Seine Nische finden: Bennett studiert Energie- und Gebäudetechnik dual

Junger und älterer Mann auf einem Campus
Der duale Student Bennett Leon Eggerichs zusammen mit Professor Oliver Büchel auf dem Campus der Ostfalia Hochschule. Foto: Ostfalia / Jaqueline Gebauer

Die Kombination aus Handwerk, Studium und Fachhochschule: Für Bennett Leon Eggerichs erfüllt das Studium der Energie- und Gebäudetechnik im Praxisverbund an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel genau diese Anforderungen. In Kombination mit der Ausbildung zum Anlagenmechaniker SHK erwirbt er hier umfassende fachliche und praktische Kompetenzen, die er für eine spätere Tätigkeit als Versorgungsingenieur braucht.

Für Bennett stand schon früh fest, dass er eine berufliche Karriere im Handwerk anstreben möchte. Gleichzeitig legte er jedoch großen Wert auf eine fundierte theoretische Ausbildung und befürchtete, dass eine reine Berufsausbildung diesen Ansprüchen nicht gerecht werden könnte. Daher suchte er gezielt nach einem Studium mit Praxisbezug. Eine Fachhochschule schien ihm dafür besonders geeignet, denn dort ist der Praxisanteil im Vergleich zu einer Universität in der Regel deutlich höher. Auch die räumliche Nähe zu seiner Heimat spielte eine Rolle, sodass er sich schließlich für das duale Studium an der Ostfalia in Wolfenbüttel entschied.

Offiziell nennt sich das Studium „Energie- und Gebäudetechnik im Praxisverbund“. „Wir dürfen es nicht duales Studium nennen, denn dann müsste die Verzahnung zwischen Praxispartner und Hochschule noch stärker sein“, erklärt Studiengangsleiter Professor Oliver Büchel. Der Austausch zwischen den Betrieben und der Hochschule ist sehr gut, allerdings haben die Unternehmen keinen direkten Einfluss auf das Curriculum an der Ostfalia, wie es bei dualen Studiengängen der Fall wäre. Professor Büchel beschreibt die Kooperation als Win-win-Situation: „Wir an der Hochschule haben einen Blick in die Unternehmen und kennen das marktaktuelle Geschehen und die Studierenden behandeln in ihren Projekt- und Abschlussarbeiten praxisorientierte Themen, die tatsächlich benötigt werden und nicht in irgendeiner Schublade landen.“

Duales Studium

Energie- und Gebäudetechnik

Alle Infos über das Studium, die Aufgaben, Voraussetzungen, Gehalt und Weiterbildungsmöglichkeiten findest du im Steckbrief zum dualen Studium Energie- und Gebäudetechnik.

An der Ostfalia absolvieren die Studierenden im Praxisverbund das reguläre Studium der Energie- und Gebäudetechnik gemeinsam mit den Vollzeitstudierenden. Während der Semesterferien verbringen sie ihre Zeit beim Praxispartner und machen dort ihre Berufsausbildung. Das 3. und 4. Semester sind als Praxisjahr im Unternehmen organisiert, eine weitere Praxisphase gibt es vor und nach dem 6. Studiensemester. Insgesamt dauert das Studium im Praxisverbund neun Semester. „Die Studierenden müssen auf mindestens 1,4 Praxisjahre kommen, damit der Ausbildungsberuf angerechnet wird“, erläutert Prof. Büchel.

Theoretisch bilden

Am Anfang des Studiums stehen die ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen im Mittelpunkt. Mathematik und Physik bilden die Basis und werden ergänzt durch Inhalte aus Chemie und Biologie. Ab dem dritten Fachsemester folgen die zentralen Themen der Energie- und Gebäudetechnik wie zum Beispiel Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik. In den höheren Semestern können die Studierenden Wahlfächer belegen, die sich auch außerhalb der Energie- und Gebäudetechnik bewegen dürfen.

Neben Vorlesungen und Tutorien gibt es ab dem dritten Fachsemester sogenannte Labore, die den Praxisbezug der theoretischen Inhalte verstärken. Auch in den Vorlesungen selbst findet nicht nur trockener Frontalunterricht statt: Aufgelockert wird die Theorie mit Beispielen und Rechenaufgaben. „Manchmal ist es etwas schwer, sich die Dinge vorzustellen. Da helfen die Labore sehr“, erzählt Bennett.

