Vom Sauerland bis nach China: Johannes’ Weg in die Energiewirtschaft

junger Mann an Heizungsanlage
Nach seiner Ausbildung entscheidet sich Johannes für das Studium Gebäudetechnik an der FH Münster. Foto: Johannes Mimberg

Schon während der Schule interessiert sich Johannes für die Naturwissenschaften. Als nach dem Abitur die Frage nach der beruflichen Orientierung aufkommt, entscheidet er sich deswegen für die Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Da ihm das noch nicht genug ist, entschließt er sich im Anschluss für das duale Studium Gebäudetechnik an der Fachhochschule Münster.

Wie plane ich ein Gebäude? Wie sorge ich dafür, dass ein ganzes Bürogebäude mit Strom und Wärme versorgt ist? Was muss ich bei der gebäudetechnischen Gestaltung eines Bahnhofs oder einer Schule berücksichtigen? Fragen, mit denen sich die Studierenden des dualen Bachelorstudiengangs Gebäudetechnik (B. Eng.) an der Fachhochschule Münster auseinandersetzen.

In den Vorlesungen, Seminaren und Übungen lernen die angehenden Ingenieur*innen alles, was sie zur technischen Gebäudeausrüstung wissen müssen, um Gebäude sicher und komfortabel auszustatten. Besonders praktisch: Der Studiengang ist nicht nur für dual Studierende zugänglich, sondern auch für das klassische Vollzeitstudium. Die Lehrveranstaltungen sind für alle Studierenden gleich, nur in den praktischen Anwendungen gibt es Unterschiede.

Im Studium werden viele wichtige Themen beleuchtet, wie beispielsweise die Versorgung durch erneuerbare Energien oder die Trinkwasserhygiene. Für uns ist es normal, dass wir sauberes Trinkwasser haben und das sollte auch normal bleiben. Darum müssen wir uns kümmern.

Johannes Mimberg
Student Gebäudetechnik

Ausbildung als technisches Fundament

Zu den dual Studierenden gehört auch Johannes Mimberg. Der 24-Jährige studiert im fünften Semester Gebäudetechnik an der FH Münster. Sein Berufsweg setzt jedoch schon einige Jahre früher ein. Als in der Schule das Thema Berufsorientierung aufkam, war Johannes erst einmal planlos.

Da ihm die Fächer Mathe, Physik und Chemie gut lagen, suchte er sich ein Praktikum, das dazu passt. Fündig wurde er bei der Firma GEBRO Herwig Haustechnik GmbH in Arnsberg, Sauerland. Eine Firma, die in der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) tätig ist.

Während des Praktikums bekam Johannes schon viel von den verschiedenen Arbeitsbereichen mit und merkte: Das möchte er beruflich machen. Deshalb entschied er sich nach bestandenem Abitur für die Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik beim gleichen Unternehmen, bei dem er schon sein Praktikum absolviert hatte. Das Besondere: GEBRO Herwig Haustechnik kommt eigentlich aus dem Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärgewerk. 

Ich habe meine Stärken und Schwächen abgewogen und geguckt, was dazu passen könnte. In den Naturwissenschaften war ich immer gut, die sprachlichen Fächer lagen mir weniger. Daher war ein Praktikum im technischen Bereich genau das Richtige.

Johannes Mimberg
Student Gebäudetechnik

Während des Praktikums bekam Johannes schon viel von den verschiedenen Arbeitsbereichen mit und merkte: Das möchte er beruflich machen. Deshalb entschied er sich nach bestandenem Abitur für die Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik beim gleichen Unternehmen, bei dem er schon sein Praktikum absolviert hatte. Das Besondere: GEBRO Herwig Haustechnik kommt eigentlich aus dem Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärgewerk.

Wie passt das mit der Elektrotechnik zusammen? Ganz einfach: „Während meiner Ausbildung lag der Fokus im Betrieb nicht auf der klassischen Hauselektrik, also Steckdosen setzen und Verteilungen installieren. Das habe ich in der Berufsschule gelernt. Im Betrieb habe ich mich vor allem mit der Regelungstechnik für Heizungen, Lüftungen und Kältemaschinen beschäftigt“, erklärt Johannes. Typische Fragen, mit denen er sich in der technischen Gebäudeausrüstung auseinandergesetzt hat, waren zum Beispiel, wie eine Wärmepumpe gesteuert wird, welche Fühler benötigt oder wo Brandschutzklappen gebraucht werden.

Johannes’ Aufgabe war unter anderem das Verlegen der Kabel für die Stromversorgung von Lüftungsanlagen oder das Anbringen der Beleuchtung in Büroräumen und das Inbetriebnehmen von Geräten. „Es gab auch Bauvorhaben, da habe ich klassische Aufgaben der Elektroinstallation übernommen. Steckdosen eingebaut, Leuchten angebracht oder Grundschaltungen installiert. Für mich sehr praktisch, um die gesamte TGA zu verstehen“, fasst der 24-Jährige zusammen.

