Studium, Nebenjob, Einstieg ins Berufsleben – auf dem Papier eine normale Karriere. Doch Johannes hat einige Abbiegungen genommen und seine Leidenschaft im Wasserbereich gefunden. Seit einigen Jahren ist er für die Trinkwasserversorgung im Einsatz und engagiert sich im Nachwuchsnetzwerk des DVGW. Seine Ziele: die Trinkwasserversorgung sichern, Beschäftigte untereinander vernetzen und die gemeinsame Arbeit beflügeln.
Wie kann integriertes Wasserressourcenmanagement in 30, 50 oder 60 Jahren aussehen? Für Johannes Zerche ist diese Frage der Ankerpunkt, sein Nordstern, dem er folgt. Das Thema Wasser hat es ihm während des Studiums angetan und lässt ihn seitdem nicht mehr los. Mit jedem Schritt in der Wasserwirtschaft wird für den 31-Jährigen deutlicher, dass er sich in einer sinnstiftenden und zukunftssicheren Branche bewegt, in der er viel erreichen kann.
Nach dem Abitur entscheidet sich Johannes für ein freiwilliges soziales Jahr. Ein Jahr lang gibt er Erste-Hilfe-Kurse bei den Maltesern. Sein Plan: Er will Lehrer werden. Doch während seines freiwilligen Jahrs merkt er, dass dieser Job nicht das Richtige für ihn ist. Stattdessen nimmt er in Münster das Bachelorstudium Geowissenschaften auf.
Ein freiwilliges soziales Jahr kann ich jedem empfehlen, weil man in dieser Zeit sehr gut merkt, ob einem die gewählte Aufgabe gefällt oder nicht.
Johannes Zerche
Leiter Stabsstelle Geschäftsentwicklung bei der Thüringer Fernwasserversorgung
„In der Schule war Geografie immer mein absolutes Lieblingsfach“, erzählt der 31-Jährige heute. Um seinem Wahlfach eine naturwissenschaftlichere und konkretere Richtung zu geben, schreibt er sich für Geowissenschaften ein und geht der Frage nach, was die Erde formt und verändert.
Auf dem Stundenplan stehen zu Beginn die Grundlagen. Erst Mathematik, Physik und Chemie, dann folgt die Einführung in die Geologie der Erde. Johannes und seine Kommiliton*innen lernen Gesteinsbestimmung, Petrologie, Mineralogie. Das Baukastensystem der Erde ist die Basis des Studiengangs. Der rückgewandte Blick auf die Erd- und Lebensgeschichte ist jedoch nicht das, was Johannes interessiert.
Eine Exkursion im Bachelorstudium führt Johannes in die Alpen. Foto: privat
Für ihn ist das Thema angewandte Geowissenschaften wichtiger. Hier geht es um Hydrogeologie, Altlasten, Umweltschadstoffe und vor allem um das Thema Grundwasser. In den höheren Semestern schlägt Johannes deshalb eine hydrogeologische Vertiefung ein. „Das war für mich der erste Kontaktpunkt mit dem Thema Wasser“, erinnert er sich heute.
Während des Bachelors arbeitet Johannes nebenbei in zwei Ingenieurbüros und beschäftigt sich hier viel mit Altlasten, nimmt Proben, untersucht Baugrund und unterstützt bei der Erstellung von Gutachten. Ihm wird dabei klar: „Wir Menschen müssen es schaffen, proaktiv Gewässerschutz zu betreiben. Nicht erst alles kaputt machen, um es dann für viel Geld wieder aufzuräumen.“
Einmal vertieft, will Johannes den Wasserbereich nicht wieder verlassen und beginnt im Master den Studiengang Wasserwissenschaften. Er ist einer der 15 Studierenden im Auftaktjahr des neuen Studiengangs. Dieser wurde vom Netzwerk Wasser ins Leben gerufen, das ein Zusammenschluss aller Fakultäten und Institute im Bereich Wasser in Münster ist. Vertreter*innen von Universität und Hochschule waren sich einig: Wir müssen interdisziplinär ausbilden und uns dazu zusammentun. Das war der Startschuss für den Studiengang.
Der Master Wasserwissenschaften war ein Glückstreffer für mein Leben.
Johannes Zerche
Leiter Stabsstelle Geschäftsentwicklung bei der Thüringer Fernwasserversorgung
Für Johannes ein Glücksgriff: Er verabschiedet sich von der Geologie, bleibt aber der Hydrogeologie treu. Der neue Studiengang verbindet den naturwissenschaftlich-technischen mit dem Management-Ansatz, die Nachhaltigkeitsaspekte mit der sozialen Komponente, das Wasser mit dem Menschen.
