Perfect Match: Theo hat im Spezialtiefbau seine Berufung gefunden

Theo Koch hat sich für die Ausbildung zum Spezialtiefbauer entschieden. Foto: privat

Riesige Bohrgeräte, tonnenschwere Maschinen und Baustellen in ganz Deutschland: Theo Koch hat mit der Ausbildung zum Spezialtiefbauer bei der G+K Spezialtiefbau und Umwelttechnik GmbH seinen Traumberuf gefunden. Dabei sah sein Weg zunächst ganz anders aus. Nach einem Ausflug in die Welt der Mechatronik zog es ihn tief unter die Erde.

Schon als Kind in Hamburg faszinierten Theo die gewaltigen Maschinen am Elbtunnel. „Man fährt am Elbtunnel vorbei und sieht den Bagger immer mit einem riesigen Mast. Und da war ich natürlich auch interessiert, es war immer ein Kindheitstraum von mir, mal Bagger zu fahren“, erinnert sich der 22-Jährige. Doch bevor dieser Traum in Erfüllung gehen sollte, schlug er einen anderen Weg ein: Er begann eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker bei einem Autohändler.

Doch die Werkstatt wurde Theo schnell zu eng. „Man ist immer am selben Ort und macht gefühlt immer das Gleiche. Das hat mir auf Dauer nicht gefallen“, erklärt der Azubi den Wechsel. Im Spezialtiefbau hingegen sieht jeder Tag anders aus: „Der Baugrund erfordert verschiedene Verfahren und die Lösung ist nicht immer von Anfang an absehbar.“ 

Hinzu kommt, dass der Spezialtiefbau ein typischer Montageberuf ist. Für Theo ist genau das ein Pluspunkt. Er war schon in Berlin, Hannover und Hessen auf Montage. In der Regel sind die Einsätze in Dekaden eingeteilt. Das heißt, es wird 10 Tage am Stück gearbeitet und anschließend folgen vier freie Tage, bevor der nächste Abschnitt beginnt. Das gute Gehalt spielt ebenfalls eine Rolle, denn durch den zusätzlichen Aufwand bei auswärtigen Einsätzen kommen neben der Auslöse oft noch Zulagen hinzu.

Als Auszubildender im Spezialtiefbau ist Theo regelmäßig auf Montage. Foto: privat

Dass sich die Montageeinsätze nicht nur auf den deutschen Raum beschränken, zeigen die Beispiele von Brunnenbauermeister David Urban-Werner, der als Ausbilder im BAU ABC in Rostrup tätig ist: „Ich habe schon Azubis erlebt, die in Amsterdam, Norwegen oder sogar auf La Réunion gearbeitet haben. Das sind in der Regel größere Firmen, die im europäischen oder internationalen Raum aktiv sind und solche Aufträge annehmen.“  

Für Theo ist die Arbeit in einem kleineren Betrieb genau das Richtige. So lernt er alle Aufgabenbereiche kennen und wird stärker in die Arbeiten miteingebunden.

Mir gefällt an meinem Ausbildungsbetrieb, dass ich nicht nur irgendeine Nummer bin, sondern wirklich auch als Mensch gesehen werde und sich meine Kollegen auf mich verlassen.

Theo Koch
Auszubildender zum Spezialtiefbauer

Von Hamburg bis Hessen: der Alltag auf Montage

Aber zurück auf Anfang: Was macht eigentlich ein Spezialtiefbauer? „Wenn man sich eine typische Baustelle vorstellt, denkt man immer, man müsse jetzt eine Runde schaufeln. Das ist bei uns anders. Die meisten unserer Bauteile und Materialien sind so schwer, dass wir diese mit Radlader und Minibagger befördern. Die Hauptaufgabe eines Spezialtiefbauers ist dann abhängig vom Berufsfeld“, ordnet Theo ein. Der Azubi arbeitet in der Baugrubensicherung und Fundamentherstellung.

Er misst für den Maschinisten die exakten Tiefen ein, überwacht beim Betonieren die Konsistenz des Materials und stellt sicher, dass Bewehrungskörbe – das sind Stahlgerüste für die Stabilität – korrekt im Bohrloch sitzen. Dabei ist die Kommunikation mit dem Maschinisten entscheidend, damit alles glatt geht. 

Manchmal treffen Spezialtiefbauer im Boden auf ungeahnte Hindernisse wie alte Holzfundamente, die das Bohren über Stunden blockieren können, dann ist Köpfchen gefragt. „Es geht in meinem Beruf viel um Physik, es geht um Neigung und Waagehalten. Klingt komplizierter als es ist, weil man auf der Baustelle natürlich auch sieht, womit man arbeitet und die Zusammenhänge verständlicher werden“, erklärt der 22-Jährige.

Im Spezialtiefbau kommt es auf jeden Millimeter an. Foto: privat

Der Arbeitstag beginnt in der Regel früh mit einem Kaffee im Baucontainer, um die Tagesziele zu besprechen. Bei neuen Aufträgen wird am ersten Tag die Baustelle eingerichtet, und zwar so, dass es für alle Arbeitsabläufe auf der Baustelle sinnvoll und effizient ist. Wenn alles organisiert ist, geht es um einzelne Arbeitsschritte: „Man lernt schnell, wie technische Pläne zu lesen sind, damit die richtigen Geräte und Materialien vorbereitet werden“, verrät Theo. 

