Ein Job außerhalb der Norm: Nico ist Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice

Nico Keiler ist Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. Foto: INKB, Tanja Kraus-Baumann

Schon als Kind sieht Nico die Kanalfahrzeuge im Stadtgebiet herumfahren. Begeistert beobachtet er die Fahrzeuge, so richtig etwas damit anfangen kann er noch nicht. Das ändert sich spätestens als er auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist. Fündig wird er bei den Ingolstädter Kommunalbetrieben mit der Ausbildung zur Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice.

Einen sinnstiftenden Job finden – mit diesem Wunsch macht sich Nico Keiler auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz. Da er sich schon früh handwerklich interessiert hat, war klar, dass es auch in diesem Feld etwas sein soll. Durch Praktika konnte der heute 24-Jährige ein paar Berufe kennenlernen und mit Rohren arbeiten. Ein Bereich, der ihm grundsätzlich schon einmal gefällt.

Doch eine Erschwernis kam dazu: „Ich bin farbenblind, deswegen fielen manche Ausbildungsberufe direkt raus. Über einen Zeitungsartikel bin ich auf den Beruf der Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice aufmerksam geworden. Ich habe online dann noch mehr zu dem Beruf recherchiert. Da ich mich mit den Tätigkeiten identifizieren konnte, habe ich mich schließlich beworben.“

Stopp! Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice? Das heißt doch jetzt anders!

Das stimmt. Seit dem 1. August 2024 heißt der Beruf „Umwelttechnologe für Rohrleitungsnetze und Industrieanlagen“. Nico hat aber bereits 2017 seine Ausbildung begonnen und hat damit seinen Berufsabschluss unter dem vorherigen Namen erlangt.

Ich habe mich für den Beruf entschieden, weil es ein krisensicherer Job ist. Wenn man keinen Mist baut oder sich blöd anstellt, hat man eine sichere Arbeit für die Ewigkeit.

Nico Keiler
Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice

Blick in den Untergrund: das Kanalnetz kennenlernen

Zunächst ging es für Nico darum, zu verstehen, wie das Kanalsystem in Ingolstadt aufgebaut ist, welche Kanäle es gibt, wie viele Pumpwerke betrieben werden, welches Fahrzeug für welche Aufgabe genutzt wird und was die Kommunalbetriebe im Rahmen des Abwasserschutzes tun. 

„Es ist spannend, wie viele Kanalbauwerke in Ingolstadt verbaut sind. Es gibt Städte, die deutlich weniger Kanäle in Betrieb haben, obwohl sie flächenmäßig größer sind. Das liegt bei uns in Ingolstadt an der Lage und wie die Stadt gebaut ist. Wir haben Höhen im Stadtgebiet und da muss das Abwasser genauso fließen wie in den tiefergelegenen Gebieten“, erklärt Nico.

Am Anfang der Ausbildung war er viel im Maurertrupp unterwegs. Dieser saniert die Kanäle und Schächte, die „Hardware“. Die Kanäle sollen dicht sein, damit kein Abwasser austreten kann. Denn es kommt vor, dass beispielsweise Baumwurzeln in die Kanalrohre einwachsen und diese beschädigen. Andere Kollegen reinigen Schächte und spülen Kanalstränge mit einem Saug- und Spülwagen. 

Was, wann und wo gereinigt werden soll, sehen die Trupps auf einer digitalen Karte. Dafür wurden die Trupps mit Tablets ausgestattet. Die Zeiten der Karten und Pläne in Papier sind für sie vorbei, da das gesamte Kanalnetz digitalisiert wurde. Alle wichtigen Informationen zum Kanalbetrieb sind hinterlegt und werden laufend aktualisiert.

Regelmäßig müssen die Kanäle gespült werden. Foto: Andre Pöhlmann

In den Teams ist Nico nicht nur in Ingolstadt unterwegs, sondern auch in umliegenden Gemeinden: „Wir haben für einige Gemeinden sogenannte Betriebsführungsverträge und sind auch dort für den Kanalunterhalt zuständig. Da kommt man schon viel herum, bekommt von den Bürger*innen vor Ort Anerkennung für die Arbeit, die wir leisten“, erzählt Nico. 

