Dass Andreas nach seinem Master im Maschinenbau in der Energiewirtschaft landet, damit hat er nicht gerechnet. Doch er hat die Chance genutzt und arbeitet nun als Fachreferent für Rohrnetze in der Querverbundleitstelle bei der RheinNetz GmbH. In seiner Freizeit engagiert sich Andreas ehrenamtlich im Jungen DVGW und kümmert sich darum, den Fachaustausch zu fördern.
„Bei uns in der Leitstelle passiert jeden Tag was anderes. Das macht meinen Beruf so abwechslungsreich.“ So beschreibt Andreas Rhein seinen Arbeitsalltag bei der RheinNetz GmbH. Der 33-Jährige ist seit vier Jahren bei dem Kölner Unternehmen tätig und arbeitet in der Querverbundleitstelle, um das Gas-, Wasser- und Fernwärmenetz im Versorgungsgebiet zu überwachen und zu steuern.
Infos zum Bachelor- und Masterstudiengang Maschinenbau sowie eine Übersicht der Hochschulen, die den Studiengang anbieten, findest du hier.
Den Weg in die Leistelle beschreibt Andreas als Zufall, denn die Energiewirtschaft hatte er während des Studiums nicht unbedingt als potenziellen Arbeitgeber auf dem Schirm. Aber zurück zum Anfang: Nach dem Abitur entscheidet sich Andreas für den Studiengang Maschinenbau an der RWTH Aachen. Der Grund ist ganz einfach: „Ich war schon immer technikaffin und habe mich für solche Dinge interessiert. Der endgültige Auslöser war dann mein Cousin, der bereits in Aachen Maschinenbau studiert hat“, erklärt der 33-Jährige.
An der Uni angekommen, merkt Andreas schnell, dass es das Maschinenbau-Studium ganz schön in sich hat. Gerade in den ersten Semestern ist das Studium sehr theorielastig und besteht hauptsächlich aus verschiedenen Grundlagenmodulen zu Mathe, Physik und Chemie. Zum Glück wechseln sich diese Module mit fachspezifischen Lehrveranstaltungen wie Thermodynamik, Mechanik und natürlich Maschinenbau ab. Die Mischung ist nicht für jeden was: „In den ersten Semestern wird ordentlich ausgesiebt. Am Anfang waren wir bestimmt über 1.800 Studierende in den Vorlesungen. Diese Zahl hat sich dann sehr schnell dezimiert“, erinnert sich Andreas.
Das Maschinenbaustudium an der RWTH ist relativ knackig, aber es hat mir auch unglaublich viel gebracht. Weit über das Inhaltliche hinaus. Ich habe durch das Studium gelernt, den Fokus zu behalten und nicht zu schnell aufzugeben.
Andreas Rhein
Fachreferent für Rohrnetze bei der RheinNetz GmbH
Mit dem Beginn des vierten Semesters entscheidet sich Andreas für die Vertiefung Energietechnik. Auch wenn es schon nach Energiewirtschaft klingt, ging es mehr um klassische Maschinenbauthemen, die auch in anderen Branchen Anwendung finden. Dazu gehörten Module zu Verbrennungsmotoren, Turbomaschinen und Energiesystemtechnik. Als Studiengang an einer klassischen Universität fehlt Andreas für sich persönlich die praktische Umsetzung der Themen.
Um einen Ausgleich zu schaffen, arbeitet er ab dem vierten Semester bis zum Ende des Masterstudiums am Institut für fluidtechnische Antriebe und Systeme (IFAS) als studentische Hilfskraft. Dort beschäftigte sich Andreas mit Themen wie Hydraulik und Pneumatik und betreute einen Ventilprüfstand.
„Die Zeit als Hiwi war für mich sehr wichtig. Dort hatte ich die Gelegenheit, praktische Aufgaben zu machen und auch mal wirklich mit den Händen zu arbeiten. Das hat mir in den Lehrveranstaltungen gefehlt“, erklärt Andreas und genau deshalb kann er anderen auch nur raten, Praktika oder solche Angebote mitzumachen, um neben der Theorie auch die Praxis kennenlernen zu können. Eine Ausnahme im theorielastigen Studium bildete das verpflichtende Fachpraktikum, welches Andreas im Forschungs- und Entwicklungszentrum der Firma Bosch in Stuttgart verbracht hat.
Wer praxisnah studieren möchte, der ist vielleicht besser an einer Hochschule aufgehoben und andersherum bietet eine Uni die besseren Voraussetzungen für alle, die später in der Forschung oder Lehre arbeiten möchten. Das hängt ganz von persönlichen Interessen und Möglichkeiten ab.
Andreas Rhein
Fachreferent für Rohrnetze bei der RheinNetz GmbH
Nach dem Bachelor entscheidet sich Andreas dazu, auch den Masterstudiengang Maschinenbau an der RWTH zu studieren. Im Master belegt er die Vertiefungsrichtung Allgemeiner Maschinenbau, um sich die beruflichen Möglichkeiten offen zu halten. „Ich habe meine Fächer teilweise sehr wild zusammengewählt. Ich habe das belegt, was für mich spannend und cool klang. Das hat sehr gut funktioniert“, schmunzelt Andreas.
