Alles, nur kein staubtrockener Schreibtischjob. Mit dieser Vorstellung besucht Mika Starke 2023 den Tag der offenen Tür an der Hochschule Nordhausen. Dort wird er auf den Studiengang Regenerative Energietechnik (B. Eng.) aufmerksam. Da ihm die Kombination aus Theorie und Praxis wichtig ist, entscheidet er sich für die duale Variante des Studiengangs.
Die Energiezukunft nachhaltig gestalten. Das ist das Kernziel und Auftrag im Bachelorstudiengang Regenerative Energietechnik (B. Eng.) an der Hochschule Nordhausen. In sieben Semestern befassen sich die Studierenden damit, wie sie nachhaltige Energieanlagen konzipieren, konstruieren und betreiben können. Sie lernen unterschiedliche Energiespeicher und -erzeugungssysteme, wie beispielsweise Solarthermie und Windenergie, kennen, und wie diese in bestehende Strom- und Wärmenetze eingebunden werden können.
Das Besondere: Der Studiengang ist sowohl als klassischer Vollzeitstudiengang belegbar als auch in der Studienform StudiumPraxis bzw. StudiumPraxis PLUS, was einem dualen Studium entspricht.
Zu den Studierenden gehört auch Jan Mika Starke. Er studiert aktuell im dritten Semester an der Hochschule Nordhausen. Auf den Studiengang aufmerksam wurde Mika über einen Tag der offenen Tür an der Hochschule. Zu dem Zeitpunkt wusste er noch nicht, dass dieses Studienfach auch dual studierbar ist, überzeugt war er trotzdem von Anfang an. Für ihn außerdem von Vorteil: Die Hochschule ist im Vergleich zu einer Universität sehr klein und dementsprechend ist der Austausch mit den Professor*innen und Dozierenden an der Hochschule Nordhausen deutlich enger.
Ich habe mich für Regenerative Energietechnik entschieden, da für mich die Verbindung aus Praxis und Theorie sehr wichtig ist. Ich möchte einen Ausgleich zur Schreibtischarbeit und die Dinge auch in der Anwendung sehen und verstehen.
Jan Mika Starke
dualer Student Regenerative Energietechnik
Wie praxisnah der Studiengang wirklich sein kann, findet der Student einige Monate vorher heraus: „Als ich mich noch einmal mit dem Studiengang auseinandergesetzt habe, habe ich die Infos zur dualen Studienform entdeckt und direkt bei den Praxispartnern geguckt, wer dabei ist. So bin ich zur Energieversorgung Nordhausen gekommen.“
In den ersten beiden Semestern standen für Mika die klassischen ingenieurwissenschaftlichen Grundlagenmodule auf dem Stundenplan: Mathe, Physik und Elektrotechnik. Hinzu kamen außerdem Grundlagen der Programmierung und ein Modul zum Technischen Zeichnen und CAD. Die Module setzen sich immer aus einer Vorlesung und einer Übung zusammen, sodass Theorie und Praxis direkt ineinander haken können.
„Ich fand gut, dass gerade in den ersten Wochen vor allem Inhalte behandelt wurden, die ich schon aus der Schule kannte und wir uns schrittweise weiter vorgewagt haben. In den Übungen haben wir die Vorlesungsthemen angewendet. Da hieß es dann: üben, vertiefen, Fragen stellen“, erklärt Mika.
Der Studiengang ist nicht besonders groß, gerade einmal sieben Leute haben sich für das erste Semester eingeschrieben, mittlerweile sind sie nur noch fünf. So kommt es, dass Mika an den meisten Übungen mit fünf bis zehn Kommiliton*innen, teilweise aus anderen ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen, teilnimmt.
So auch in der Übung zu Ing.-Mathe I: Während des Seminars bearbeiten die Studierenden ein Arbeitsblatt mit verschiedenen Aufgaben, beispielsweise zur Differenzialrechnung, und anschließend sprechen sie die Aufgaben gemeinsam durch. „Eigentlich ist das vom Unterrichtsstil wie früher in der Schule“, schmunzelt Mika. Besonders die Mathe- und Physikvorlesungen machen dem dualen Studenten Spaß, aber ihn interessieren auch die fachspezifischen Module zur Energietechnik.
Ich finde dieses Studium sehr vielseitig. Man schaut in verschiedene Gebiete rein. Es ist sehr technisch und naturwissenschaftlich angehaucht. Eine gute Mischung aus Mathe und Physik, bisschen Bio und Chemie ist auch mit dabei. Vereinzelt betrachten wir auch wirtschaftliche Zusammenhänge, beispielsweise im Projektmanagement.