Die anfallenden Aufgaben, insbesondere bei Notfällen, können vor allem kleinere Gemeinden allein nicht leisten und nutzen dann gern die Unterstützung aus der größeren Kommune.

Eine große Aufgabe, für die das Unternehmen gerne mehr Fachkräfte einstellen möchte: „Wir brauchen Fachkräfte, die sich grundsätzlich in einem Kanalnetz oder in Entwässerungssystemen auskennen. Natürlich gibt es auch verschiedene Aufgaben im Kanalunterhalt, die Quereinsteiger*innen und Berufsanfänger*innen übernehmen können“, erklärt Tanja Kraus-Baumann von der Stabsstelle Unternehmenskommunikation der Ingolstädter Kommunalbetriebe.

Mir gefällt an meiner Arbeit, dass ich so viel herumkomme. Wir sind den ganzen Tag unterwegs, sprechen mit Bürger*innen oder helfen ihnen. Das macht einfach Spaß.

Nico Keiler
Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice

Zusammenarbeit auf jedem Meter Kanal

Zusammen mit Nico sind rund 15 Personen für die Kanäle in Ingolstadt und den umliegenden Gemeinden, in denen sie den Betrieb führen, zuständig. Die Kollegen teilen sich auf verschiedene Teams auf bzw. sind in unterschiedlichen Teamgrößen unterwegs. Die technischen Fachleute für Pumpen und Hebewerke sind meist allein unterwegs, der Maurertrupp und die Kanalspüler in der Regel zu zweit und die Nagetierspezialisten zu dritt. „Bei großen Inspektionen oder Kanalbegehungen sind wir auch mal sechs oder sieben Leute. Das kommt ganz auf die Tätigkeit an“, verdeutlicht der 24-Jährige.

Das Fachwissen im Team ist breitgefächert: von Schlossern und Maurern über Mechaniker und Fachkräfte für Abwassertechnik (bzw. heute Umwelttechnologen für Abwasserbewirtschaftung) bis hin zu den Fachkräften für Rohr-, Kanal- und Industrieservice ist alles dabei.

Hier ist Teamarbeit gefordert: Bei der Reinigung eines großen Regenklärbeckens helfen alle zusammen. Foto: INKB, Tanja Kraus-Baumann

Lernkurve zwischen Labor und Klassenraum

Während der Ausbildung hat Nico die Berufsschule in Lauingen an der Donau besucht. Der Unterricht fand blockweise für rund drei Monate pro Ausbildungsjahr statt. „Ich finde es gut, dass der Unterricht blockweise ist, weil man die Inhalte an einem Stück lernt und nicht rausgerissen wird“, erzählt Nico. 

Wobei: Anders war es in seinem Fall auch nicht möglich, denn sonst hätte er jeden Schultag 90 Minuten für einen Weg pendeln müssen. Stattdessen konnte Nico während der Theorieblöcke vor Ort im Wohnheim schlafen. Das Zimmer hat er sich immer mit einem anderen Auszubildenden geteilt: „An der Berufsschule waren Azubis aus ganz Deutschland, denn der Beruf wurde – zu meiner Ausbildungszeit – nur an zwei Berufsschulen in ganz Deutschland angeboten.“

Für den Stundenplan bedeutete das: Montags war Anreisetag, da begann der Unterricht erst um 11 Uhr und freitags endete die letzte Stunde um 16 Uhr, damit alle Auszubildenden ihren Zug noch erwischen konnten. Die klassischen Schulfächer wie Mathe, Deutsch und Sozialkunde wurden durch fachspezifische Lehreinheiten ergänzt: Maschinen- und Gerätetechnik, Umwelttechnik, Labor, Chemie, Biologie und Arbeitsschutz. 

Ein Aspekt, den Nico besonders wertschätzt: die praktischen Einheiten mit dem Kanalspülwagen. Die Azubis konnten so vor Ort direkt sehen und lernen, wie eine Hochdruckanlage aufgebaut ist, wie sie funktioniert und wie man sie zusammen- und auseinanderbaut.

