Zwischen Windkraft und Wasserstoff: Warum Phuong Thao und Jule-Marie sich für regenerative Energien begeistern

Zwei junge Frauen lächeln in die Kamera, im Hintergrund eine Hecke.
Jule-Marie Hemelt und Phuong Thao Dang studieren Regenerative Energiesysteme an der Hochschule Bochum. Foto: privat

Klimaschutz ist mehr als nur ein Schlagwort, es ist eine technische und gesellschaftliche Herausforderung, die konkrete Lösungen braucht. Phuong Thao Dang und Jule-Marie Hemelt haben sich für den Studiengang „Regenerative Energiesysteme“ an der Hochschule Bochum entschieden, um genau diese Lösungen zu entwickeln.

Die Suche nach dem passenden Studium ist für viele junge Menschen eine Reise mit Hindernissen. Für Phuong Thao und Jule-Marie stand jedoch eines fest: Sie wollten etwas lernen, das einen echten Beitrag zum Umweltschutz leistet. „Ich wollte ursprünglich Umweltingenieurwesen studieren, aber dann habe ich diesen neuen Studiengang in Bochum entdeckt“, erinnert sich Phuong Thao. „Dass Umweltschutz und Energietechnik so eng verbunden werden, war genau das, was ich gesucht habe.“

Auch Jule-Marie war von der Aussicht begeistert, technische Systeme für eine nachhaltige Zukunft zu verstehen. Besonders die Windenergie hatte es ihr angetan – ein Thema, das in anderen Studiengängen oft zu kurz kommt.

Der Studiengang ist sehr realitätsnah. Wir wissen, dass viele Wetterphänomene wie Hitzewellen mit dem Klimawandel zu tun haben. Und in diesem Studiengang lernen wir praxisnah und zukunftsorientiert, wie wir die Probleme lösen können.

Phuong Thao Dang
Studentin Regenerative Energiesysteme

Die Ausbildung als Wegweiser

Bevor es für Jule-Marie an die Hochschule ging, absolvierte sie eine schulische Ausbildung zur Umweltschutztechnischen Assistentin. „Ich wusste nach der Realschule noch gar nicht genau, was ich machen möchte. Bei einer Berufswahlmesse bin ich auf die Ausbildung aufmerksam geworden“, erzählt sie. Mit Chemie als Lieblingsfach war die Ausbildung mit hohem Laboranteil genau richtig.

In der Ausbildung hatte Jule-Marie gewohnte Fächer wie Mathe, Deutsch und Englisch, dazu kamen spezifischere und praktische Themen. „Es gab unter anderem Umwelttechnik und in Chemie waren wir wirklich sehr viel im Labor und auch sonst haben wir vieles praktisch gelernt“, erklärt die heute 23-Jährige.

Junge Frau führt im Labor einen Test durch.

Jule-Marie hat vor dem Studium eine schulische Ausbildung absolviert. Foto: privat

Ein Highlight war das „Randelbachprojekt“, bei dem die Schüler*innen bei der Renaturierung des Bachs mithalfen. Dazu nahmen sie Proben aus dem Wasser und analysierten diese anschließend. Jule-Marie und ihre Mitazubis untersuchten außerdem, welche Tiere im und am Bach leben.

Auf das achtwöchige Praktikum im Betrieb musste Jule-Marie aufgrund der Corona-Pandemie leider verzichten. Als Alternative hatten sich die Ausbildungsverantwortlichen jedoch ein Ersatzprojekt überlegt. Dabei musste Jule-Marie eine senseBox selbst programmieren und damit die Emissionen und Immissionen an einer Straße messen.

Für einen Direkteinstieg ins Unternehmen reichte Jule-Marie die schulische Ausbildung nicht aus. Zum einen beschreibt sie es als schwierig, ohne Praxiserfahrung einen Job zu finden, zum anderen wusste sie aber, dass sie unbedingt noch studieren möchte. Das Windenergie-Modul im Studiengang „Regenerative Energiesysteme“ überzeugte sie davon, nicht Umweltingenieurwesen zu studieren, sondern sich für den Bachelor an der Hochschule Bochum einzuschreiben.

