Hauptsache draußen: Warum für Luca nur eine Ausbildung im Bauwesen infrage kam

Luca Möhlmeyer ist im ersten Lehrjahr zum Rohrleitungsbauer bei der Köster GmbH. Für ihn waren die wichtigsten Kriterien bei der Wahl der Ausbildung ein tolles Arbeitsklima, frische Luft und Spaß an der Arbeit.

Gerade einmal 9 Uhr und die Sonne brennt schon ganz schön auf den Nacken. Zeit für eine Frühstückspause im Schatten. Luca blickt auf seine Kollegen, die auf der ganzen Baustelle verteilt arbeiten. Luca ist in der Ausbildung zum Rohrleitungsbauer bei der Köster GmbH, einem Bauunternehmen mit 21 Standorten in ganz Deutschland. Bereits seit heute Morgen um sieben Uhr ist die Kolonne auf der Baustelle, um eine Trinkwasserleitung auszutauschen. Normalerweise sind sie nur zu dritt oder viert auf einer Baustelle, bei diesem Projekt sogar zu siebt.

Seine Kollegen kennt Luca schon sehr gut. Meistens arbeitet er mit den selben Kollegen zusammen und die Arbeit läuft Hand in Hand. Jeder kennt seine Aufgaben und weiß, was zu tun ist: Die Maschinisten übernehmen Baggerarbeiten, da sie extra dafür ausgebildet sind. Luca hebt mit der Schaufel Gräben aus oder macht sie zu, verdichtet mit der Rüttelplatte oder schafft mit dem Radlader Material heran.

Den frühen Arbeitsbeginn und die körperliche Arbeit ist der 24-jährige schon von seiner vorherigen Ausbildung gewohnt. Trotzdem gehört Muskelkater in den ersten Wochen einfach dazu. Nach seinem Realschulschulabschluss machte Luca zunächst eine Ausbildung zum Feinmechaniker, bevor er im Anschluss eine Ausbildung im Gartenbau machte. „Irgendwas hat aber noch gefehlt“, erzählt Luca. Deswegen hat er sich bei der Agentur für Arbeit für andere Ausbildungen an der frischen Luft erkundigt und den Rohrleitungsbauer als Beruf kennengelernt. Warum unbedingt Bauwesen? Darauf hat Luca eine klare Antwort: „Auf dem Bau hat man immer supertolles Arbeitsklima. Man hat hier Spaß, die Arbeitskollegen sind toll und frische Luft ist immer gut.“

Gut zu wissen

Was ist das Bau-ABC?

Das Bau-ABC ist ein Bildungs- und Weiterbildungszentrum in Rostrup für die Bauwirtschaft in Niedersachsen und Bremen. Azubis aus dem Hoch-, Aus- und Tiefbau besuchen dort Lehrgänge, um zu lernen, wie man z. B. Bagger und Radlader fährt oder wie man schweißt. Nach erfolgreichem Bestehen erhalten sie dafür einen Schein – ähnlich einem Führerschein. Auch für Fachkräfte gibt es dort Lehr- und Weiterbildungsgänge für Meister und Ingenieure. 

Damit war die Sache so gut wie im Kasten und die Bewerbung geschrieben. Da Luca den Rohrleitungsbauberuf kaum kannte, machte er im Vorfeld seiner Ausbildung ein zweimonatiges Praktikum im gleichen Unternehmen. Das war auch gut so, denn so konnte er den Beruf erst einmal kennenlernen und schauen, ob es das Richtige für ihn ist.

Die Ausbildung zum Rohrleitungsbauer ist dual aufgebaut, sodass Luca blockweise in der Berufsschule, im Bau-ABC und auf der Baustelle ist. „Im ersten Lehrjahr ist das noch relativ viel. Man ist 16 Wochen in der Berufsschule und 16 Wochen am Bau-ABC. Man ist weniger auf der Baustelle. Aber das ändert sich mit den Lehrjahren.“ Die Ausbildung an sich dauert 3 Jahre, bei guten Leistungen ist allerdings eine Verkürzung auf 2,5 Jahre möglich. Eine Option, die Luca auf jeden Fall anstrebt.

