Mit der Lizenz zum Schweißen: So vielseitig ist der Job von Rohrleitungsbauer Dustin

Dustin ist Rohrleitungsbauer bei der Gerald Peters Rohrleitungsbau GmbH. Nach seinem Abitur zog es ihn auf die Baustelle. Was ihm an seinem Beruf mit am besten gefällt? Ganz klar die Arbeit an der frischen Luft und die Vielseitigkeit seiner Aufgaben.

Foto: Dustin Kinastowski / Gerald Peters Rohrleitungsbau GmbH

Rohrleitungsbauer Dustin ist zufrieden: Das Tagesziel ist erreicht. Gemeinsam mit seinen Kollegen kann er die Baustelle für heute abschließen. Dustin ist Rohrleitungsbauer bei der Gerald Peters Rohrleitungsbau GmbH, einem niedersächsischen Bauunternehmen mit Projekten in ganz Norddeutschland.

Dass Dustin und seine Kollegen jetzt mit einem guten Gefühl in den Feierabend gehen können, ist für Dustin auch ein persönlicher Erfolg – immerhin hatte er heute den Großteil des Tages die Verantwortung. Sein Meister musste wegen eines anderen Termins die Baustelle vorzeitig verlassen.

Schon öfter hat der 22-jährige seinen Meister vertreten: „Man muss auf jeden Fall zusehen, dass man gut improvisieren kann. Es läuft nicht immer alles nach Plan, das ist nun mal so. Am Anfang musste ich erstmal gucken, dass ich diese Improvisation gut selbst manage – auch die Verantwortung auf mich nehme. Wenn ich etwas entscheide, ist das auch wirklich Fakt und wenn es nicht läuft, habe ich es versemmelt.“

Ganz allein ist Dustin zum Glück nie. In der Kolonne, meist ein Team aus vier bis fünf Personen, kann er sich immer Rat von seinen Kollegen einholen, die schon länger im Beruf sind. „Harmonie“, erzählt Dustin, „ist in der Kolonne sehr wichtig. Wir besprechen Arbeitsschritte gemeinsam und sind immer im Austausch. So läuft es auch am besten. Es soll nicht so sein, dass ich den Takt angebe – eine Baustelle ist immer Gemeinschaftsarbeit.“

In der Kolonne sind die Aufgaben klar verteilt: Die Maschinenführer fahren Bagger und Radlader ein Tiefbaufacharbeiter, der für den Tiefbau zuständig ist, übernimmt weitere unterstützende Aufgaben auf der Baustelle. Der Meister hat die Leitung auf der Baustelle und übernimmt vor allem organisatorische und dokumentatorische Aufgaben. Als Rohrleitungsbauer vervollständigt Dustin die Kolonne. Er verlegt und verbindet Rohrleitungen.

Auf der Baustelle sind viel Muskelkraft und Handarbeit gefragt, doch ohne Werkzeug und Maschinen geht es natürlich nicht. „Dadurch, dass wir im Tiefbau tätig sind, muss immer ein Bagger da sein. Das ist für unsere Arbeit sehr ausschlaggebend“, erzählt Dustin. Sein wichtigstes Arbeitsgerät verrät der Rohrleitungsbauer auch: das Elektroschweißgerät. Damit kann Dustin die Rohre miteinander verbinden.

Für das Verschweißen der Rohre benötigt er ein so genanntes Fitting, das ist z. B. eine Muffe, in die beide Rohrenden eingeschoben werden. Bevor Dustin die Rohre verschweißt, reinigt er die Oberfläche der Kunststoffrohre. „Die Oberflächen der Rohre sind von einer Oxidschicht bedeckt, die ich vor der Verwendung des Rohres abschälen muss.“ Anschließend reinigt der 22-jährige das Rohr mit einem speziellen PE-Reiniger – PE ist Polyethylen, ein typischer Rohrwerkstoff.

Nun kommt das Elektroschweißgerät zum Einsatz: An dem Gerät befinden sich zwei Elektroden, die Dustin in das Fitting einstecken kann und das Schweißgerät erkennt dann die Parameter, die die Dimension des Rohres definieren. Also z. B. welchen Durchmesser das Rohr hat. Durch diese Parameterbestimmung weiß das Gerät automatisch, mit wie viel Grad und wie lange geschweißt werden muss.