Das Bachelorstudium: interdisziplinär und nah an der Praxis

Der Bachelorstudiengang ist auf sieben Semester ausgelegt. In den ersten vier Semestern erlernen die Studierenden das natur- und ingenieurwissenschaftliche Fundament: Mathe, Physik, Chemie, Messtechnik und BWL stehen unter anderem auf dem Plan. Es gibt außerdem viele Schnittstellen zu anderen Ingenieurstudiengängen wie Elektrotechnik, Maschinenbau, Bau- und Umweltingenieurwesen.

Ab dem fünften Semester können die Studierenden eigene Schwerpunkte setzen und innerhalb der fünf Wahlbereiche – Geothermie, Gebäudeenergietechnik, Sektorenkopplung, Digitalisierung der Energiesysteme, Mobilitätssysteme – relativ frei ihre Module wählen.

„Ich habe mich für Sektorenkopplung entschieden, weil hier das Modul zu Windenergie angesiedelt ist“, erzählt Jule-Marie. Weitere Fächer, die sie in diesem Schwerpunkt belegt, sind Energiespeicher, Energiemanagement, Bioenergie, Solarenergie, Power-to-X, Umweltrecht und Partizipation. Zusätzlich hat Jule-Marie das Modul zu Geoinformationssystemen gewählt.

Wenn man Interesse an Energiesystemen hat, ist das ein wirklich sehr guter Studiengang. Das Studium ist relativ anspruchsvoll, macht aber auch sehr viel Spaß!

Jule-Marie Hemelt
Studentin Regenerative Energiesysteme

Phuong Thaos Schwerpunkt im Bachelor lag ebenfalls in der Sektorenkopplung. Sie belegte zusätzlich Module aus dem Wahlbereich „Digitalisierung der Energiesysteme“ und lernte hier Geoinformationssysteme, Smart Grids und nachhaltige Digitalisierung kennen. „Es gibt so viele interessante Module, deshalb habe ich gar kein Lieblingsfach“, erklärt sie.

Die Theorie lernen die Studierenden vor allem in Vorlesungen. Begleitet werden diese während des Grundstudiums von Tutorien, später von Übungen. Zusätzlich gibt es in manchen Modulen kleine Praktika, unter anderem in der Mess- und Regelungstechnik oder Elektrotechnik.

Ein Highlight des Bachelorstudiums ist die Exkursionswoche, die jährlich stattfindet. Hier können die Studierenden hinter die Kulissen von Wasserstoffanlagen, Kraftwerken oder Kläranlagen blicken.

In kleinen Praktika lernen die Studierenden zum Beispiel die Messtechnik kennen. Foto: privat

Im siebten Semester absolvieren Studierende der Regenerativen Energiesysteme eine Praxisphase. Für Phuong Thao ging es zur Thyssengas GmbH in die Abteilung Netzpartner und technische Verträge im Vertrieb. Besonders gut gefiel ihr die Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen. „Das Team ist sehr dynamisch und hat mit Kunden zu tun. Da konnte ich viel zur Kommunikation lernen und wie man den Kunden am besten die Infos gibt, die sie für ein Projekt brauchen“, erzählt sie.

Während der drei Monate beschäftigte Phuong Thao sich intensiv mit dem Wasserstofftransport und wählte das Thema deshalb auch für ihre Bachelorarbeit aus. In ihrem Konzept berücksichtigte sie nicht nur die Punkte, die Thyssengas für einen erfolgreichen Wasserstofftransport umsetzen muss, sondern auch die Aspekte, auf die Kunden achten müssen.