Jan Mika Starke
dualer Student Regenerative Energietechnik
Neben den Lehrveranstaltungen gehören auch Exkursionen und Praktika zum studentischen Alltag von Mika. Praktika werden direkt an der Hochschule in Physik oder Elektrotechnik angeboten.
„Jedes Jahr im November findet die Zukunftswoche statt. Wir werden in Gruppen aufgeteilt und bekommen eine Aufgabe. In einer Gruppe mussten wir ein Gleitreibungskraftwerk bauen, eine Maschine, mit der Änderungen in der Energie gemessen werden können. Wir haben dazu ein Gewicht an einem Seil befestigt und das aus dem zweiten Obergeschoss heruntergelassen. Gebremst wurde das Seil durch eine Schraube und wir haben die Erwärmung gemessen und ausgerechnet, welche Energie durch die Reibung umgesetzt wurde“, berichtet der Student.
Die Exkursionen führen Mika und seine Kommiliton*innen an unterschiedliche Orte in Nordhausen und Umgebung. Einmal waren sie bei einer Hoch- und Tiefbaufirma und durften das Lager und die Produktionshallen besichtigen.
Während der vorlesungsfreien Zeit arbeitet Mika bei der Energieversorgung Nordhausen. Foto: Energieversorgung Nordhausen GmbH
Um so viel wie möglich aus der Praxis mitzunehmen, arbeitet Mika nicht nur in der vorlesungsfreien Zeit bei der Energieversorgung Nordhausen GmbH, sondern auch unter der Woche während des Semesters. Gemeinsam mit dem Praxispartner achtet er aber darauf, dass die Arbeitszeiten mit seinem Stundenplan zusammenpassen: „Es ist eine schöne Abwechslung. Manchmal bin ich bis mittags im Betrieb und habe dann am Nachmittag eine Vorlesung. Es gibt auch Wochentage, da habe ich keine Univeranstaltungen und bin komplett im Betrieb oder andersherum“, erklärt er.
Bei aller Flexibilität, die Mika so mitbringen kann, wird auf den Ausgleich durch Urlaubstage wertgelegt. Den Urlaub kann er in der vorlesungsfreien Zeit zwischen zwei Semestern nehmen.
Während der bisherigen Zeit im Betrieb hat Mika schon ein paar Abteilungen durchlaufen, in der Regel ist er immer für mehrere Monate am Stück in einer Abteilung, bevor er wechselt. „Am Anfang war ich im Gasbereich und durfte den Monteur*innen zunächst über die Schulter schauen und schnell auch selbst mit anpacken. Dazu gehört Gasanschlüsse montieren oder Zähler austauschen.“
Auf den Gasbereich folgte die Abteilung Strom. Dort hat Mika zum Beispiel Störungseinsätze begleitet und auf verschiedenen Baustellen mitgearbeitet. Gerade ist der Student in der Fernwärme tätig und lernt dort die Anlagen des Versorgungsgebietes kennen.
Mir gefällt die Vielseitigkeit. Der Netzausbau steht natürlich im Fokus, aber man beschäftigt sich mit vielen verschiedenen Dingen am Tag. Mal warten wir eine Trafostation und manchmal kümmern wir uns um ein zerrupftes Kabel.
Jan Mika Starke
dualer Student Regenerative Energietechnik
Der Arbeitsalltag von Mika spielt sich aktuell noch hauptsächlich im Außendienst ab, damit er so viel wie möglich vom Versorgungsgebiet kennenlernt. Später wird sich das verändern und das Büro zum Hauptarbeitsort.
Nach dem Studium wird Mika von der Energieversorgung Nordhausen übernommen, denn im Rahmen seines Ausbildungsvertrages gibt es eine Nachverpflichtung. So zahlt sich das Invest, welches das Unternehmen mit Mika eingegangen ist, wieder aus. Für den Studenten eine gute Möglichkeit, um Berufserfahrung zu sammeln. Aber er ist sich sicher: Erst einmal möchte er dort auch bleiben. Und danach? Da stehen ihm viele Türen offen: „Mit dem Abschluss habe ich viele verschiedene Berufsmöglichkeiten und kann überall in der Energiebranche als Ingenieur arbeiten.“
Short Facts
Abschluss: Bachelor of Engineering (B. Eng.)
Studienbeginn: zum Wintersemester
Regelstudienzeit: 7 Semester / 210 ECTS-Punkte
Studienform: Voll- oder Teilzeit; optional als StudiumPraxis oder StudiumPraxis PLUS
Voraussetzung: (Fach-)Abitur oder Berufsqualifikation
Zulassungsbeschränkung: zulassungsfrei
Bei Fragen zum Studiengang
Dr. Pascal Leibbrandt, Studiendekan RET
pascal.leibbrandt@hs-nordhausen.de