Schöne neue (Arbeits-)Welt

Neue Arbeitsformen fordern angepasste DVGW-Bildungsangebote im nicht-technischen Bereich

Mit Beginn der Corona-Pandemie hat sich unsere Arbeitswelt rasant verändert: New Work, Agilität und neue digitale Technologien sind die Schlagworte dieser Zeit und bringen neue Herausforderungen für Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Anbieter von Bildungsangeboten mit sich.
Die Redaktion der „DVGW energie | wasser-praxis“ hat vor diesem Hintergrund mit Thorsten Sohlmann, dem Leiter des Personalbereiches der Stadtwerke Essen AG und Obmann des DVGW-Arbeitskreises „Überfachliche Weiterbildung“, über Trends und Perspektiven in der Weiterbildung gesprochen.

Foto: Marvin Meyer  / Unsplash

Redaktion: Herr Sohlmann, wie hat die Pandemie die
Arbeitsprozesse bei den Energieversorgern verändert?

Thorsten Sohlmann: Die Corona-Pandemie hat die ganze Arbeitswelt verändert und sie im Grunde zu einem Reallabor gemacht, in dem z. B. die
Arbeit von zu Hause, die Führung auf Distanz und Videokonferenzen die Regel und nicht mehr die Ausnahme sind. Weiterhin ist klar zu erkennen, dass sich der Trend zur Digitalisierung nochmals beschleunigt hat. Doch viele langfristige Auswirkungen für die Unternehmen sind heute noch nicht absehbar und die neue Arbeitswelt ist voller Gegensätze.

Nicht-technische Themen der DVGW Beruflichen Bildung

Die DVGW Berufliche Bildung bietet in Ergänzung zu ihren fachlich-technischen Angeboten auch eine Vielzahl an „nicht-technischen Maßnahmen“ an. Diese vermitteln methodische, persönliche und soziale Kompetenzen, um auf die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt vorzubereiten. Weitere Informationen zu diesem Angebot finden Sie unter: www.dvgwveranstaltungen.de/ntt

Redaktion: Welche sind dies aus Ihrer Sicht?

Sohlmann: Einerseits reisen wir viel weniger, unser Bewegungsradius ist dadurch kleiner und wir kommunizieren weniger persönlich. Andererseits
ermöglichen Videotelefonate eine schnelle und kostengünstige Kontaktaufnahme, in der räumliche Distanzen keine Rolle mehr spielen.

Redaktion: Inwiefern hat dies alles Einfluss auf die Weiterbildungsangebote in Unternehmen genommen?

Sohlmann: Zunächst einmal wurden in der Pandemie viele geplante Weiterbildungsmaßnahmen ausgesetzt oder verschoben und vielfach wurden
nur Maßnahmen durchgeführt, die für die Aufrechterhaltung des Betriebes zwingend notwendig waren. Das führt nun aber zu der Situation, dass ein Stau an geplanten und durch die Pandemie verschobenen Bildungsmaßnahmen in den Unternehmen aufgelaufen ist. Es gibt nun also Themen, die angegangen werden müssen.

Zur Person

Thorsten Sohlmann ist seit 2021 Obmann des DVGW-Arbeitskreises „Überfachliche Weiterbildung“ und Leiter des Personalbereiches bei der Stadtwerke Essen AG. Diese haben sich in 150 Jahren Unternehmensgeschichte vom Gas- und Wasserversoger zum heutigen Energieversorger der Stadt Essen entwickelt. In seiner Funktion ist Thorsten Sohlmann heute für mehr als 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich.

Quelle: Stadtwerke Essen AG

Redaktion: Welche Weiterbildungsthemen wurden verschoben?

Sohlmann: Beispielsweise Maßnahmen zu Führung und Kommunikation im Unternehmen – also gerade die Themen, die als Folge des Trends zum Arbeiten und Führen auf Distanz besonders im Fokus stehen werden. Der Austausch zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden sowie zwischen den Mitarbeitenden untereinander muss trotz Distanz reibungslos funktionieren,
damit keine Probleme oder Spannungen aufkommen, auch wenn man sich weniger persönlich spricht und sieht.

Redaktion: Inwiefern haben sich auch die Anforderungen an die Bildungsangebote verändert?

Sohlmann: Wenn Reisen nicht möglich oder vom Unternehmen nicht gewünscht sind, stehen ganz klar digitale Lernformate im Fokus. Ich fand es
beispielsweise sehr gut, dass der DVGW so schnell auf die veränderten Anforderungen der Pandemie reagiert hat und rasch Möglichkeiten anbieten konnte, bei denen Schulungen, die eigentlich als Präsenzformat geplant waren, online durchgeführt wurden. Als Obmann des Arbeitskreises
„Fachübergreifende Weiterbildung im DVGW“ weiß ich zudem, dass im Programm 2023 mehr Schulungen als Live-Online-Formate geplant werden als bisher. Teilweise werden hierfür auch Schulungskonzepte angepasst.

Redaktion: Wann halten Sie denn persönlich Online-Schulungen für sinnvoll?

Sohlmann: Zunächst einmal sind Online-Schulungen zwar für viele Mitarbeitende attraktiv – aber bei Weitem nicht für jeden. Es gibt durchaus unterschiedliche Lernpräferenzen. Grundsätzlich sind aber viele Themenbereiche sehr gut auch online darstellbar, vor allem, wenn grundlegendes Fachwissen vermittelt wird. In der Zukunft möchte die DVGW Berufliche Bildung auch bei den nicht-technischen Angeboten verstärkt unterschiedliche Lernpräfenzen berücksichtigen. Hierfür werden ab 2023 ausgewählte Kurse sowohl als Online- wie auch als Präsenz-Format angeboten.

Redaktion: Und wann würden Sie reine Präsenz-Schulungen grundsätzlich bevorzugen?

Sohlmann: Immer dann, wenn es um Verhaltensänderungen
geht, sollten Schulungen in Präsenz angeboten werden. Grundsätzlich sind aber auch sogenannte Blended Learnings vorstellbar, also eine Kombination aus Online- und Präsenzphasen. Auch hier arbeitet die DVGW Berufliche
Bildung an Schulungskonzepten für 2023, um das Angebot für die Branche noch attraktiver zu gestalten und den Mitgliedern innovative und attraktive Schulungsformate anbieten zu können.

Redaktion: Herr Sohlmann, vielen Dank für das Gespräch!

DVGW-Arbeitskreis „Überfachliche Weiterbildung“

Der DVGW-Arbeitskreis beschäftigt sich mit relevanten Bildungsthemen aus dem nicht-technischen
Bereich und lebt von der Expertise seiner Mitglieder, die z. B. aus den Bereichen Personal sowie Aus- und Weiterbildung von Versorgungsunternehmen kommen. Möchten auch Sie mit Ihrer Expertise das nicht-technische Programm der DVGW Beruflichen Bildung mitgestalten? Dann sprechen Sie uns gerne an:

Kontakt:
Thomas Bender
DVGW Berufliche Bildung
Tel.: 0228 9188-606
E-Mail: thomas.bender@dvgw.de