Während des ersten Ausbildungsjahres hat der Azubi mit verschiedenen Maschinisten auf den Baustellen zusammengearbeitet, um unterschiedliche Routinen und Arbeitsweisen kennenzulernen. Jetzt im zweiten Ausbildungsjahr ist Theo fest in einer Kolonne und als Springer im Einsatz, wenn auf einer anderen Baustelle noch Leute benötigt werden.

Mir gefällt an meiner Ausbildung, dass ich viel unterwegs bin und meine Nische finden kann. Ich arbeite gern mit anderen und bin froh, dass ich mit tollen Kollegen zusammenarbeite. Gleichzeitig wird meine Eigenständigkeit gefordert und gefördert. Das macht für mich den Spezialtiefbau aus.

Theo Koch
Auszubildender zum Spezialtiefbauer

Praxis im BAU ABC vertiefen

Ein besonderes Highlight der Ausbildung ist die Zeit im überbetrieblichen Ausbildungszentrum BAU ABC in Rostrup. Da die rund 60 Azubis aus ganz Deutschland anreisen, wohnen die meisten gemeinsam im angeschlossenen Internat auf dem Gelände. „Es fühlt sich manchmal wie eine große Klassenfahrt an“, so der 22-Jährige. Denn nach Feierabend warten auf die Auszubildenden verschiedene Freizeitmöglichkeiten: Von Fußball und Billard über Kanufahren bis hin zu einem kompletten Fitnessraum, einer Sauna und sogar Box-Training ist alles dabei. Wer Ruhe sucht, findet sie bei Spaziergängen im Kurort Bad Zwischenahn am Meer.

Luftbild BAU ABC Rostrup

Im überbetrieblichen Ausbildungszentrum kommen Azubis aus den verschiedenen Gewerken des Bauwesens zusammen. Foto: BAU ABC Bad Zwischenahn

Im ersten Lehrjahr schnuppert man in verschiedene Gewerke hinein, vom Mauerwerksbau über den Rohrleitungsbau bis hin zum Betonbau. Das hilft, die Arbeit der Kollegen auf der Baustelle besser zu verstehen. In der Berufsschule stehen Lernfelder wie Baugrunderkundung auf dem Plan, wo man lernt, Böden und Gesteine zu unterscheiden – etwa den Unterschied zwischen Sand und Kies anhand der Korngröße.

Später wird es technischer: Bohrtechnik (Trocken- und Spülbohrverfahren), Gerätetechnik und Wasserhaltung sind zentrale Themen. Theo erklärt die Lernkurve so: „Man kann das beschreiben wie vom Dreibock zum Bohrgerät“. Im ersten Lehrjahr lernen die Azubis die physikalischen Grundlagen noch manuell beim „Dreibockbohren“, um ein Gefühl für die Kräfte zu bekommen, die ein modernes Bohrgerät später aufbringt.

Die Ausbildung zum Spezialtiefbauer ist nach dem sogenannten „Y-Modell“ aufgebaut: In den ersten beiden Jahren werden die Grundlagen des Tiefbaus vermittelt, bevor im dritten Jahr die reine Spezialisierung zum Spezialtiefbauer erfolgt.

Ratgeber

Ab auf die Baustelle: Einblick in das BAU ABC in Rostrup

Ausbilder David Urban-Werner verrät im Interview, wie die Ausbildung für Spezialtiefbauer im BAU ABC aussieht und was die Ausbildung dort ausmacht.

Luftbild BAU ABC Rostrup

Ausblick: Zwei Abschlüsse in vier Jahren?

Wie geht es nach der Ausbildung weiter? Der 22-Jährige hat ehrgeizige Pläne: Er möchte seine Ausbildung verkürzen. Dafür ist ein Notendurchschnitt von unter 2,5 in der Berufsschule und das Einverständnis des Betriebs nötig. Sein Ziel ist es, nach dem Abschluss noch ein Jahr Brunnenbau dranzuhängen.

Ausbilder David Urban-Werner erklärt dieses Modell: „Innerhalb von vier Jahren hat man hier die Möglichkeit, zwei vollwertige Berufsabschlüsse zu machen – den Spezialtiefbauer und den Brunnenbauer.“ Da sich die Berufe in vielen Bereichen überschneiden, ist dieser Weg bei Azubis und Firmen gleichermaßen beliebt. Einziger Haken: Für die Ausbildung zum Brunnenbauer muss Theo den Ausbildungsbetrieb wechseln. Er kann aber auf die Unterstützung im BAU ABC zählen, um einen passenden Betrieb zu finden.

Für alle, die sich für den Beruf interessieren, hat Theo einen klaren Rat: „Man sollte Mathe nicht komplett verachten und vor allem aufgeschlossen für Neues sein. Wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und gerne im Team arbeitet, findet im Spezialtiefbau einen tollen Job.“

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