Wir haben mit David Urban-Werner gesprochen. Er ist Brunnenbauermeister und Ausbilder im BAU ABC in Rostrup (Bad Zwischenahn). Im Interview erzählt er, worum es im Brunnen- und Spezialtiefbau geht, wieso diese beiden Ausbildungsberufe Hand in Hand gehen und was die Berufe für ihn so besonders machen.
Das BAU ABC in Rostrup (Bad Zwischenahn) ist eines der zentralen überbetrieblichen Ausbildungszentren der Bauwirtschaft im Bereich Hoch-, Aus- und Tiefbau in Deutschland. Es richtet sich an Auszubildende in verschiedenen Bauberufen – vom Maurerhandwerk über Leitungsbau bis hin zum Spezialtiefbau.
Die Aufgabe des Ausbildungszentrums ist es, eine fundierte Grundlagenausbildung sicherzustellen und die gesamte Bandbreite des jeweiligen Gewerks zu vermitteln. Das Bau ABC ist Anlaufstelle für Azubis aus ganz Deutschland und bietet die Möglichkeit, dass die Auszubildenden während der Ausbildungs- und Berufsschulblöcke im angeschlossenen Internat auf dem Gelände wohnen können.
Das Hauptproblem ist oft, dass ein Großteil unserer Arbeit später in der Erde versteckt und damit für das bloße Auge nicht mehr sichtbar ist. Aber im Grunde steckt hinter fast jeder modernen Infrastruktur Spezialtiefbau: Sei es die U-Bahn, in die man steigt, ein Tunnel, durch den man fährt, oder die Pfeiler einer großen Talbrücke. Und genau so ist es mit dem Brunnenbau: Dahinter steht die klassische Trinkwassergewinnung, die Baugrunderkundung und zunehmend die Geothermie für die Energiewende.
Ohne uns würde nichts stehen und kein Wasser fließen. Ein Großteil unserer Arbeit ist später in der Erde versteckt, aber sie ist die Basis für fast jede moderne Infrastruktur.
David Urban-Werner
Brunnenbauermeister & Ausbilder im BAU ABC
Es ist ein Bereich für „Exoten“ im Baubereich, da wir bundesweit ausbilden und die Teilnehmerzahlen im Vergleich zu Straßen- oder Rohrleitungsbauern geringer sind. Während sich viele Firmen auf bestimmte Verfahren spezialisieren, vermitteln wir im BAU ABC die gesamte Bandbreite und die nötigen Basics.
Riesige Bohrgeräte, tonnenschwere Maschinen und Baustellen in ganz Deutschland: genau das Richtige für Theo. Warum er das so sieht, erfährst du in seinem Erfahrungsbericht.
Historisch bedingt nutzen wir ein sogenanntes „Y-Modell“. Das bedeutet, dass Brunnenbauer und Spezialtiefbauer im ersten und zweiten Lehrjahr weitgehend parallel laufen, da die Grundlagen – etwa beim Bohren – ähnlich sind. Die eigentliche Spezialisierung findet dann verstärkt im dritten Lehrjahr statt. Eine Besonderheit ist die hohe Durchlässigkeit: Wer einen Gesellenbrief in der einen Fachrichtung hat, kann in nur einem weiteren Jahr den Abschluss im jeweils anderen Beruf erlangen. So hat man nach vier Jahren zwei vollwertige Berufsabschlüsse in der Tasche.
Unsere Planung richtet sich nach den bundeseinheitlichen Berufsschulblöcken. Da die Azubis teilweise sogar vom Bodensee anreisen, findet die Ausbildung in Blöcken statt: Sie sind einige Wochen bei uns, dann in der Berufsschule und den Rest der Zeit im Betrieb. Das gibt uns einerseits die Möglichkeit die Azubis kennenzulernen und anderseits den Auszubildenden die Chance, den Beruf in allen Facetten zu erkunden. Uns ist wichtig, dass wir einen realitätsnahen Berufsalltag vermitteln, denn nur so können die Auszubildenden für sich herausfinden, ob die Ausbildung für ihn oder sie passt und ob sie das nötige Interesse für die Tätigkeit mitbringen.
Wir bieten diverse Nachhilfeangebote an, um schulische Schwächen auszugleichen. Das ist auch für Azubis mit Migrations- oder Flüchtlingshintergrund wichtig, die wir intensiv unterstützen. Das geht oft weit über die reine Wissensvermittlung hinaus und umfasst auch Hilfe bei Alltagsproblemen oder Behördengängen.
Wenn jemand merkt, dass sein aktueller Betrieb nicht mehr passt oder er das Gewerk wechseln möchte, unterstützen wir zudem bei der Suche nach einer neuen Ausbildungsfirma.
Schulnoten sind für uns zweitrangig. Wesentlicher ist die Einstellung zur Arbeit und das Interesse am Beruf.
David Urban-Werner
Brunnenbauermeister & Ausbilder im BAU ABC
Der Anteil ist noch gering, aber wir freuen uns über jede Bewerberin. Unsere Erfahrung zeigt, dass die Frauen ihre männlichen Kollegen oft locker „in die Tasche stecken“ und mit hervorragenden Abschlüssen glänzen.
Das alte Vorurteil, der Beruf sei für Frauen nicht geeignet, ist längst überholt, auch dank moderner Hilfsgeräte, die die körperliche Belastung reduzieren.
Gerade wenn es um die Maschinenbedienung geht, haben die Mädels oft mehr Feingefühl in den Fingern als so mancher Junge, der eher mit der Hauruck-Methode rangeht.
David Urban-Werner
Brunnenbauermeister & Ausbilder im BAU ABC
Man muss bereit sein, viel unterwegs zu sein. Das kann Einsätze in ganz Deutschland bedeuten, die mal kürzer oder länger andauern. Bei größeren Firmen sind sogar internationale Baustellen möglich. Wir hatten schon Azubis in Amsterdam, Norwegen oder sogar auf La Réunion. Oft wird in Zehn-Tage-Schichten gearbeitet, worauf dann vier freie Tage folgen. Das bringt neben viel Abwechslung auch finanzielle Vorteile durch Auslösen und Zulagen mit sich.
Ja, wer in der Berufsschule einen Schnitt von besser als 2,5 hat und die Zustimmung seines Betriebes erhält, kann die Ausbildung vorzeitig abschließen. Die Prüfung findet dann bereits im Winter statt.