Der Studiengang hat keine festen Module, die Studierenden wählen eigenverantwortlich aus der gesamten Bandbreite aller zugehörigen Studiengänge. Johannes lernt das Bauingenieurwesen genauso kennen wie die Umwelttechnik oder die Biologie. Das System ist genauso herausfordernd wie vorteilhaft: „Man surft quer durch das Thema Wasser und kann sich auf die eigenen Interessen spezialisieren.“
In seiner Masterarbeit kommt das Interdisziplinäre deutlich zum Tragen: Gemeinsam mit einem Bauingenieur-Kommilitonen untersucht Johannes „Sub-surface-dams“ in Uganda. Dabei wird ein künstlicher unterirdischer Damm gebaut, der den Grundwasserstrom staut. So wird das Grundwasser unterirdisch gespeichert und ist weniger von Verdunstung und Verschmutzung betroffen als an der Oberfläche. Er deckt die wasserspezifischen und geologischen Themen der Arbeit ab, sein Kommilitone kümmert sich um die baulichen Fragen. Die fünf Wochen vor Ort führen Johannes nochmal mehr die Wichtigkeit einer sicheren Wasserversorgung vor Augen und für ihn wird klar: In diesem Bereich möchte er zukünftig arbeiten.
Seine Masterarbeit führt Johannes nach Uganda. Foto: privat
Nach dem erfolgreichen Masterabschluss arbeitet Johannes zweieinhalb Jahre bei den Stadtwerken Münster und kann seinen Plan in die Tat umsetzen. Als Mitarbeiter im Bereich Ressourcenschutz ist er schwerpunktmäßig für die Kooperation der Wasserwirtschaft mit der Landwirtschaft tätig. Im Team erarbeitet er einen Förder- und Maßnahmenkatalog für die Kooperation.
Tagtäglich beschäftigt er sich zum Beispiel mit mechanischer Unkrautbekämpfung, dem Einsatz von weniger Pflanzenschutzmitteln und besseren Düngeverfahren, um die Nährstoffeinträge ins Grundwasser zu reduzieren. Zusätzlich wirkt er auch bei anderen Aufgaben mit. Er erarbeitet gemeinsam mit der Innovationsabteilung die Weiternutzung von stillgelegten Leitungen sowie den Einsatz von Fotovoltaikmodulen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen.
Sein absolutes Herzensprojekt ist die Wasserwerkstatt. Was es damit auf sich hat? Am Wasserwerk wurde ein außerschulisches Bildungszentrum gebaut mit dem Ziel, das Bewusstsein für den Wert der Ressource Wasser zu erhöhen. Das Projekt verlinkt zum Thema integriertes Wasserressourcenmanagement, das Johannes bereits aus dem Studium kennt.
Ich bin meinem Chef bei den Stadtwerken Münster sehr dankbar, dass er Mitarbeitenden immer die Chance gegeben hat, an Projekten mitzuarbeiten, die ihnen wichtig sind – auch wenn diese vielleicht nicht im Stellenprofil standen.
Johannes Zerche
Leiter Stabsstelle Geschäftsentwicklung bei der Thüringer Fernwasserversorgung
Im Jahr 2022 führt Johannes‘ Weg nach Mitteldeutschland. Bei der Thüringer Fernwasserversorgung fängt er als Fachingenieur Datenmanagement an. Sehr schnell erkennt er, dass für diesen Job jemand mit mehr IT-Expertise gebraucht wird. Er geht auf seinen Geschäftsführer zu und schildert diesem die Situation.
Im Gespräch stellt sich heraus, dass eine andere Stelle im Unternehmen vakant ist – und sein Chef empfiehlt Johannes, sich zu bewerben. Nach nur zwei Wochen bewirbt Johannes sich neu und ist erfolgreich. Nach einer Übergangsphase im Datenmanagementbereich startet er im September als Leiter Stabsstelle Geschäftsentwicklung.
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Nun beschäftigt sich Johannes mit der Unternehmensstrategie. Er ermittelt Potenziale im Bereich Gewässerwärmenutzung, Wasserstofferzeugung oder erneuerbare Energien. Im Rahmen der Geschäftsentwicklung beschäftigt er sich zudem mit Fragen wie „Wie können wir unsere vorhandenen Ressourcen und Assets effektiv oder besser nutzen?“. Zusätzlich ist Johannes im Bereich Unternehmensorganisation unterwegs. In den letzten zwei Jahren hat er ein Projekt zu einer IT-Strategie begleitet.
Seine Stelle wurde 2022 zum ersten Mal ausgeschrieben und besetzt, das heißt, er hat gemeinsam mit einem internen Team die Strategie komplett neu aufgestellt. Dabei wurden sieben Handlungsfelder identifiziert. Einige davon werden durch die Aufgaben im Alltagsgeschäft abgedeckt. Um die nicht eindeutig zuordnungsfähigen Themen wie Klimaneutralität oder Treibhausgasbilanzierung kümmert sich der 31-Jährige.