Die Energie- und Gebäudetechnik ist sehr vielfältig. Die Dozierenden kommen aus der Elektrotechnik, dem Bauingenieurwesen, dem Maschinenbau sowie aus den Naturwissenschaften und der Architektur. „Denn in der Energie- und Gebäudetechnik kommt das alles zusammen. Das Fach ist sehr interdisziplinär und wir Lehrenden bauen in unseren Fächern aufeinander auf, sodass die Inhalte nicht isoliert im Raum stehen, sondern ineinandergreifen“, erklärt Professor Büchel und ergänzt: „Hier findet jeder Studierende seinen Weg und seine Leidenschaft und wir brauchen diese Nachwuchskräfte, um die Energiewende und den Klimawandel aktiv zu gestalten.“

Wer Energie- und Gebäudetechnik studiert, findet seine Nische, in der er sich verwirklichen kann. Das Fach ist so vielfältig und interdisziplinär, da ist für jede*n etwas dabei.

Professor Oliver Büchel
Studiengangsleiter Energie- und Gebäudetechnik an der Ostfalia Hochschule

Für Bennett ist die Praxiserfahrung seiner Dozierenden ein ganz großer Pluspunkt: „Wenn das Thema zu Beginn noch abstrakt wirkt, kommt oft ein Beitrag aus den Praxiserfahrungen der Dozierenden, der erklärt, wie man das Thema darauf anwenden kann. Das ist sehr hilfreich und spannend.“ Durch diese Praxisberichte werden die Themen aufgelockert und erleichtern das Verständnis komplexer Zusammenhänge.

Die Studierenden können sich bereits im Bachelorstudium durch Wahlfächer und die Entscheidung zwischen den Schwerpunkten öffentliche Energieversorgung und Technische Gebäudeausrüstung schon während des Bachelorstudiums in eine fachliche Richtung entwickeln. Für Bennett ist aktuell vor allem die Klima- und Lüftungstechnik interessant. „Es gibt nichts Schöneres als ein angenehmes Raumklima. Aber es ist noch etwas früh, um mich festzulegen“, verrät der Student. Neben der fachlichen Spezialisierung sind auch die späteren Tätigkeitsfelder breit gefächert: von der Planung über die Projektleitung und Umsetzung bis zur Sanierung. „Nicht nur das Thema als solches ist sehr breit aufgestellt, sondern auch, wo in der Kette ich einsteige“, verdeutlicht Professor Büchel.

Junger und älterer Mann in einem Elektrotechnik-Labor

Bennett und Prof. Büchel gemeinsam im Elektrotechnik-Labor. Foto: Ostfalia / Jaqueline Gebauer

Praktisch lernen

Von der Theorie in die Praxis geht es für Bennett bei der Jan Hölemann – Energie- und Gebäudetechnik in Salzgitter, einem mittelständischen Handwerksunternehmen. Gemeinsam mit den Auszubildenden lernt er hier die Inhalte der Ausbildung zum Anlagenmechaniker SHK kennen.

Das Unternehmen ist auf nachhaltige Energie- und Heizungssysteme spezialisiert. Die Arbeitsbereiche sind vielfältig. Bennett erstellt beispielsweise Fundamente für die Außeneinheiten von Wärmepumpen, verlegt Innen- und Außenleitungen und arbeitet an Problemstellungen im Sanitärbereich. „Es geht mit den grundlegenden Aufgaben los und je nach Lernfähigkeit und Interesse kann man dann auch schneller bei größeren Aufgaben mitmachen oder sogar alleine zu einem Kunden fahren“, erzählt Bennett.

Junger Mann begutachtet einen 3D-Druck.

Bennett begutachtet einen 3D-Druck im Labor. Foto: Ostfalia / Marek Kruszewski

An der Ostfalia kann das Studium neben der Ausbildung zum Anlagenmechaniker SHK auch mit den Ausbildungsberufen Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik sowie Technischer Systemplaner kombiniert werden. Je nach gewähltem Ausbildungsberuf unterscheiden sich die Praxisinhalte deutlich. Während die Technischen Systemplaner*innen beispielsweise stärker in Planungsprozesse eingebunden werden, liegt der Fokus bei den Anlagenmechaniker*innen wie Bennett auf der praktischen Umsetzung – typisch für ein ausführendes Gewerk.

