Durch Zufall wird Benedikt auf die Ausbildung zum Geomatiker bei der GELSENWASSER AG aufmerksam und ist sofort von den Ausbildungsinhalten überzeugt. Er fackelt nicht lange und wagt den Sprung ins kalte Wasser. Das Highlight für ihn: Die Arbeit gleicht oft einem Rätsel, das es zu lösen gilt.
Was sind Geodaten? Wie erfasse ich Daten? Wie visualisiere ich diese Daten? Mit diesen und vielen weiteren Fragen befassen sich angehende Geomatiker*innen während der Ausbildung. Zu den Auszubildenden gehört auch Benedikt Foks. Der 23-Jährige befindet sich aktuell im dritten Lehrjahr – durch Zufall wurde er auf den Ausbildungsplatz bei der GELSENWASSER AG aufmerksam: „Ich komme gebürtig aus Gelsenkirchen, da kennt man das Unternehmen einfach. Über die Stellenangebote bin ich dann auf die Ausbildung zum Geomatiker aufmerksam geworden.“
Alle Infos über den Beruf, die Aufgaben, Voraussetzungen, Gehalt und Weiterbildungsmöglichkeiten findest du im Steckbrief zur Ausbildung als Geomatiker.
Für Benedikt absolutes Neuland, denn von dem Beruf des Geomatikers hatte er bisher noch nie bewusst etwas gehört – für den Auszubildenden kein Hindernis. „Geografie und Informatik gehörten in der Schule zu meinen Lieblingsfächern, daher hat mich die Ausbildung echt angesprochen“, berichtet der Auszubildende.
Ich hatte vorher keine Vorstellung von der Ausbildung, bin einfach ins kalte Wasser gesprungen – das hat sich gelohnt. Mir gefällt der Beruf richtig gut. Es ist einfach ein perfekter Zufall. Ich kann mir gut vorstellen, den Beruf ein Leben lang zu machen.
Benedikt Foks
Geomatiker bei der GELSENWASSER AG
Geomatiker*innen arbeiten mit komplexen Analyse- und Erfassungstools, weswegen die Auszubildenden schrittweise an die Tools herangeführt werden, um die Grundlagen der Kartografie kennenzulernen. „Es ging los mit einfachen Aufgaben: Ich habe in QGIS, das ist ein Geoinformationssystem, meinen Wohn- und Arbeitsort bestimmt und sollte dann den Weg einzeichnen. Es lässt sich dann digital nachverfolgen, wie lang der Weg ist und berechnen, wie viel Zeit ich zu Fuß oder mit dem Auto benötige“, erinnert sich Benedikt.
Mit der Zeit werden die Aufgaben schwieriger und komplexere Analyseaufträge kommen hinzu. „Eine meiner ersten richtigen Analyseaufgaben war die Pufferung von Bombenverdachtspunkten von Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Ich habe in einem Radius von fünf Metern die Fläche abgesteckt, in der es gefährlich sein könnte“, so der Auszubildende.
In der Regel arbeitet Benedikt im Büro und wertet Daten aus. Foto: privat
Erfassen, analysieren und auswerten – so lässt sich der Arbeitsalltag von Benedikt beschreiben. Aber was heißt das konkret? Wenn beispielsweise Wasserleitungen im Versorgungsgebiet verlegt werden und Rohrleitungsbauer*innen die Trinkwasserleitungen einmessen, überführt Benedikt diese Daten als digitale Kopien in Smallworld GIS – ein Datenerfassungstool.
Auf Basis der Daten konstruiert Benedikt die Leitung digital nach, damit diese in neuen Bauplänen verzeichnet sind.
Es ist echt spannend, mit welchem Blick ich jetzt durch die Stadt laufe. Ich gehe durch eine Straße und weiß, wo die Leitungen langgehen oder der Hausanschluss liegt, wenn ich die selbst erfasst habe.
Benedikt Foks
Geomatiker bei der GELSENWASSER AG
Besonders am Anfang ist es Bestandteil der Ausbildung, dass die angehenden Geomatiker*innen gemeinsam mit Vermessungstechniker*innen Messübungen absolvieren. „Das sind wichtige Praktika, damit wir verstehen, woher die Daten kommen, die wir einpflegen“, betont Benedikt. Da Benedikts Arbeitsplatz vor allem das Büro ist, bietet es außerdem eine schöne Abwechslung. „Gerade im Winter oder generell bei schlechtem Wetter bin ich aber ganz froh, dass ich im Büro arbeite“, schmunzelt der 23-Jährige.
Vermessungstechniker*innen und Geomatiker*innen arbeiten oft Hand in Hand: Während die Fachkräfte in der Vermessungstechnik draußen arbeiten und Maße nehmen, verarbeiten Geomatiker*innen diese Messdaten in Karten oder Analysen. Da sich die Aufgabengebiete in einigen Bereichen überschneiden, haben die Auszubildenden der beiden Berufe im ersten Lehrjahr gemeinsamen Unterricht, bevor die Klassen aufgeteilt werden.
Abwechslung bieten auch die Analyseaufträge, die von anderen Abteilungen aus dem Haus oder sogar von fremden Unternehmen kommen: „Meistens ist es so, dass wir eine Anfrage bekommen, dass die Abteilung oder das Unternehmen Daten ausgewertet haben möchte, die einen bestimmten Sachverhalt zeigen.“ Ganz so einfach wie es klingt, ist es oft nicht. „Manchmal kann man sich nur langsam an das Problem rantasten, bis man zum richtigen Ergebnis kommt“, erzählt Benedikt.