Für Jule-Marie ging es im Praxissemester nach Rheine zur ABO Energy GmbH & Co. KGaA, einem Planungsbüro für Windkraftanlagen. Hier erstellte sie mithilfe von Geoinformationssystemen Karten, half bei Anträgen mit und holte Stellungnahmen von Gemeinden und anderen Firmen ein.

Bock auf ein sinnvolles Studium?

Studiengänge, mit denen du zu Umwelt- und Ressourcenschutz beitragen kannst, findest du auf unserer Themenseite Studium.

Mann springt in die Luft

Die Expertinnen von morgen

Für Phuong Thao war der Bachelor erst der Anfang. Sie ist bereits im ersten Semester des Masterstudiums Regenerative Energiesysteme. Die drei Semester sind stark auf die Praxis ausgerichtet und sehr intensiv. Phuong Thao vertieft im Master ihre Wahlmodule aus dem Bachelorstudium: Digitalisierung der Energiesysteme und Sektorenkopplung.

Im ersten Semester belegte sie Pflichtfächer wie Mathe und Informatik und suchte sich das Modul Bewertung und Evaluation nachhaltiger Mobilität aus. „Das ist ein Modul aus der Vertiefung Mobilitätssysteme der Zukunft. Ich finde das sehr interessant, denn wir benutzen jeden Tag Verkehrsmittel“, erklärt sie.

Im weiteren Verlauf des Studiums wird Phuong Thao sich mit Systemintegration und Systemverhalten regenerativer Energiesysteme sowie Speichertechnologien beschäftigen. Außerdem möchte sie an einem besonderen Projekt teilnehmen: Die Hochschule engagiert sich in Gambia, wo ein Kindergarten über Photovoltaik-Module mit einer zuverlässigen Stromversorgung ausgestattet wird. Im Masterstudiengang „Regenerative Energiesysteme“ werden diese Module geplant.

Der Master ist definitiv praxisnäher aufgebaut als der Bachelor. Neben den „normalen“ theoretischen Modulen haben wir auch Module, die wir direkt in der Praxis umsetzen können wie das Projekt in Gambia.

Phuong Thao Dang
Studentin Regenerative Energiesysteme

Jule-Marie wird nach ihrem Bachelorabschluss wahrscheinlich einen anderen Weg einschlagen. Ihr erstes Interesse an der Windenergie hat sich bestätigt und vertieft: Sie will in Bremerhaven Windenergietechnik studieren. Nach dem Masterstudium kann sie sich gut vorstellen, in der Windenergieplanung zu arbeiten oder in die Forschung zu gehen. „Erstmal muss ich aber abwarten, wie der Master abläuft.“

Auch Phuong Thao hat sich schon Gedanken über ihre Zukunft gemacht. „Ich möchte auf jeden Fall im Energiebereich tätig sein“, sagt sie. Am liebsten wäre ihr der Direkteinstieg in ein Unternehmen, sie hat sich aber auch schon einige Trainee-Programme von Energiefirmen angeguckt.

Jungen Menschen in der Berufsorientierung geben die beiden mit auf den Weg, sich auszuprobieren. „Wenn einen etwas interessiert, dann einfach mal anfangen. Und wenn es nicht passen sollte, kann man notfalls abbrechen. Man sollte auf jeden Fall was machen, das einem Spaß macht“, sagt Jule-Marie und Phuong Thao ergänzt: „Man sollte sich ruhig Zeit lassen, herauszufinden, was das Richtige für einen ist. Es gibt verschiedene Wege und welcher der passende ist, ist bei jedem anders.“

Short Facts

Regenerative Energiesysteme (B. Sc.)

Abschluss: Bachelor of Science (B. Sc.)

Studienbeginn: Wintersemester

Regelstudienzeit: 7 Semester

Studienform: Vollzeit

Studienstandort: Bochum

Voraussetzung: Fachhochschulreife

Zulassungsbeschränkung: Nein (kein Numerus Clausus)


Bei Fragen zum Studiengang

Stephan Exner

stephan.exner@hs-bochum.de

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