Stellenanzeigen und Ausbildungsplätze als Rohrleitungsbauer

Auf der aktuellen Baustelle ist Luca mit seinen Kollegen schon eine ganze Weile. Meist geht ein Bauprojekt über mehrere Monate, da zwischen der Auftragsvergabe bzw. der Zuteilung eines Teams und der finalen Bauabnahme einige Arbeitsschritte liegen. Meistens verlegen Luca und seine Kollegen Rohre für Wasser, Abwasser und Gas. „Ein paar hundert Meter sind das schon bei einem Bauprojekt. Da muss man erst die alten Flächen aufmachen, manchmal Asphalt schneiden und Pflaster aufnehmen. Das hält alle sehr auf, deswegen ist das nicht innerhalb von einer Woche fertig.“

Damit Luca und seine Kollegen über die lange Bauphase nicht den Überblick verlieren, werden jeden Morgen die Tagesziele im Baustellen-Team besprochen. Das kann z. B. eine Rohrlänge von zwölf Metern sein. Das heißt der Graben muss geöffnet, das Rohr verlegt sowie verschweißt und anschließend der Graben wieder verfüllt werden.

Hinzu kommen die unterschiedlichen Anforderungen, die Wasser- und Abwasserbaustellen mit sich bringen. Bei Trinkwasserleitungen ist beispielsweise besondere Sorgfalt gefragt. Denn das gereinigte Trinkwasser aus den Wasserwerken muss genauso sauber auch beim Endnutzer ankommen. Bei der Verlegung bzw. Einbau des Materials muss besondere Sorgfalt auf die Hygiene gelegt werden. Damit unterwegs kein Dreck aus dem Wasserrohr das Trinkwasser verunreinigt, müssen Rohre nach dem Verlegen und vor der Inbetriebnahme mit einem Desinfektionsmittel durchgespült werden.  

Gut zu wissen

Was ist mit Arbeitskleidung?

„Wir tragen komplette Arbeitskleidung: Hose, Jacke, T-Shirt, alles dabei. Dann natürlich Sicherheitsschuhe und -handschuhe. Im Baggerbereich ist der Sicherheitshelm Pflicht. Wenn man mit Maschinen arbeitet, also Grabenstampfer oder Rüttler, gehören auch Gehörschutz und eine Schutzbrille dazu, damit hochgewirbelter Sand nicht in die Augen gerät.“

Auch wenn die Arbeitszeiten in der Regel von 7:00 bis 16:45 Uhr geht, können besondere Baustellen besondere Maßnahmen – oder besser gesagt besondere Arbeitszeiten erfordern: „Wir hatten mal eine Schicht, wo wir tatsächlich nachts arbeiten mussten. Bei einer Wasserleitung musste der Schieber ausgetauscht und dazu natürlich das Wasser abgestellt werden. An der Leitung hingen ziemlich viele Häuser dran, sodass wir nachts gearbeitet haben, um die Anwohner nicht zu stören. Mit Leuchtballons haben wir die Baustelle ausgeleuchtet, um auch was sehen zu können. Das war schon eine interessante Erfahrung.“

Im Sommer, wenn es so heiß ist, legen Luca und seine Kollegen öfter Trinkpausen im Schatten ein. Außerdem beginnen sie morgens früher, damit sie am Nachmittag nicht wie sonst bis kurz vor 17 Uhr auf der Baustelle sind, sondern früher Feierabend machen können. Auch im Winter oder bei schlechtem Wetter gibt es Besonderheiten. Wenn im Winter der Boden zugefroren ist oder starker Regen das Arbeiten unmöglich machen, macht man früher Feierabend. Dafür sammelt Luca im Sommer Stunden an, die er im Winter ausgleichen kann.

„Mir persönlich gefällt einfach das Arbeitsklima auf der Baustelle, man versteht sich untereinander. Ich glaube, das ist im Bau generell so, dass man ein – ich sag mal – relativ lockeres Arbeitsklima hat. Man hat immer gute Laune, es werden mal ein paar Sprüche, ein paar Witze gemacht, man ist den ganzen Tag draußen und hat frische Luft. Ich kenn das auch schon von früher, von meiner ersten Ausbildung. Da war ich den ganzen Tag in der Halle, das war nicht so schön, stickige Luft und hier hat man Natur. Das ist einfach gut.“, erzählt Luca und das sind auch die Gründe, warum er die Ausbildung zum Rohrleitungsbauer empfehlen kann.

Luca, sag doch mal....

Gegen 16:45 Uhr. Freitags machen wir sogar schon um 12:15 Uhr Feierabend.

Mit am wichtigsten ist die Schaufel zum Graben.

Maschinen fahren ist immer der Knaller.

Pflastern muss nicht unbedingt sein, aber gehört zum Job dazu.

3 Jahre, aber man kann auf 2,5 Jahre verkürzen.