Mir gefällt die Abwechslung sehr gut. Es gibt immer eine neue Herausforderung. Wie ein Puzzle, das man noch lösen muss.
Benedikt Foks
Geomatiker bei der GELSENWASSER AG
Dass die Aufträge jetzt im dritten Ausbildungsjahr deutlich schwieriger sind, merkt Benedikt vor allem auch am Umfang der Aufträge. Waren es zu Beginn nur einzelne Teilaufgaben, sind es jetzt einige Bausteine mehr. „Wenn die Abläufe drin sind, kann man ziemlich gut selbständig arbeiten, dafür muss man die Grundlagen beherrschen. Ohne die geht es nicht“, so der Auszubildende.
Bei Fragen kann er sich jederzeit an seine Kolleginnen und Kollegen wenden. Insgesamt sind sie acht Personen im Team, davon vier Auszubildende und vier Fachkräfte. Je nach Aufgabe kann es da auch schon mal vorkommen, dass sie in einem größeren Team oder sogar abteilungsübergreifend mit anderen Kolleg*innen zusammenarbeiten.
Es ist ein bewusster Prozess, dass der Umfang innerhalb der Arbeitsaufträge mit der Zeit zunimmt, wie Ausbilder Uwe Raback zugibt: „Wir möchten die Azubis am Anfang nicht überfordern, sondern passen die Aufgabenstellungen an den aktuellen Wissensstand des Azubis an. Bei Benedikt haben wir schnell erkannt, dass wir ihm auch komplexere Aufgaben zuweisen können. Er ist ein Entwicklergeist und übernimmt Aufgaben, die über die Standardfähigkeiten eines Geomatikers hinaus gehen.“
Da Benedikt sich mit Programmiersprachen auskennt, baute er einen Reader, mit dem der Auszubildende und seine Kolleg*innen csv-Dateien dynamisch in ihrem Auswertungstool einlesen können. Gerade weil Informatik schon in der Schule zu seinen Lieblingsfächern gehörte, ist er jetzt umso zufriedener, dass sein Wissen im Berufsalltag Anwendung findet.
Ich bin sehr froh, dass die Arbeit am PC ein wesentlicher Bestandteil meines Berufs ist. Für mich war es trotzdem überraschend, wie tief man in Informatik einsteigen kann, wenn man „nur“ was mit Geomatik macht.
Benedikt Foks
Geomatiker bei der GELSENWASSER AG
Ein besonderes Projekt, an dem Benedikt teilnimmt, ist die Partnerschaft mit einem sambischen Wasserversorger. Ziel ist, dass Wasserversorgungsunternehmen aus Deutschland mit Wasserversorgern aus dem globalen Süden zusammenarbeiten, um diese bei den Problemen in der Trinkwasserversorgung zu unterstützen.
Gelsenwasser arbeitet in diesem Zusammenhang mit einem Unternehmen aus Sambia zusammen, um es bei der Reduzierung von Wasserverlusten zu unterstützen. „Wir haben für den Wasserversorger in Sambia eine Webmap erstellt und ich durfte einem Kollegen über die Schulter schauen und mir sind ein oder zwei Funktionen aufgefallen, die ich in html geschrieben habe“, erzählt Benedikt.
Da die sambischen Kolleg*innen ein anderes Geoinformationssystem nutzen als Gelsenwasser, können die Auszubildenden hierbei zusätzlich unterstützen, denn in der Berufsschule wird mit dem gleichen Tool gearbeitet.
„Es ist ein schöner Anreiz für die Auszubildenden und trainiert natürlich die englischen Sprachfertigkeiten“, findet auch Ausbilder Uwe Raback. Er selbst war schon vor Ort und spätestens, wenn Benedikt mit der Ausbildung fertig ist, besteht auch für ihn die Möglichkeit, mit nach Sambia zu fliegen.
Denn eine Sache ist schon jetzt klar: Benedikt wird nach der Ausbildung übernommen und bleibt Gelsenwasser als Geomatiker erhalten. „Wir haben uns frühzeitig um Benedikt bemüht. Geomatiker ist auf jeden Fall ein Beruf mit Perspektiven“, so Uwe Raback.
Über die Weiterbildungsmöglichkeiten hat sich Benedikt schon Gedanken gemacht, aktuell lautet aber seine Devise: „Erstmal die Ausbildung beenden und dann weiterschauen.“ Möglichkeiten gibt es einige – sowohl im akademischen als auch im nicht-akademischen Bereich.
Wer Geomatiker*in werden möchte, sollte vor allem eins sein: kommunikativ. Es gibt viele Situationen, in denen man allein arbeitet, doch auch genauso viele, in denen man sich mit Kolleg*innen austauscht.
Auch bei den weiteren persönlichen Eigenschaften sind sich Uwe Raback und Benedikt einig: Man sollte Interesse und Freude an der Arbeit am PC mitbringen. „Man sollte auch ein Tüftler-Gen haben, also Lust haben auszuprobieren und Dinge zu entwickeln. Es gibt bei uns in der Geomatik nicht immer eine vorgefertigte Lösung, sondern wir arbeiten auf die Lösung hin“, fasst der Ausbilder zusammen.