Den Umgang mit dem Elektroschweißgerät hat Dustin während seiner Ausbildung gelernt und musste dafür auch eine spezielle Prüfung ablegen. Erst nach erfolgreichem Bestehen hat Dustin die Lizenz zum Schweißen.

Aus 3 mach 2: So konnte Dustin seine Ausbildung verkürzen

Die Prüfung legen Rohrleitungsbau-Azubis normalerweise im dritten Lehrjahr ab. Für Dustin gab es jedoch kein drittes Lehrjahr. Er konnte die Ausbildung nach zwei Jahren beenden und nun schon ein Jahr Berufspraxis als Geselle im Rohrleitungsbau sammeln. Grund für die verkürzte Ausbildung ist sein Schulabschluss. Als Abiturient entschied sich Dustin für eine Ausbildung zum Rohrleitungsbauer. Die Ausbildung besteht im Normalfall aus einer zwei-jährigen Ausbildung zum Tiefbaufacharbeiter und der einjährigen Aufbauausbildung zum Rohrleitungsbauer. Durch seinen Schulabschluss konnte Dustin ein Lehrjahr im Tiefbau überspringen.

Auch seine Zukunft hat Dustin schon weiter geplant. Im nächsten Jahr beginnt er eine Weiterbildung zum Netzmeister für Gas und Wasser: „Ich habe bewusst die Ausbildung zum Rohrleitungsbauer gewählt, um das ganze technische Know-how zu bekommen und mich auf der Baustelle auszukennen. Ich möchte das bestmögliche aus mir selbst herausholen und deswegen ist das für mich der beste Weg.“ Die Weiterbildung wird ihm von der Gerald Peters Rohrleitungsbau GmbH finanziert – ein glücklicher Umstand, den Dustin sehr zu schätzen weiß.

Von Improvisation und Flexibilität auf der Baustelle

Die Arbeit auf der Baustelle verspricht einen abwechslungsreichen Arbeitsalltag, der Dustin und seine Kollegen auch immer wieder vor neue Herausforderungen stellt: „Plan A sieht so aus, aber als Meister oder Vorarbeiter muss man immer noch Plan B und C, eventuell sogar D haben, damit das Ganze nicht zum Stehen kommt.“ Es kommt z. B. vor, dass Fremdleitungen nicht plangemäß liegen, dann muss das Team schnell schalten und eine andere Trasse finden. Improvisation und Handlungsgeschick sind das A und O. Gerade das gefällt Dustin besonders an seinem Beruf: Die Zusammenarbeit im Team, die Vielfältigkeit seiner Aufgaben, die Aufstiegsmöglichkeiten, die Arbeit an der frischen Luft und den Herausforderungen einer Baustelle zu trotzen.

„Auf einer unserer letzten Baustellen waren die örtlichen Gegebenheiten sehr beengend und kompliziert. Wir mussten eine Stahlleitung mit 50 cm Durchmesser und insgesamt 34 Metern Länge unter einer Bahnhofsbrücke umlegen, damit diese Brücke saniert werden kann. Das heißt wir konnten mit dem Bagger nur schwer arbeiten und eigentlich hat jeder gesagt, dass es nicht funktionieren wird. Im Endeffekt haben wir es mühsam, aber gut hinbekommen, dadurch dass jeder wach war und Augen und Ohren offen hatte, um diese Leitung unter die Erde zu bringen. Das war echt beeindruckend.“

Beeindruckend ist auch die Arbeit, die Dustin und seine Kollegen jeden Tag bei Wind und Wetter erledigen und damit unsere Versorgung mit Trinkwasser, Fernwärme und Co. aufrechterhalten. Eine Wertschätzung, die im Alltag oft etwas zu kurz kommt: „Wenn es mal zwei Minuten dauert, bis das nächste Auto durchkann oder Anlieger sich beschweren, erhoffe ich mir manchmal schon ein bisschen mehr Verständnis, aber gut. Diesen Situationen muss man sich stellen. Irgendwie findet man immer einen Weg.“

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