Wirtschaft trifft Technik: Wie Selina als Industriekauffrau die Gasversorgung mitgestaltet

Junge Frau steht in Werkhalle.
Selina Yavsan absolviert ihre Ausbildung zur Industriekauffrau bei CeH4. Foto: Heidekreatur

Von der Baustelle bis zur Messplanung – Selinas Erfahrungen zeigen, dass die Ausbildung zur Industriekauffrau in der Energiebranche alles andere ist als ein reiner Schreibtischjob. Bei der CeH4 technologies GmbH in Celle verbindet sie wirtschaftliches Know-how mit technischem Verständnis und viel Eigenverantwortung.

Für Selina Yavsan war schon immer klar, dass sie im wirtschaftlichen Bereich arbeiten möchte. Nach ihrem erweiterten Sekundarabschluss und dem Fachabitur suchte sie nach einer Ausbildung, die mehr bietet als Büroalltag. Über die Bundesagentur für Arbeit wurde sie auf die CeH4 technologies GmbH aufmerksam – ein Treffer ins Schwarze. Da Selina die Schule mit dem Fachabitur abgeschlossen hatte, konnte sie die Ausbildung verkürzen. Ein kurzer Antrag bei der IHK genügte und die 20-Jährige konnte direkt im zweiten Lehrjahr einsteigen.

In der Ausbildung bei CeH4 habe ich nicht nur die Büroarbeit, sondern kann auch Baustellen besichtigen und Messen besuchen.

Selina Yavsan
Industriekauffrau bei CeH4

Von der Buchhaltung bis zur Baustelle

In ihrer Ausbildung durchläuft Selina fast jede Abteilung des Spezialisten für Anlagentechnologie aus Celle. Von der Buchhaltung über den Einkauf und das Personalwesen bis hin zur Lagerlogistik – die Auszubildende hat für zwei bis vier Wochen überall reingeschnuppert und mitgearbeitet. Das Besondere bei CeH4: Die Teams sind mit maximal sieben Personen überschaubar und fast familiär, was den Einstieg erleichtert.

Besonders spannend war für sie die Zeit im Anlagenbau. Dort blieb es nicht bei der Theorie am Schreibtisch. „Wir sind zu Baustellen gefahren und es war schön zu sehen, wie die Anlagen aussehen. Das habe ich vorher immer nur auf dem Blatt gesehen und nicht in der Praxis“, erinnert sich die 20-Jährige. Vor Ort auf den Baustellen kontrollierte sie unter anderem, ob sich alle an die Sicherheitsregeln halten und ob die realen Komponenten mit den Bauplänen übereinstimmen.

Ein absolutes Highlight: Selina durfte sogar selbst einmal das Schweißgerät in die Hand nehmen oder mitschrauben. „Natürlich unter Aufsicht“, lacht sie. Sogar an internationalen Meetings für Projekte in Israel durfte sie teilnehmen und erhielt Einblicke in die Planung der „Gas-Mücke“, eines mobilen Verdichters zur Emissionsvermeidung.

Junge Frau steht vor Firmenfahrzeugen.

Selina vor dem Fuhrpark des Unternehmens. Foto: Heidekreatur

Obwohl Selina kein technisches Vorwissen mitbrachte, eignete sie sich die Themen schnell an. „Mit dem Technischen hatte ich am Anfang ein paar Probleme“, gibt sie offen zu. Den Unterschied zwischen Wasserstoff und Biogas oder den komplexen Aufbau einer Anlage zu verstehen, war eine Herausforderung, die sie jedoch mit Begeisterung annahm.

In der Service-Abteilung lernte Selina die logistische Seite der Technik kennen, indem sie Stücklisten bearbeitete und die Einsatzplanung für die Monteur*innen unterstützte und zwar so, dass dringende Probleme an Anlagen immer Vorrang haben. „Mir macht es sehr viel Spaß, Dinge zu planen und dann auch zu sehen, was ich alles geschafft habe“, erzählt sie.

Zwischen Lernfeldern und Praxisbezug

Anders als viele andere Auszubildende hat Selina keinen Blockunterricht, sondern besucht jeden Mittwoch die Berufsschule. Da sie das erste Lehrjahr übersprungen hat, stehen für sie vor allem fachspezifische Themen auf dem Plan: Geschäftsprozesse, Wirtschaftskunde, Kosten- und Leistungsrechnung stehen im Fokus.

Besonders das Thema Marketing hat es ihr angetan. Das Gelernte kann Selina direkt im Betrieb anwenden, denn sie betreut gemeinsam mit einer Agentur die Social-Media-Inhalte von CeH4. Ihr Alltag ist ein Mix aus administrativen Aufgaben wie dem Prüfen von Auftragsbestätigungen und kreativen Projekten im Marketing.

Die IdeenExpo in Eigenregie

Aktuell koordiniert Selina ein Großprojekt: die Teilnahme von CeH4 an der IdeenExpo in Hannover. Von der Gestaltung des Messestandes über das Design der Team-T-Shirts bis hin zur Personalplanung liegt fast alles in ihrer Hand.

„Es ist die erste Messe, die ich versuche, ganz selbstständig zu planen“, erzählt die Auszubildende stolz. Unterstützung erhält sie dabei von ihrem Marketingleiter, dem sie ihre Ideen präsentiert, bevor sie final mit der Geschäftsführung abgestimmt werden. Dieses Projekt ist so prägend für Selina, dass sie es auch zum Thema ihrer mündlichen Abschlussprüfung macht. Thema ist die allgemeine Planung und Durchführung einer Messe.

Auch bei der Messe selbst wird Selina dabei sein. Gemeinsam mit Kolleg*innen übernimmt sie die Betreuung des Standes. „Wir werden immer zu dritt sein und die Aufgaben verteilen: Einer nimmt in Empfang, eine erklärt die Anlage und so weiter“, erläutert Selina.

Junge Frau steht mit Firmenschriftzug vor einer mobilen Anlage.

Selina freut sich über die verantwortungsvolle Aufgabe der Messegestaltung. Foto: Heidekreatur

Blick in die Zukunft

Die schriftlichen Prüfungen hat Selina bereits hinter sich. Die dreigeteilte Prüfung beschäftigte sich mit den Themenfeldern Geschäftsprozesse, KSK (Rechnungen und Buchführung) und Wirtschafts- und Sozialkunde. Nach der mündlichen Prüfung im Sommer ist die Übernahme bei CeH4 geplant – ein tolles Gefühl für die angehende Industriekauffrau. Sie wird künftig die Abteilungen Einkauf und Marketing unterstützen und möchte dort erstmal praktische Erfahrungen sammeln. Für die Zukunft kann sie sich eine Weiterbildung zur Betriebswirtin oder Fachwirtin vorstellen.

Ich finde die Mischung gut, weil ich beim Einkauf dieses strukturierte Arbeiten und im Marketing das Kreative habe.

Selina Yavsan
Industriekauffrau bei CeH4

Selinas Tipp an alle, die sich für die Ausbildung in der Energiebranche interessieren: „Man sollte organisiert und kommunikationsfähig sein.“ Technisches Vorwissen ist zwar ein Pluspunkt, aber kein Muss. „Das lernt man alles vor Ort“, erklärt die 20-Jährige. Ihr Fazit zur Ausbildung fällt eindeutig aus: „Ich bin wirklich sehr zufrieden!“

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