Die Aufgaben im Kanalunterhalt sind vielfältig. Foto: INKB, Tanja Kraus-Baumann

Einsätze im Kanalnetz

Mittlerweile ist Nico ein paar Jahre mit der Ausbildung fertig. Die Aufgaben sind im Kern gleichgeblieben. Eine Besonderheit ist jedoch dazugekommen und das ist der Bereitschaftsdienst, denn Auszubildende dürfen diesen noch nicht übernehmen. Der Dienst teilt sich in drei große Bereiche auf: Bereitschaftsdienst für die Kläranlage in Bergheim sowie die Kanalbereitschaft im Stadtgebiet von Ingolstadt. Bei dieser sind die Bereitschaftskolleg*innen immer dann gefragt, wenn ein Privatanschluss verstopft ist, wenn durch Hochwasser Störungen im Kanalbetrieb auftreten oder durch Regen eine Unterführung vollläuft.

Nico ist in der Entwässerungsbereitschaft für die Gemeinden Knodorf und Ernsgaden sowie für den Auwaldsee zuständig. Dort sind jeweils Pumpwerke, in denen Nico und seine Kolleg*innen prüfen, ob alles mit dem Unterdruck stimmt. Wenn eine Störung eintritt, müssen sie sofort eingreifen und fahren auch schon mal zu einzelnen Anwohner*innen raus, wenn dort eine Störung auftritt.

Alle fünf Wochen teilt sich Nico für eine Woche den Bereitschaftsdienst mit vier anderen Kolleg*innen. In dieser Zeit stehen sie 24/7 auf Abruf bereit, um bei einem Notfall schnellstmöglich vor Ort zu sein. „Bereitschaftsdienst ist anstrengend, keine Frage. Aber es hat auch den Vorteil, dass es sich finanziell lohnt. Gerade bei Einsätzen am Wochenende kommen Zuschläge dazu“, stellt Nico klar.

Ein Einsatz im Bereitschaftsdienst ist dem 24-Jährigen besonders in Erinnerung geblieben. Ein Pumpwerk ist komplett ausgefallen und Nico und ein Kollege konnten den Fehler zunächst nicht finden. Erst spät merkten sie, dass die Technik noch auf einem älteren Stand war und sich aufgehängt hat: „Es vergingen fast 13 Stunden von der Störungsmeldung bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Anlage wieder vollständig hochgefahren war. Das war keine leichte Aufgabe“, erklärt Nico. Zum Glück hat er den Fehler gefunden und mittlerweile ist dort auch die Technik auf dem neusten Stand.

Der Bereitschaftsdienst ist nicht zu unterschätzen. Gerade am Wochenende, wenn man eigentlich seine Freizeit genießen möchte. Aber das gehört dazu und lohnt sich auch finanziell.

Nico Keiler
Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice

Ein Aspekt, der Nico überrascht hat: wie sich die Jahreszeiten auf bestimmte Aufgaben auswirken. „Im Winter machen wir immer die Kanalbegehungen und begutachten Schäden. Denn dann ist es in den Kanälen wärmer als draußen und man kann dort besser arbeiten. Im Sommer ist es unten viel zu heiß, sodass wir die planmäßigen Inspektionen in den Wintermonaten machen. Dafür bietet sich die Sanierung der Schächte im Sommer an, weil der Mörtel besser trocknen kann.”

Vom Kanal zur Kläranlage: zweite Ausbildung

Zum nächsten Ausbildungsjahr beginnt Nico eine neue Ausbildung zum Umwelttechnologen für Abwasserbewirtschaftung. Auch diese absolviert er bei den Ingolstädter Kommunalbetrieben: „Mein Chef kam auf mich zu und hat gefragt, ob ich Lust auf eine weitere Ausbildung hätte. Sie brauchen auf der Kläranlage noch eine weitere Person mit Fachwissen und da mich der Bereich interessiert, habe ich zugesagt“, erzählt Nico.

Da Nico schon jetzt regelmäßig auf der Kläranlage zu tun hat, wird sich seine Arbeit gar nicht so groß verändern. So oder so macht Nico einen Job, wie er sich ihn auch gewünscht hat: eine sinnstiftende Tätigkeit. „Ich trage zum Erhalt der Umwelt bei und ich finde schön, dass der Beruf nicht der Norm entspricht.“

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