Von Potsdam nach Malta: Auslandspraktikum während der Ausbildung

Sidney hat während ihrer Ausbildung ein fünfwöchiges Praktikum auf Malta absolviert. Foto: privat

Mit dem Abitur in der Tasche hatte Sidney noch keinen richtigen Plan, was sie nach der Schule machen möchte. Nur eins wusste sie schon: Ein Arbeitsplatz in einem Büro wäre toll und am liebsten in einem Unternehmen, das Gleitzeit anbietet. Eine Freundin machte sie deshalb auf die Stadtwerke Potsdam aufmerksam. Ein Aspekt überzeugte Sidney im Besonderen: die Möglichkeit während der Ausbildung ein Praktikum im Ausland zu absolvieren.

Was macht eine gute Ausbildung für mich aus? Wo möchte ich arbeiten? Was wünsche ich mir von meinem Arbeitgeber? Fragen, die sich wahrscheinlich jede und jeder schon einmal gestellt hat. So erging es auch Sidney Spilling. Zwar wusste sie, dass sie in einem Büro arbeiten möchte, aber welches Unternehmen und überhaupt welche Ausbildung, das wusste sie noch nicht. Eine Freundin half ihr schließlich aus. Diese machte zu der Zeit nämlich eine Ausbildung zur Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung bei den Stadtwerken Potsdam.

Die Entscheidung für den Ausbildungsbetrieb war damit gefallen, nur der konkrete Beruf stand noch aus: „Mich haben viele Bereiche interessiert und ein Beruf, der das alles vereint, ist der der Industriekauffrau. In der Ausbildung konnte ich in verschiedenen Abteilungen mitarbeiten und schauen, worauf ich mich spezialisieren möchte“, erklärt Sidney ihre Wahl.

Zu den Abteilungen, in denen Sidney während ihrer Ausbildung gearbeitet hat, gehören Personalwesen, Finanzen- und Rechnungswesen, Marketing oder VT, was noch einmal in Projekt-, Facility- und Fuhrparkmanagement untergliedert ist. Besonders die letzte Abteilung hat es Sidney angetan und sie hat das Glück, dass sie nach ihrem Abschluss als Werkstudentin in diesen Bereich übernommen wurde: „Ich mag die Schnittstelle zwischen den kaufmännischen und technischen Arbeitsbereichen. Das war auch der Grund, warum ich mich nach der Ausbildung dazu entschieden habe, Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren.“ Denn das studiert die 23-Jährige bereits im zweiten Semester an der Technischen Hochschule in Brandenburg (THB).

Ich habe mich für die Ausbildung zur Industriekauffrau entschieden, weil es mir die Möglichkeit gab, verschiedene Bereiche kennenzulernen. So konnte ich für mich herausfinden, was mir am meisten liegt und Spaß macht.

Sidney Spilling
Studentin Wirtschaftsingenieurwesen

Zwischen Büro, Projekten und Organisation

Doch zurück zum Anfang, denn der ist Sidney in guter Erinnerung geblieben. Die Ausbildung begann mit einer Einführungswoche, in der sich alle neuen Azubis kennenlernen und miteinander vernetzen konnten. „Die Woche ist zum einen für organisatorische Themen da; wir wurden unter anderem in den Arbeits- und Datenschutz eingewiesen oder haben gelernt, wie wir das Ausbildungsheft führen und zum anderen haben wir verschiedene Standorte des Unternehmens besucht. In meinem Fall war das der Wertstoffhof und ein Schwimmbad“, erinnert sich Sidney. Mit einem Abschlussfest klang die Einführungswoche schließlich aus. Hier kamen noch einmal alle zusammen, haben Spiele gespielt, Pizza gegessen und die Woche Revue passieren lassen.

Danach ging es für alle Auszubildenden in ihre jeweiligen Abteilungen. Gemeinsam mit Sidney haben sich noch zwei weitere Frauen für die Ausbildung zur Industriekauffrau entschieden – mit einer von ihnen hat die 23-Jährige auch ihren Abschluss gemacht.

Über die Ausbildung habe ich neue Freundschaften geschlossen, mit denen ich zum Teil auch privat etwas unternehme. Die Ausbildung hat uns auf jeden Fall zusammengeschweißt.

Sidney Spilling
Studentin Wirtschaftsingenieurwesen

Alle drei Wochen tauschte Sidney das Büro gegen das Klassenzimmer in der Berufsschule. Der Unterricht war in zwölf Lernfelder unterteilt, die von der Kosten- und Leistungsrechnung über Buchhaltung bis hin zur Volkswirtschaftslehre reichen, doch auch klassische Schulfächer wie Deutsch und Englisch standen auf dem Stundenplan.

