartet. Gerade die ersten beiden Semester unterscheiden sich sehr wenig vom Maschinenbaustudium und das war für viele ein Knackpunkt.“ Eine Einschätzung, die Justus bestätigen kann. Er ergänzt: „Die Grundlagen, die man am Anfang aufgebaut hat, werden im Laufe des Studiums relevant und es ist gut, sich frühzeitig mit diesen Themen auseinanderzusetzen.“

Fokus auf praktische Erfahrungen

Im Studiengang Wasserstofftechnik wird großer Wert auf praktische Erfahrungen, wie beispielsweise Exkursionen und Praktika, gelegt. Die Exkursionen sind abhängig vom Modul und oft spielen auch die Kontakte der Dozent*innen eine Rolle: „In einem Modul haben wir Brennstoffzellen behandelt und da mein Dozent Kontakte zu einer Firma hatte, konnten wir uns dort eine Brennstoffzelle anschauen, die aktiv verwendet wird“, berichtet Laura.

Justus dagegen hat an einer Exkursion zu einem Chemieunternehmen teilgenommen und bereits einige Infos für den Berufseinstieg gesammelt. Darüber hinaus können die Studierenden im Wasserstofflabor der THWS eigene Versuche durchführen. Die Studierenden können zwischen Versuchsanordnungen wählen und erhalten so Einblick in unterschiedliche Bereiche. Dazu gehören Akustik, Mechanik und Strömungsmechanik.

Die Möglichkeiten, praktische Erfahrungen zu sammeln, sind bei uns im Studium sehr vielfältig. Wir erhalten Einblicke in den Berufsalltag, besichtigen Anlagen zur Energieversorgung oder begleiten Professor*innen auf Messen, um den aktuellen Stand der Technik mitzuerleben.

Justus Geßner
Student Wasserstofftechnik an der THWS

Ein Aspekt, den Laura und Justus besonders wertschätzen: die Berufserfahrung, die die Dozent*innen aus der Industrie mitbringen. Besonders in den Vorlesungen wird der praktische Background deutlich, wenn sie die Theorie mit Einblicken aus der Praxis verknüpfen und so die Relevanz der Themen verdeutlichen. Justus erzählt: „Es ist schön, wenn der manchmal eher trockene Theoriestoff durch diese Perspektive erweitert wird. So sieht man, wie es in der Praxis gemacht wird und warum Wasserstoff wichtig für die Zukunft ist.“

In vielen Modulen wird die Theorie eng mit praktischen Übungen verzahnt, sodass die Studierenden selbst testen, analysieren und ausprobieren können. Im Modul „CFD“ haben sich sowohl Laura als auch Justus mit dem namensgebenden Programm „CFD“ (Computational Fluid Dynamics) beschäftigt, um Strömungen um einen Körper zu simulieren. Diese Simulationen am Computer finden beispielsweise bei Autos oder Flugzeugen Anwendung.

mann und frau vor leichtflugzeug

Während des Studiums können Justus und Laura sehr viel in der Praxis ausprobieren. Foto: Laura Hoinle / Justus Geßner

Ein weiteres sehr praxisnahes Modul ist das Industrie- (oder auch Anwendungsprojekt), in welchem sich die Studierenden mit der systematischen Anlagenauslegung auseinandersetzen. Konkret bedeutet das: Die Studierenden bekommen von einem fiktiven Kunden einen Auftrag erteilt und müssen im Rahmen des Auftrags etwas konstruieren. Begleitet werden sie dabei jeweils von dem oder der Professor*in. 

Das Besondere: In Lauras Fall war es ein echter Kunde, der den Auftrag erteilt hat, für eine Wasserstofftankstelle die Erzeugung des Wasserstoffs sowie die Versorgung des gesamten Betriebs über Solarenergie sicherzustellen. „Die Anwendungsprojekte sind eine super Möglichkeit, um in einem gesicherten Umfeld solche Projekte durchzuspielen. Ich finde es großartig, wie man Stück für Stück sein Wissen aufbauen kann“, erzählt die Studentin.

Im sechsten Semester steht schließlich ein Praxisaufenthalt an, bei dem die Studierenden ein halbes Jahr in einem Unternehmen arbeiten und Berufserfahrung sammeln können. Laura hat sich für ein Praktikum bei der TÜV Süd Product Service GmbH in der Nähe von München entschieden. Dort hat sie als Prüfingenieurin in einem Wasserstofflabor gearbeitet und Schläuche, Rohre sowie vor allem Ventile für den Einsatz mit Wasserstoff geprüft.