Zu den Modulen gehörten beispielweise numerische Strömungsmechanik, Grundlagen des Patent- und Gebrauchsmusterrechts oder Simulations- und Fluidtechnik. Den Master empfindet Andreas als deutlich einfacher als das Bachelorstudium und genießt diesen Abschluss seines Studiums in Aachen. Rückblickend kann Andreas für sich festhalten: „Ich hatte eine sehr schöne Studienzeit in Aachen. Ich habe eine gute Balance zwischen Studium und Freizeit gefunden.“
Nach seinem Masterabschluss zog es Andreas nach Köln, um dort gemeinsam mit seiner Freundin Fuß zu fassen. Er war sich sicher: Mit einem Abschluss in Maschinenbau finde ich in einer so großen Stadt schnell einen Job. Doch es kam anders: „Ich war etwas ernüchtert, denn Köln ist zwar eine Stadt für Medien und Co., aber nicht so sehr für den klassischen Maschinenbau.“ Nach und nach erweiterte Andreas deshalb seinen Such- und Tätigkeitsradius im Kölner Raum und wurde schließlich auf die Stelle als Fachreferent für Rohrnetze in der Leitstelle bei der RheinNetz GmbH aufmerksam. Auf die Bewerbung folgte schon bald ein Bewerbungsgespräch, das wegen der Corona-Pandemie online stattfand.
Nach dem Gespräch absolvierte Andreas einen Hospitationstag in der Leitstelle, um die Arbeit und die Kolleg*innen vor Ort kennenzulernen. „Der gesamte Bewerbungsprozess war relativ kurz, sodass ich bald darauf schon die Zusage für den Job bekommen habe“, erinnert sich Andreas.
Am Anfang seiner beruflichen Laufbahn bei der RheinNetz GmbH hat sich der 33-Jährige vor allem mit dem Versorgungsnetz auseinandergesetzt und wurde von einem Kollegen in die gesamte Thematik und das System eingeführt. Mit der Zeit ist Andreas so immer mehr in die Themen reingewachsen und hat sich sein Fachwissen aufgebaut, sodass er immer mehr Aufgaben und Tätigkeiten übernehmen konnte.
Ein großes Thema, mit dem er sich befasst hat, war die Gaskrise infolge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Denn durch das Abschalten der Erdgas-Pipelines in der Ostsee reduzierte sich das Gasangebot in Deutschland. „Bei uns im Unternehmen war das ein großes Thema und ich habe mich intensiv mit der Gaskrisenvorsorge befasst. Wir haben mit dem Krisenstab verschiedene Szenarien und Übungen entwickelt und geprobt.“
Heute, vier Jahre später, arbeitet Andreas immer noch in der Leitstelle. Seine Aufgaben haben sich aber etwas verändert: Mittlerweile übernimmt er viele organisatorische Aufgaben, die auch Personalthemen betreffen. Denn in der Leitstelle arbeiten über 60 Personen, damit die Leitstelle rund um die Uhr ausreichend besetzt werden kann.
Neben diesen Themenbeschäftigt sich Andreas auch viel mit fachlichen Themen. Beispielsweise wie Gas-, Wasser- und Fernwärmeanlagen im Leitsystem abgebildet sind und wie diese verständlicher aufbereitet werden können. Ein großes Aufgabengebiet, das Andreas abdeckt und das genau zeigt, wie vielseitig sein Arbeitsalltag ist und dass jeden Tag andere Aufgaben auf ihn warten.
Für Andreas zählt genau das: „Mir ist an meinem Beruf wichtig, dass er mir Spaß macht und ich gern in die Leitstelle komme. Jeder Tag ist anders und ich genieße den Austausch mit meinen Kolleg*innen.“
Für seinen Beruf muss sich Andreas auch mal in luftige Höhen wagen – so wie hier auf dem alten Gasspeicher Ehrenfeld. Foto: RheinNetz GmbH
Bereits während des Studiums wird Andreas auf den DVGW aufmerksam. Aber eher als Literaturangabe in Hausarbeiten oder Fachbüchern. Das ändert sich mit seinem Karrierestart bei der RheinNetz GmbH. Die Berührungspunkte häufen sich und gerade im Rohrnetzmanagement muss er sich mit den entsprechenden Regelwerken auseinandersetzen. Persönlicher wird es, als sein Abteilungsleiter von der Gründung des Jungen DVGW berichtet.
Der Junge DVGW bietet viele Vorteile, aber für mich zählt wirklich am meisten, dass ich mir ein großes berufliches Netzwerk aufbauen kann.
Andreas Rhein
Fachreferent für Rohrnetze bei der RheinNetz GmbH
„Ich bin zu einem Auftakttreffen nach Bonn gefahren und habe an einem zweitägigen Event teilgenommen. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht und seitdem bin ich dabei“, berichtet Andreas. Innerhalb des Jungen DVGW ist er mit für den Fachaustausch der verschiedenen Gewerke zuständig. Für ihn ist entscheidend an der Mitgliedschaft, dass er sich ein großes berufliches Netzwerk aufbauen kann, das weit über die Kölner Grenzen hinausgeht: „Ich bin mittlerweile mit Kolleg*innen aus den verschiedensten Unternehmen vernetzt und kann mich auf kurzem Weg bei ihnen melden, wenn ich mal ein Problem oder eine Frage habe.“
Der Junge DVGW ist die Nachwuchsorganisation des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW) und bietet Angebote für alle Nachwuchs- und Fachkräfte in der Branche unter 36 Jahren. Mitglieder werden in der Ausbildung, beim Studium, während des Berufseinstiegs und in ihrer Karriereentwicklung unterstützt.