Mit der Ausbildung bei den Stadtwerken Potsdam fand Sidney genau das, was sie gesucht hat: abwechslungsreiche Tätigkeiten und Einblicke in unterschiedliche Unternehmensbereiche. „Ich habe im Fuhrparkmanagement gearbeitet, das fand ich echt spannend. Dort war eine meiner Aufgaben, dass ich mich über neue Fahrzeuge informiere, die wir für unseren Bestand benötigen. Dazu gehört Preise vergleichen, Fahrzeuge besichtigen und die Autos schließlich auch abholen. Das war auf jeden Fall mal was anderes.“

Neue Perspektiven durch Auslandspraktikum

Das Highlight für Sidney: das Auslandspraktikum auf Malta. Dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt, davon hörte die jetzige Studentin schon vor Ausbildungsbeginn. Im Bewerbungsgespräch nutzte sie dann direkt die Gelegenheit, darüber zu sprechen: „Ich reise sehr gern und deswegen wusste ich, wenn es diese Möglichkeit für mich gibt, dass ich das unbedingt machen möchte.“ Eine gute Entscheidung, denn Sidney bekommt das Feedback, dass sie gern ein Praktikum im Ausland machen kann, wenn sie in der Ausbildung einen guten Eindruck macht.

Vor Beginn des dritten Ausbildungsjahres war es schließlich so weit: Sidney bereitete alles vor, damit sie während der Sommerferien fünf Wochen ein Praktikum auf Malta absolvieren konnte. Warum Malta? Das war für Sidney eine logische Entscheidung: „Ich habe mich gemeinsam mit einer Freundin auf das Auslandspraktikum vorbereitet und wir haben überlegt, wo wir hinwollen und was für einen fünfwöchigen Aufenthalt Sinn ergibt. So sind wir bei Malta gelandet: eine überschaubare Insel, die wir in der Zeit gut erkunden können. Uns gefiel die Vorstellung, dass wir dann für dieses Land Expertinnen sind.“

Gemeinsam mit einer Freundin konnte Sidney die Insel erkunden. Foto: privat

Nachdem das Zielland feststand, ging Sidney in die konkrete Planung. Dazu war sie im Austausch mit der IHK und dem Träger Erasmus, die diese Auslandspraktika ermöglichen, um alle notwendigen Formulare auszufüllen und mit dem Praktikumsbetrieb in Kontakt zu kommen. Über den Träger wurde ihr nicht nur das Zimmer in der WG bezahlt, sondern auch die Flüge sowie Verpflegungsgeld.

In der ersten Woche auf Malta besuchte Sidney eine Sprachschule, um die Englischkenntnisse aufzufrischen. Der Besuch der Sprachschule wurde von den Stadtwerken Potsdam finanziert. Das Praktikum selbst absolvierte Sidney bei einem Möbelausstatter. Während der vier Wochen arbeitete sie unter anderem in der Finanzbuchhaltung und im Marketing mit, wo sie beispielsweise Blogbeiträge für den Webauftritt schrieb und veröffentlichte.

Während des Praktikums hat Sidney in einer WG mit fünf anderen Praktikant*innen gewohnt. Foto: privat

In der WG wohnten neben Sidney und ihrer Freundin noch vier weitere Personen, die ebenfalls zu der Zeit ein Praktikum absolvierten. Die Arbeitsbereiche waren jedoch ganz unterschiedlich, wie Sidney verrät: „Wir waren Praktikant*innen aus ganz Deutschland und es gab Elektriker oder Kfz-Mechatroniker, die dann in einer Werkstatt gearbeitet haben. Über eine WhatsApp-Gruppe konnten wir uns auch mit weiteren Azubis austauschen, die ebenfalls ihr Praktikum auf Malta machen.“ Ihre Freizeit verbachte Sidney deswegen entweder mit ihren WG-Mitbewohner*innen, neuen Freund*innen aus dem Praktikum oder erkundete auf eigene Faust die Insel.

Für mich war das Praktikum auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Ich habe tolle Menschen kennengelernt und fand es einfach schön, eine neue Umgebung zu erkunden. Es gehört schon Mut dazu, weil man auf sich allein gestellt ist, aber ich bereue es keine Sekunde.

Sidney Spilling
Studentin Wirtschaftsingenieurwesen

Für Sidney eine tolle Erfahrung und ein guter Einstieg in das letzte Ausbildungsjahr. Das verbrachte sie, zurück in Potsdam, in gewohnter Umgebung, um sich auf ihre Abschlussprüfung vorbereiten zu können. Für das Danach musste sich Sidney keine Sorgen machen: „Es ist in der Regel so, dass Azubis nach der Ausbildung übernommen werden und so ist es auch bei mir gewesen, allerdings in etwas anderer Form“, erklärt Sidney. 

Denn die 23-Jährige entschied sich dazu, ein Studium an ihre Ausbildung anzuschließen und arbeitet nun als Werkstudentin bei den Stadtwerken Potsdam. Parallel dazu studiert sie Wirtschaftsingenieurwesen an der THB, um ihr Wissen aus der Ausbildung zu vertiefen und im technischen Bereich weiter auszubauen.

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