Bei Justus steht das Praktikum noch aus, doch der 20-Jährige hat sich schon einige Gedanken zu einem möglichen Praktikumsplatz gemacht: „Ich möchte mein Praktikum gern bei einem Energieversorger machen, bei dem ich die Erprobung von Wasserstoff in den Gasturbinen begleiten könnte.“

H₂-Studium = intensiv²?

Zum Studium gehören Vor- und Nachbereitung der Lehrveranstaltungen einfach dazu. „Es ist nicht immer alles intuitiv. Man muss sich auch mal hinsetzen und die Inhalte nacharbeiten“, erklärt Laura und ergänzt mit einem Schmunzeln, „viele der Professor*innen sind etwas ,arbeitsblind‘ und verstehen nicht immer, warum manche Inhalte für uns Studierende schwierig zu greifen sind.“ 

Wie hoch der Arbeitsaufwand ist, hängt vom Semester ab. Oft bearbeiten die Studierenden Gruppenprojekte, bei denen die Arbeitslast auf mehrere Schultern verteilt werden kann.

In diesem Studiengang ist man definitiv keine Zahl.

Laura Hoinle
Absolventin Wasserstofftechnik an der THWS

Ein weiterer Aspekt, den die beiden Studierenden als Vorteil sehen, ist die kleine Größe des Studiengangs: Von den anfänglich 20 Studierenden in Justus‘ Jahrgang sind noch zehn Personen dabei; zusammen mit Laura schließen vier weitere Studierende in diesem Jahr das Studium mit dem Bachelor ab. Für die beiden kein abschreckendes Beispiel. Im Gegenteil: Durch die kleine Kursgröße kennen sich die Studierenden untereinander und auch die Dozent*innen wissen, wer man ist. Das senke die Hürde, Fragen zu stellen.

Fachliche und persönliche Weiterentwicklung

Die THWS ist international ausgelegt, sodass viele Studierende aus dem Ausland an der Hochschule studieren und eigene Kompetenzen und Perspektiven mitbringen. Auch im Studium Wasserstofftechnik haben die Studierenden die Möglichkeit, ein Semester im Ausland zu verbringen. Eine gute Möglichkeit ist beispielsweise die Partnerhochschule in Jordanien, die German Jordanian University (GJU).

Zwar haben sich weder Justus noch Laura für ein Auslandssemester entschieden, doch nach Jordanien ist Laura trotzdem gereist. Denn ein Aspekt, den Laura so nicht erwartet hat: Als Studentin der Wasserstofftechnik zieht sie die Aufmerksamkeit auf sich. So kam es, dass sie im Rahmen eines Marketingprogramms der Fakultät in Würzburg nach Jordanien gereist ist, um ihre Kommiliton*innen der Kommunikationswissenschaften bei den fachlichen und technischen Fragen zu unterstützen. „Es ist schon ziemlich cool, was das Studium alles mit sich bringt. Am Anfang dachte ich, ich werde total anonym unterwegs sein, aber so ist es nicht“, stellt Laura mit einem Lachen fest.

junge frau steht vor leichtflugzeug

Der Studiengang bietet viele Möglichkeiten, um über den Tellerrand hinaus zu blicken. Foto: Laura Hoinle / Justus Geßner

Wie vielfältig die fachlichen Perspektiven sein können, zeigt sich bei der Bachelorarbeit von Laura. Diese hat sie bei dem Start-Up batch2-engineering GmbH geschrieben. Einen der Gründer kannte die Studentin noch aus dem Praxissemester und der bot ihr an, die Abschlussarbeit in seinem Unternehmen zu schreiben. „Mir war es wichtig, über ein Thema zu schreiben, das einen aktuellen Nutzen hat und nicht nur in irgendeiner Schublade landet“, erzählt Laura.

Nach dem bestandenen Bachelor möchte die Studentin direkt ihren Master machen – diesmal allerdings an einer anderen Hochschule. Wohin es sie danach führt, lässt sie noch offen. Auch für Justus, bei dem das Ende des Studiums noch in etwas weiterer Ferne liegt, steht fest: Danach geht es mit einem Masterstudium weiter, das die Verfahrenstechnik noch mehr in den Fokus nimmt.

Short Facts

Wasserstoff- und Verfahrenstechnik (B. Eng.) an der THWS

Abschluss: Bachelor of Engineering (B. Eng.)

Studienbeginn: zum Wintersemester

Regelstudienzeit: 7 Semester

Studienort: Schweinfurt, Campus Ignaz Schön

Voraussetzung: (Fach-)Abitur oder Berufsqualifikation

Zulassungsbeschränkung: zulassungsfrei

Bei Fragen zum Studiengang

Prof. Dr.-Ing. Stephanie Renner
stephanie.renner@thws.de

 Allgemeine Studienberatung
studienberatung@thws.de

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