Ich habe ein Nordstern-Ziel. Diesem Ziel folge ich und kann daraus konkretere Ziele ableiten und aus diesen Zielen Maßnahmen.
Johannes Zerche
Leiter Stabsstelle Geschäftsentwicklung bei der Thüringer Fernwasserversorgung
In der Strategieentwicklung folgt Johannes einer Vision, er nennt es sein Nordstern-Ziel. Aus der Vision ergibt sich seine Richtung, er kann konkrete Ziele ableiten und Maßnahmen festlegen, um diese Ziele zu erreichen. Schritt für Schritt folgt er so seinem Nordstern. „Meine Denkweise oder Herangehensweise habe ich im Studium gelernt“, erzählt Johannes. Bei seiner Grundvision geht es darum, wieso Wasser so wichtig ist, wieso wir es schützen und nachhaltig nutzen müssen.
Wasser ist für Johannes eines der wichtigsten Themen unserer Gesellschaft. „Für mich gibt es ein paar Grundsäulen, die eine Gesellschaft braucht. Dazu zählen Bildung und Gesundheit und dann kommt schon die Energie- und Wasserversorgung“, erklärt Johannes. Wer eine sinnstiftende Aufgabe und einen sicheren Arbeitsplatz sucht, der ist seiner Meinung nach in der Wasserwirtschaft richtig. Dazu kommt, dass es sehr vielfältige Aufgaben gibt: „Ich glaube, jeder findet im Wasserbereich seine Nische, egal ob technisch interessiert, praktisch orientiert oder kaufmännisch ausgerichtet.“
Das Tolle am Wasserkreislauf ist die Vielfalt der Tätigkeiten, die Wichtigkeit, der globale Kontext.
Johannes Zerche
Leiter Stabsstelle Geschäftsentwicklung bei der Thüringer Fernwasserversorgung
Schon seit dem Studium ist der DVGW Johannes ein Begriff. In der Hochschulgruppe pINGuin (Planende Ingenieure Umwelt, Infrastruktur, Nachhaltigkeit) hat er sich mit anderen Studierenden vernetzt, Veranstaltungen und Messen besucht und hatte Kontakt zur Bezirksgruppe in Münster.
Durch seinen Wechsel nach Erfurt wurde das Bedürfnis, sich zu engagieren, größer. In der Bezirksgruppe waren vor allem ältere Kollegen präsent und Johannes vermisste „eine gesunde Generationendurchmischung und da hat der DVGW das Potenzial, eine Plattform zu bieten.“ Kurz darauf gründete sich die Nachwuchsinitiative des Vereins, der Junge DVGW, und Johannes beschloss direkt, mitzumachen, um junge Menschen für den DVGW zu gewinnen.
Im Bereich „berufliche Netzwerke“ ist genau das seine Aufgabe: Johannes ist dazu im Austausch mit den Bezirksgruppen und sensibilisiert diese für den Umgang mit neuen, jungen Fachkräften, die sich für die Arbeit interessieren. Das Ziel ist, in den nächsten zwei Jahren eine bessere Verzahnung zwischen Jungem DVGW, Bezirksgruppen und Landesgruppen zu erreichen, damit die Nachwuchskräfte später auch in den Gremien mitwirken.
Der Junge DVGW ist die perfekte Plattform, um sich innerhalb der Branche zu vernetzen.
Johannes Zerche
Leiter Stabsstelle Geschäftsentwicklung bei der Thüringer Fernwasserversorgung
Der Junge DVGW ist für Johannes eine wertvolle Plattform, um Kontakte zu knüpfen. Bei Kongressen und Veranstaltungen hat er bereits neue Kontakte geschlossen, mit denen er sich zu Problemen oder einfach generell austauschen kann. „Es ist toll, nicht alleine frustriert da zu sitzen, sondern zu wissen, ich kann mich vernetzen, wir können uns gegenseitig motivieren“, erzählt er.
Nun wirbt er also zusätzlich für die Vernetzung, um gemeinsam dem Nordstern zu folgen. „Mich spricht beim DVGW die Vision Wasser 2100 an, diese Zukunftsvision: Wie kann integriertes Wasserressourcenmanagement in 30, 50, 60 Jahren aussehen? In der Gruppe können wir unsere Kräfte bündeln, um das Ziel zu erreichen. Das ist es, was mich antreibt.“
Der Junge DVGW ist die Nachwuchsorganisation des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW) und bietet Angebote für alle Nachwuchs- und Fachkräfte in der Branche unter 36 Jahren. Mitglieder werden in der Ausbildung, beim Studium, während des Berufseinstiegs und in ihrer Karriereentwicklung unterstützt.