Janis geht dem Wasser im Brunnenbau auf den Grund

Janis Beisenbusch befindet sich in der Ausbildung zum Brunnenbauer: Foto: privat

Janis hat im Brunnenbau seine Berufung gefunden. Zwischen riesigen Bohrgeräten, geologischen Bodenproben und der Arbeit auf Montage erlebt er einen Alltag, der alles andere als gewöhnlich ist. Was für ihn die Ausbildung zum Brunnenbauer ausmacht, erzählt er hier. 

Eigentlich war alles ganz anders geplant. Janis Beisenbusch, 22 Jahre alt und gebürtig aus Nottuln bei Münster, arbeitete ursprünglich in der Werkstatt eines Speditionsunternehmens. Ein Kunde war auch die Firma Vormann Bohrgesellschaft mbH & Co. KG, die dort Geräte zur Wartung brachte. Neugierig geworden, wofür die Geräte eigentlich benötigt werden, schaute er sich die Website des Unternehmens an und wurde so auf den offenen Ausbildungsplatz zum Brunnenbauer aufmerksam. 

Wenig später saß er bereits bei einem Kennenlern-Gespräch. „Es fühlte sich jetzt nicht so an wie ein Vorstellungsgespräch, sondern eher wie so ein gemütliches Kaffeetrinken“, erinnert sich der Auszubildende. Ein dreiwöchiges Probearbeiten später war der Ausbildungsvertrag unterschrieben.

Dabei war das Berufsbild des Brunnenbauers für ihn anfangs ein unbeschriebenes Blatt. Schnell hat Janis gemerkt, dass Brunnenbau viel mehr ist als Löcher in den Boden zu bohren. Es geht um Wasserwirtschaft, Baugrunderkundung für riesige Infrastrukturprojekte wie Autobahnen oder Stromtrassen und um die Gewinnung von Erdwärme durch Geothermie.

Ich hatte keinerlei Vorstellung davon, wie die Ausbildung abläuft. Ich bin quasi mit null Erwartungen reingegangen und wurde auf keinen Fall enttäuscht. Also mir macht es sehr viel Spaß.

Janis Beisenbusch
Auszubildender zum Brunnenbauer 

Berufesteckbrief

Brunnenbauer

Umfangreiche Informationen über den Beruf und die Ausbildung haben wir im Berufesteckbrief zum Brunnenbauer zusammengefasst.

Brunnebohrung hinter Schild für Wasserschutzgebiet

Vom Baugrundverständnis zur Bohrpraxis im BAU ABC

Der Start in die Ausbildung führte Janis direkt nach Bad Zwischenahn ins BAU ABC. Hier, in der überbetrieblichen Ausbildung, werden die handwerklichen Grundlagen vermittelt. Besonders prägend: Die Arbeit am sogenannten Dreibock. 

Dabei handelt es sich um ein hohes Dreibein, an dem ein Seil befestigt ist, um die Rohrschelle in den Boden zu drehen: „Da sucht man sich zwei bis drei starke Leute und versucht, das Ganze mit Muskelkraft in den Boden zu kriegen“, erklärt der Auszubildende den Prozess und ergänzt, „das ist echt hilfreich, um ein Gefühl für den Boden und die Materialien zu entwickeln.“ Später im Berufsalltag werden dann moderne, hydraulische Bohrgeräte genutzt.

Neben der Bohrtechnik stehen auch Metallbau sowie Exkurse in andere Gewerke wie den Kanal-, Straßen- oder Mauerwerksbau auf dem Stundenplan, um ein breites Verständnis für die Bautechnik zu entwickeln und die Arbeit auf einer Baustelle kennenzulernen. „Wir haben im Straßenbau zum Beispiel Bordsteine gesetzt und einen Weg gepflastert. Mit den Maurern haben wir eine Mauer hochgezogen und verputzt. Das haben wir immer im Klassenverbund gemacht und so jedes Gewerk kennengelernt“, erinnert sich Janis. 

Wenn man wirklich gar keinen Plan davon hat, versteht man vielleicht die Grundsätze, aber worum es wirklich geht, kommt erst mit der Zeit und der Praxis.