Berufesteckbrief

Anlagenmechaniker SHK

Wie kann ich Anlagenmechaniker*in SHK werden? Was verdient man in dem Beruf und wie sind die Karrieremörglichkeiten? Mehr dazu erfährst du im Berufe-Steckbrief zur Ausbildung zum Anlagenmechaniker SHK.

Mann im karierten Hemd an technischer Anlage

Für Bennett ist vor allem der Kundendienst spannend. Während Neubauten häufig nach festgelegten Abläufen erfolgen, erfordert der Serviceeinsatz eine eigenständige Fehlersuche und Problemanalyse. „In so manchen Situationen muss man den Kopf gewaltig anstrengen, um das Problem zu finden und den Fehler zu beheben. Jeder Fall ist dabei wortwörtlich ein Fall für sich“, freut sich Bennett. Auch der direkte Kontakt zu den unterschiedlichen Kundinnen und Kunden gefällt ihm gut.

Mir gefällt vor allem der Kundendienst. Das ist nicht arbeiten nach Schablone, sondern eine richtige Fehlersuche und es ist erfüllend, wenn man das Problem gefunden hat.

Bennett Eggerichs
Dualer Student Energie- und Gebäudetechnik

Praxiserfahrungen sind in einem ingenieurwissenschaftlichen Studium sehr wichtig. So stehen an der Ostfalia neben Laboren auch Exkursionen auf dem Programm. Die Plätze sind begrenzt und die Ausflüge sehr beliebt. Bennett nahm zuletzt an einer Kraftwerksbesichtigung des Kraftwerks Datteln 4 teil. Zuvor führten Exkursionen unter anderem zu Viessmann, Phoenix Contact oder Wilo.

Die Kontakte der Lehrenden in Industrie und Wirtschaft erleichtern diese Praxisbezüge. Die vielen Sparten, die in der Energie- und Gebäudetechnik abgebildet werden, finden sich in den Exkursionen wieder, bei denen der Fokus zwischen den Themenschwerpunkten wechselt. Für Bennett bieten diese Ausflüge eine wichtige Gelegenheit, verschiedene Gewerke und Unternehmen kennenzulernen und über den eigenen Praxisbetrieb hinaus Einblicke zu gewinnen. Er kann sich gut vorstellen, nach dem Studium weitere Tätigkeitsfelder beruflich zu erkunden.

Das Handwerk und die Weiterentwicklung des Handwerks sind mir persönlich sehr wichtig. Ich möchte gerne große Projekte betreuen und mein daraus resultierendes Wissen weitergeben und in die Lehre gehen – eine Mischung wäre ideal.

Bennett Eggerichs
Dualer Student Energie- und Gebäudetechnik

Zusatzqualifikationen erwerben

Ergänzend zu Theorie an der Hochschule und Praxis im Betrieb verbringt Bennett Zeit in einem überbetrieblichen Ausbildungszentrum der Handwerkskammer Braunschweig. In unterschiedlichen Lehrgängen werden hier zusätzliche Kompetenzen vermittelt, die nicht in jedem Betrieb abgedeckt werden können. Welche Kurse für ihn sinnvoll sind, stimmt Bennett mit seinem Praxisbetrieb ab.

„Es gibt ein paar Kernkompetenzen, die man auf jeden Fall beherrschen sollte, zum Beispiel die Themen der Elektrotechnik“, erklärt der Student. Außerdem hat er hier die Möglichkeit, Themen zu vertiefen, die im betrieblichen Alltag oft zu kurz kommen. Die Unternehmen haben schließlich verschiedene Kompetenzen oder Ausrichtungen und im überbetrieblichen Ausbildungszentrum werden alle dual Studierenden (und Auszubildenden) auf den gleichen Stand gebracht.

Ich beschäftige mich bei meinem Praxispartner fast nur mit Wärmepumpen. Da war es schon hilfreich, mich in den Lehrgängen mal intensiver mit den fossilen Brennstoffen, wie Gas und Öl, auseinanderzusetzen.

Bennett Eggerichs
Dualer Student Energie- und Gebäudetechnik

Theorie und Praxis verbinden

Bennett und seine Kommiliton*innen absolvieren nicht nur ein Studium, sondern auch eine Ausbildung. Das heißt: Es gibt Abschlussprüfungen für die Ausbildungsinhalte. Gerade vor der ersten Abschlussprüfung fühlen sich einige Studierende unsicher. Denn die ersten Studiensemester sind stark auf die Grundlagen ausgerichtet und klassische Auszubildende sind zu diesem Zeitpunkt häufig bereits weiter in den fachspezifischen Inhalten.