Parallel zu den Praxistagen im Ausbildungsbetrieb hat Johannes an zwei Tagen pro Woche die Berufsschule besucht. Da er die Schule mit dem Abitur abgeschlossen und von Anfang an gute Leistungen in der Ausbildung gezeigt hat, konnte er die Ausbildung von dreieinhalb Jahren auf zweieinhalb Jahre verkürzen. „Im ersten Ausbildungsjahr bin ich zum Frühjahr in das zweite Ausbildungsjahr gewechselt und habe dann dort den Unterricht mitgemacht“, erzählt Johannes. Zusätzlich zu den Unterrichtseinheiten in der Berufsschule gab es im überbetrieblichen Ausbildungszentrum verschiedene Lehrgänge vom Metallgrundkurs über Informationssysteme bis hin zur Installation von Schaltschränken.

Berufesteckbrief

Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik

Mehr über die Aufgaben, das Gehalt und die Weiterbildungsmöglichkeiten erfährst du im Steckbrief zur Ausbildung als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik.

Mann mit blauem Helm und orangener Warnweste prüft Anlage

Nächste Ausbaustufe: Duales Studium Gebäudetechnik

Als Johannes im Januar 2023 die Ausbildung erfolgreich abschließt, ist ihm längst klar, dass er noch ein Studium beginnen möchte. Dass aus dem Studium ein duales Studium wird, beschreibt Johannes als glücklichen Zufall: „Ich bin immer davon ausgegangen, dass ich meinen Gesellenbrief fertigmache, bis zum Studienstart im Betrieb bleibe und dann in Vollzeit studiere.“ Seine eigenen Abschlussleistungen kommen ihm bei dieser Umsetzung im positiven Sinne in die Quere.

Denn Johannes schließt die Ausbildung als Innungsbester ab und die Firma Oventrop GmbH & Co. KG, ein Hersteller von Produkten für effizientes Wärmen, Kühlen und sauberes Trinkwasser, wird auf den heutigen dualen Studenten aufmerksam und bieten ihm einen dualen Studienplatz an: „Die Firma hat jemanden für den technischen Service gesucht, der sich thematisch mit den verschiedenen Gewerken auskennt. Das passte sehr gut mit meinen bisherigen Erfahrungen aus der Ausbildung zusammen und knüpft sehr gut an mein Studium an“, erzählt Johannes.

Bei der Firma Oventrop ist Johannes auch im Außendienst unterwegs. Foto: Johannes Mimberg

Um erste Berufserfahrung zu sammeln, arbeitet Johannes bis zum Studienstart im Herbst schon einmal bei der Firma Oventrop. Im technischen Service bearbeitet er Kundenanfragen zu Produkten oder ganzen Projekten. Gelegentlich ist er im Außendienst unterwegs, um Anlagen in Betrieb zu nehmen oder Störungen zu beseitigen. Gerade bei großen Installationen führt ihn der Weg quer durch Deutschland – eben überall dorthin, wo Anlagen und Bauteile der Firma montiert werden.

Neben diesen Tätigkeiten hat der heutige Student auch in der Abteilung digitale Geschäftsentwicklung mitgearbeitet. Dort werden auf strategischer Ebene neue Geschäftsmodelle entwickelt, beispielsweise Cloud-Modelle, um den Kunden wegweisende modulare Systeme und Services anbieten zu können.

Mir hat es sehr geholfen, die Zeit bis zum Studienstart im Betrieb zu arbeiten. So konnte ich schon einmal Einblicke in den Beruf bekommen, meine Kolleg*innen kennenlernen und mich natürlich auch mit den Produkten vertraut machen. Das war echt ein praktischer Einblick.

Johannes Mimberg
Student Gebäudetechnik

Theoriephase: Systeme ganzheitlich verstehen

Im Herbst 2023 begann für Johannes das Studium an der FH Münster am Standort in Steinfurt. Auch wenn er sich für die kooperative Studienform entschieden hat, macht das für den Aufbau des Studiums keinen großen Unterschied. Einzige Ausnahme sind die vorlesungsfreien Zeiten. In diesen Phasen arbeitet Johannes fest bei seinem Praxispartner. 

Zusätzlich gibt es für alle kooperativ Studierenden sogenannte Praxisintegrationsmodule, in denen sie eine Projektarbeit zu einem Thema schreiben, welches sie mit ihren Praxispartnern abstimmen. Insgesamt muss Johannes über drei Semester verteilt drei Projektarbeiten zu verschiedenen Themen schreiben. Studierende ohne Kooperationspartner absolvieren im siebten Semester ihr Praxissemester.

Wie in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen üblich, lernen die Studierenden in den ersten drei Fachsemestern zunächst die Grundlagen in Mathe, Physik, Werkstoffkunde und etwas fachspezifischer Elektro-, Strömungs- und Regelungstechnik sowie Thermodynamik. Noch fachlich konkreter wird es mit den Modulen in Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärtechnik, Gebäudeautomation und Smart Building Engineering. In den höheren Semestern kommen noch einige Wahlpflichtmodule hinzu, um eigene Schwerpunkte zu setzen.