Janis Beisenbusch
Auszubildender zum Brunnenbauer 

Während der gesamten Ausbildung verbringen die Azubis in unterschiedlich langen Blöcken Zeit im BAU ABC. Im ersten Lehrjahr sind es insgesamt 16 Wochen, im zweiten sind es noch 13 Wochen und im dritten Lehrjahr schließlich sechs Wochen. 

Da die Azubis aus ganz Deutschland anreisen, wohnen sie während der überbetrieblichen Ausbildung gemeinsam im Internat vor Ort. Nach Feierabend warten Fitnessraum, Billardtische oder gemeinsame Grillabende am Bad Zwischenahner Meer. Viel Zeit, um sich kennenzulernen, Freundschaften zu schließen und sich gegenseitig bei den Aufgaben zu helfen.

Luftbild BAU ABC Rostrup

Im überbetrieblichen Ausbildungszentrum kommen Azubis aus den verschiedenen Gewerken des Bauwesens zusammen. Foto: BAU ABC Bad Zwischenahn

Auch Brunnenbauermeister und Ausbilder David Urban-Werner findet, dass die Zeit im BAU ABC eine gute Möglichkeit ist, um herauszufinden, ob die Ausbildung zu einem passt: „Wir legen in der Ausbildung Wert auf Pünktlichkeit und Disziplin. Das sind Eigenschaften, die auch später im Beruf gefragt sind. Wenn Auszubildende schon bei uns daran scheitern, ist das oft ein Hinweis, dass das Interesse für den Beruf fehlt. 

Aber genau dafür ist eine Ausbildung ja auch da: Um für sich herauszufinden, ob man sich die Tätigkeit dauerhaft vorstellen kann.“ Wer grundsätzlich Interesse am Beruf hat, aber sich mit manchen Aufgaben schwertut, der kann im BAU ABC auf ein breites Unterstützungsangebot zählen.

Uns sind die Arbeitseinstellung und das Interesse am Beruf wichtig. Wenn man das mitbringt, dann ist schon viel gewonnen. Alles andere können wir den Auszubildenden beibringen.

David Urban-Werner
Brunnenbauermeister & Ausbilder im BAU ABC

Zwischen Theorie und Mathe: Die Berufsschule im Blockmodell

Parallel zur praktischen Arbeit besucht Janis die Berufsschule, die ebenfalls in Blöcken von mehreren Wochen stattfindet. Der Unterricht ist in Lernfelder unterteilt, die weit über das klassische Schulwissen hinausgehen. Hier stehen Themen wie Rohrleitungsbau, Pumpenkunde, Geologie und vor allem viel Mathematik auf dem Lehrplan. 

„Im ersten Jahr haben wir unter anderem die verschiedenen Holzarten behandelt oder berechnet, wie viel Mörtel wir für eine Mauerstück benötigen. Man muss in der Ausbildung viel rechnen, sei es Volumenberechnung für die Bohrspülung oder Umlaufmengen“, berichtet der 22-Jährige.

Besonders wertvoll findet er den Unterricht bei Lehrkräften, die selbst aus der Praxis kommen: „Wenn zwischendurch Erfahrungsberichte kommen, bleibt das besser im Kopf und man kann sich das besser vorstellen“. Die Theorie bereitet die Azubis gezielt auf die Prüfungen vor, die je nach Ausbildungsmodell (zweijähriger Tiefbaufacharbeiter oder dreijähriger Brunnenbauer) unterschiedlich gewichtet werden.

Vor kurzem hat Janis seine mündliche und schriftliche Zwischenprüfung absolviert. Darauf wurden er und seine Mitschüler*innen gut vorbereitet: „Es wird Wissen aus Politik und Wirtschaft abgefragt und dann geht es um berufsspezifische Themen. In meinem Fall gibt es zum Beispiel Aufgaben zu Grundwassermessstellen und auch ein bisschen Rohrleitungsbau.

Meter für Meter in die Tiefe

Richtig spannend wird es für den 22-Jährigen in den Praxisphasen im Betrieb. Er ist oft auf Montage in ganz Deutschland, beispielsweise in Berlin oder in Wilhelmshaven. In der Regel arbeitet Janis auf größeren Baustellen mit, auf denen das gesamte Team über Wochen tätig ist. Montagmorgens treffen sich alle Kolleg*innen in der Betriebshalle in Nottuln, Projekte werden durchgesprochen, Teams und Kolonnen eingeteilt. 