An dieser Stelle kommt jedoch die gute Kooperation der Ostfalia mit den Berufsschulen zum Tragen. Die Lehrkräfte unterstützen die Studierenden gezielt und bieten zusätzliche Vorbereitungstermine an. „Auch wenn man bei sich selbst Lücken bemerkt, kann man jederzeit zur Berufsschule gehen und die Lehrer*innen fragen, das ist überhaupt kein Problem“, berichtet Bennett.

Mit zunehmendem Studienfortschritt gleichen sich die Wissensstände an. Ab dem dritten Fachsemester bauen die fachlichen Inhalte an der Hochschule systematisch auf den Grundlagen auf und dann ist die Prüfung kein Problem mehr. „Unsere Studierenden sind in der Regel sehr erfolgreiche Kandidaten bei den Abschlussnoten“, verrät Professor Büchel. Insgesamt sieht er die Teilnehmenden des Praxisverbundes als besonders leistungsorientiert: „Im ersten Schritt ist es eine Mehrbelastung, ein Studium, eine Ausbildung und die Arbeit im Unternehmen zu kombinieren. Dadurch dass Praxis und Theorie aber so gut miteinander verbunden sind, löst sich das in den späteren Semestern auf und das Verständnis ist ein ganz anderes.“

Der Praxisbezug ist ein unglaublicher Vorteil, den die Studierenden manchmal gar nicht so wahrnehmen. Was ich auswendig gelernt habe, ist schnell wieder vergessen. Aber was ich einmal begriffen habe, das bleibt hängen. Und begreifen, das tun die Studierenden durch den starken Praxisbezug, durch diese Dualität.

Professor Oliver Büchel
Studiengangsleiter Energie- und Gebäudetechnik an der Ostfalia Hochschule

Bennett empfindet die Doppelbelastung als überschaubar, da sich Hochschul- und Praxisphasen zeitlich abwechseln. Doch in den Prüfungsphasen, die für die Ausbildung und das Studium ungefähr zeitgleich stattfinden, steigt der Aufwand spürbar. „Im Endeffekt sind das Studium an der Hochschule und die Arbeit im Unternehmen zeitlich voneinander entkoppelt. Deshalb spüre ich keine Doppelbelastung.“ Gleichzeitig räumt er ein: „In den Prüfungsphasen ist es dann aber schon aufwendig“.

Wer sich für das duale Studium der Energie- und Gebäudetechnik interessiert, sollte auf jeden Fall Mathe mögen. „Man könnte sagen, dass man über den Mathe-Part reinkommt und dann bauen die fachspezifischen Themen darauf auf“, erklärt Bennett. Die Hochschule bietet gerade im Bereich Mathematik aber sehr viele Hilfestellungen an, sodass Studierende, die Lust auf das Fach haben, definitiv Unterstützung finden.

Für Professor Büchel sind darüber hinaus persönliche Eigenschaften entscheidend: „Man sollte neugierig sein, offen für Neues, analytisch denken, Durchhaltevermögen und die Freude am Technischen mitbringen.“ Dazu kommt ein generalistischer Ansatz, der das Gesamtsystem in den Blick nimmt und sich nicht in Einzelheiten verliert.

Wir sind Systemingenieure. Wir werden keine Entwickler für Speziallösungen, sondern integrieren die Komponenten zu einem Gesamtsystem. Der Versorgungsingenieur verliert sich nicht im Kleinen, sondern sieht das große Ganze, das Ergebnis als solches.

Professor Oliver Büchel
Studiengangsleiter Energie- und Gebäudetechnik an der Ostfalia Hochschule

Short Facts

Energie- und Gebäudetechnik im Praxisverbund (B. Eng.)

Abschluss: Bachelor of Engineering (B. Eng.)

Studienbeginn: zum Wintersemester

Regelstudienzeit: 9 Semester 

Voraussetzung: Allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife bzw. Meistertitel oder staatlich geprüfter Techniker oder abgeschlossene Berufsausbildung mit mindestens dreijähriger branchenspezifischer Berufserfahrung

Zulassungsbeschränkung: zulassungsfrei


Bei Fragen zum Studiengang

Prof. Dr.-Ing. Oliver Büchel, Studiengangsleiter Energie- und Gebäudetechnik

o.buechel@ostfalia.de

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