In den ersten beiden Semestern finden die Lehrveranstaltungen für alle Studierenden statt, die am Standort Steinfurt im Fachbereich „Energie Gebäude Umwelt“ studieren. Neben Johannes’ Studiengang gehört da auch der Studiengang Energie- und Umwelttechnik dazu. Zusätzlich zu den theoretischen Lehrveranstaltungen gibt es praktische Übungen im Labor: „Die Aufgaben im Labor sind ganz unterschiedlich. Meist geht es aber darum, dass wir Werte bestimmen müssen, beispielsweise den Rohrreibungsdruckverlust“, verdeutlicht der Student.

Der Praxisanteil ist an der FH erwartungsgemäß sehr hoch. Wir können uns das Wissen viel besser aneignen und speichern, wenn wir nicht nur darüber sprechen, sondern selbst ausprobieren.

Johannes Mimberg
Student Gebäudetechnik

Für den Blick über den Tellerrand sorgen Exkursionen zu verschiedenen Unternehmen in ganz Deutschland, um weitere Erfahrungen zu sammeln, Praxiseinblicke zu erhalten und vielleicht auch schon mal den ein oder anderen beruflichen Kontakt zu knüpfen. Je nach Exkursionsart gibt es neben den Betriebsbesichtigungen Fachvorträge, die sich die Studierenden anhören können oder auch eigene Aufgaben, die es zu lösen gilt.

Ein Aspekt, der für Johannes im Studium manchmal hilfreich ist, ist die abgeschlossene Ausbildung: „Ich habe einige Kommiliton*innen, die ebenfalls vorher eine technische Ausbildung gemacht haben und uns fallen manche technischen Fächer etwas leichter. Dagegen hatten diejenigen bei den Grundlagenfächern einen Vorteil, die frisch aus der Schule kamen und Mathe und Physik noch auf dem Schirm hatten.“

Duales Studium

Energie- und Gebäudetechnik

Alle Infos über das Studium, die Aufgaben, Voraussetzungen, Gehalt und Weiterbildungsmöglichkeiten findest du im Steckbrief zum dualen Studium Energie- und Gebäudetechnik.

Technik, Kultur und neue Blickwinkel

Im Betrieb hat Johannes einen festen Ansprechpartner, an den er sich immer wenden kann und der auch die Praxisphasen des Studenten koordiniert. Denn mit dem Studienstart haben sich auch Johannes’ Aufgaben bei der Firma Oventrop verändert. 

In den ersten Praxisphasen hat der Student hauptsächlich in der Abteilung Smart Building mitgearbeitet: „Die Abteilung kannte ich aus meinem Praktikum, das passte ganz gut. So konnte ich schnell mitarbeiten und hatte keine Anlaufschwierigkeiten. Außerdem hatte ich so mit allen Abteilungen mal zu tun, denn meine Aufgabe war die Unterstützung bei der Vernetzung von Produkten aus den verschiedenen Gewerken“, berichtet er.

Eine besondere Praxisphase für den Studenten war die vor dem fünften Semester, denn diese hat Johannes in China verbracht. Er erzählt: „Die Firma hat in China eine Niederlassung und dort habe ich einen Monat in der Verwaltung mitgearbeitet und Produkte von Lieferanten daraufhin getestet, ob diese mit unseren Produkten zusammenpassen.“ Eine großartige Gelegenheit, die sich der Student nicht entgehen lassen konnte. Unterstützung hat Johannes von dem deutschen Geschäftsführer des Werks in China bekommen, der sich um ihn gekümmert und ihm auch an den Wochenenden die Gegend gezeigt hat.

Die Zeit in China war ein toller Einblick in eine andere Arbeitsmentalität und Kultur. Das werde ich nie vergessen.

Johannes Mimberg
Student Gebäudetechnik

Auf den Studenten hat der Blick auf die internationale Produktion spürbar Eindruck gemacht, besonders überrascht hat ihn die Arbeitsmentalität und die Herstellungsverfahren der chinesischen Kolleg*innen. Johannes war der erste Student, der nach China reisen durfte, er hofft aber, dass er nicht der letzte sein wird: „Zurück in Deutschland habe ich bei uns in der Firma angebracht, was das für eine tolle Chance war und dass es auch für die nächsten Jahrgänge eine sinnvolle Sache ist.“

Wie es für Johannes nach dem Bachelorabschluss weitergeht, hält er sich noch offen. Sicher ist, dass er noch einen Master machen möchte. Beruflich stehen ihm in jedem Fall viele Türen offen.

Short Facts

Gebäudetechnik – Smart Building Engineering (B. Eng.)

Abschluss: Bachelor of Engineering (B. Eng.)

Studienbeginn: zum Wintersemester

Regelstudienzeit: 7 Semester 

Studienform: Vollzeit; optional als duales Studium

Studienstandort: Steinfurt

Voraussetzung: (Fach-)Abitur oder Berufsqualifikation

Zulassungsbeschränkung: zulassungsfrei


Bei Fragen zum Studiengang

Zentrale Studienberatung
studienberatung@fh-muenster.de

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