„In der Kolonne fahren wir dann zu unseren Baustellen und bleiben dort einige Tage – je nachdem, wie wir mit unserer Arbeit vorankommen. Manche Teams arbeiten unter der Woche länger, sodass sie Donnerstagabend noch zurückfahren können. Andere bleiben bis Freitag und fahren mittags zurück. Das ist ganz unterschiedlich“, erklärt Janis. Die freie Einteilung findet auch der Azubi praktisch, denn so kann er bei privaten Terminen auch mal einen Tag früher zurückfahren und muss durch die aufgebauten Überstunden keinen Urlaubstag nehmen.

Janis arbeitet in den Praxisphasen auf Montage in ganz Deutschland. Foto: privat

Auf den Baustellen arbeitet der Azubi meist als „zweiter Mann“ am Bohrgerät. Das bedeutet, Janis arbeitet dem Geräteführer zu: Er reicht Bohrgestänge an, nimmt Bodenproben, beschriftet diese zentimetergenau und kontrolliert regelmäßig die Bohrspülung, damit der Bohrprozess reibungslos läuft. 

Die Hierarchie ist klar: Der Geräteführer bedient die Anlage und trägt die Hauptverantwortung, doch der Azubi wird von Anfang an voll eingebunden. Jetzt im zweiten Ausbildungsjahr kommt es auch immer öfter vor, dass die Geräteführer mit Janis den Platz tauschen und der Azubi das Kommando hat.

Es wird einem sehr viel Vertrauen entgegengebracht. Man darf direkt mit anpacken und wird auch mal an die Hebel gelassen, um das Gerät selbst zu bedienen. So lernt man am meisten.

Janis Beisenbusch
Auszubildender zum Brunnenbauer 

Besonders bei öffentlichen Aufträgen sind Zusatzqualifikationen wichtig. So lernte der Azubi auch, worauf es bei der Fachkraft für Probenentnahme ankommt. Solche Scheine sind oft Voraussetzung, damit Firmen überhaupt an Ausschreibungen für Trinkwasserbrunnen oder Geothermiebohrungen teilnehmen dürfen. „Grundsätzlich braucht man keinen Schein, um ein Bohrgerät zu bedienen. Aber es gibt verschiedene Zusatzqualifikationen, die man als Brunnenbauer erwerben kann“, erklärt Ausbilder David Urban-Werner.

Ratgeber

Ab auf die Baustelle: Einblick in das BAU ABC in Rostrup

Ausbilder David Urban-Werner verrät im Interview, wie die Ausbildung für Spezialtiefbauer im BAU ABC aussieht und was die Ausbildung dort ausmacht.

Luftbild BAU ABC Rostrup

Frauenpower im Brunnenbau

Obwohl der Beruf körperlich anstrengend sein kann, wandelt sich das Bild der Branche. Denn immer mehr moderne Hilfsgeräte erleichtern die schwere Arbeit. Mit ein Grund, warum immer mehr Frauen den Weg in den Brunnenbau finden. David Urban-Werner schmunzelt: „Die Mädels haben oft ein bisschen mehr Feingefühl in den Fingern als so mancher Junge, der eher mit der Hauruck-Methode an die Hebel geht“. Oft schließen weibliche Azubis mit Spitzennoten ab und gehen später in die Bauleitung oder ein Studium.

Für Janis hat sich der Sprung ins kalte Wasser gelohnt. Sein Fazit nach fast zwei Jahren Ausbildung fällt durchweg positiv aus: „Ich hatte keinerlei Vorstellung, wie die Ausbildung abläuft, aber ich wurde auf keinen Fall enttäuscht“. Wer gerne draußen arbeitet, kein Problem mit Montageeinsätzen hat und am Ende des Tages sehen will, was er geschafft hat, dem rät er zu einem Praktikum. Die Frage, ob sich die Ausbildung zum Brunnenbauer lohnt, kann er daher nur mit einem klaren „Ja“ beantworten.

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